TSV Brunnthal kickt gegen Asylbewerber

Fußball zur Völkerverständigung

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Gruppenbild unter neuen Freunden: Die Vorfreude aufs Spiel steht den Kickern aus Afrika und Brunnthal vor der Partie schon ins Gesicht geschrieben. Im Bild links außen TSV-Fußball-Chef Bertl Fürst. Vierte von rechts ist  Mitorganisatorin Lisa Frank. Ganz rechts der 82-jährige Edi Bscheid. Er hatte es sich nicht nehmen lassen, die Partie zu leiten. 

Die Kreisliga-Kicker des TSV Brunnthal haben ein Freundschaftsspiel mit Asylbewerbern aus der Neubiberger Unterkunft ausgetragen. Das Spiel ging am Ende zwar unentschieden aus, aber dennoch gab es eigentlich nur Gewinner. Künftig will man sich sogar regelmäßig zum gemeinsamen Kicken treffen.

„It‘s great!“ Am Ende des Freundschaftsspiels gegen den TSV Brunnthal strahlte Omar Nyassi über das gesamte Gesicht. Gerade eben hatte das vom jungen Senegalesen gemanagte Team von Flüchtlingen aus Schwarz-Afrika, die derzeit in der Unterkunft Neubiberg untergebracht sind, den heimischen Kicker-Heroen ein beachtliches 4:4 abgetrotzt.

Doch auf das Ergebnis kam es beim Einladungs-Match vor Wochenfrist auf der Brunnthaler Anlage gar nicht an. Es war vielmehr ein Tag der Freundschaft, der freudvollen Symbolik und des funktionierenden, interkulturellen Miteinanders auf und neben dem Platz. Der Fußball sollte Brücken bauen zwischen den Menschen unterschiedlicher Herkunft.

In Brunnthal, das noch vor wenigen Jahren Negativschlagzeilen produziert hatte, als dort mit Flugblattunterstützung gegen die Unterbringung von Asylsuchenden vorgegangen worden war, tat dieser Abend gut. Es begann mit begeisterndem Fußball, bei dem zunächst die schnellen und wendigen Afrikaner aus Somalia, Nigeria, Eritrea, Mali und Senegal dominierten und später auch die Oberbayern ihre taktisch-technischen Tugenden als Kreisklassen-Tabellenführer in die Waagschale warfen. Beim anschließenden Kreis der Umarmung verwischten die sportlichen Rivalitäten schnell in einem Meer aus Lachen, gegenseitigen Umarmungen und Fachsimpeleien zwischen Bayern und Afrika. Beim Grillfest danach wurden die jungen Freundschaften vertieft. Mithilfe eines örtlichen Busunternehmers will man künftig den Flüchtlingen wöchentlich die Gelegenheit geben, von Neubiberg nach Brunnthal zu kommen und dort zu kicken. „Ich danke dem Verein für die tolle Organisation und den tollen Empfang“, freute sich Lisa Franke. Die Sozialarbeiterin hatte den Kontakt hergestellt und das Projekt angeschoben. „Ein toller Tag“, freute sich auch TSV-Fußballboss Bertl Fürst. Sein Verein hatte unglaubliches Engagement gezeigt bei der Ausrüstung der afrikanischen Fußballer mit dem nötigen Schuhwerk und den Trikotsätzen. Die Damen des TSV hatten gekocht, gebacken und Salate gezaubert, die Spieler den Tag in den sozialen Netzwerken beworben. „Ich bin den Organisatoren hier sehr dankbar für alles. Das sind tolle Menschen“, freute sich „Manager“ Omar, der selbst nach einer Odyssee aus Schwarzafrika seit sieben Monaten in Bayern weilt. „Abseits der Monotonie in der Unterkunft war dieser Tag ein Fest und ich hoffe auf ein Wiedersehen.“ Dann schmunzelt Omar Nyassi: „It‘s great“, sagt er strahlend.

Harald Hettich

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