Waldränder und Baumschutz im Fokus

Neubibergs Bäume schützen und Gartenstadt-Charakter erhalten

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Es ist geplant, künftig in Neubiberg den sensiblen Übergang von Forst zu Bebauung wie hier am Schopenhauer Wald intensiver zu schützen.

Nicht nur besonders wertvolle Bäume sollen im Gemeindegebiet Neubibergs erhalten werden. Auch die Bebauung am Wald­rand soll künftig durch eine Handlungsleitlinie für potenzielle Bauherren bestimmt werden. Abschließend wird sich der Gemeinderat in seiner Sitzung am 1. Juli damit befassen.

Neubiberg verfügt über insgesamt sechs Waldkomplexe (Bahnhofswald Süd und Nord, Abloner Garten, Cramer-Klett-Wald, Schopenhauer Wald und Salmdorfer Holz) mit einer Gesamtfläche von 27,4 Hektar und einer Waldrandlänge von insgesamt 3,9 Kilometern. Diese Waldränder grenzen meist unmittelbar an bebaute Flächen, an örtlich vorhandene Infrastruktur oder an Baugrundstücke mit künftig potenzieller Neubebauung. Konflikte scheinen hier innerhalb einer zunehmend flächenversiegelten Gemeinde programmiert. „In den letzten Jahren wurde bei der Bearbeitung verschiedener Bauanträge erkennbar, dass das Bauen im Nahbereich von Waldflächen zunehmend konfliktbehaftet ist“, begründete Bürgermeister Günter Heyland (FW.N@U) im Chor mit seiner Verwaltung den jetzigen Vorstoß. Mit dem Gutachten, das durch den Gemeinderat beauftragt und vom Forstsachverständigen Michael Regehr federführend durchgeführt wurde, gehen jetzt klare Grundsatzregelungen einher. So soll der Baumbewuchs verjüngt und Zug-um-Zug für den Standort gut geeignete Bäume gepflanzt werden. Auch wird künftig ein Schutzstreifen im Übergang von Waldrand zu bebauten oder zu bebauenden Grundstücken eigens ausgewiesen, um zu helfen, die waldklimatisch wichtigen Funktionen zu erhalten – so etwa den Wasser- und Bodenhaushalt oder die weitere Funktionsfähigkeit des Waldwurzelkörpers. Vorgesehen ist ein Zweistufen-Plan. In einem Schutzstreifen von sechs Metern Tiefe zwischen der Waldgrenze und zu bebauenden Grundstücken gelten künftig besonders strenge Regeln. Hier darf kein Aushub von Baugruben erfolgen, eine Errichtung neuer baulicher Anlagen ist hier ebenso verboten wie die Verlegung von Versorgungsleitungen, eine Verdichtung oder weitere Bodenversiegelung. Streng reglementiert sind im Schutzstreifenbereich auch die Größen von Einfriedungen oder die Anpflanzung neuer Bäume. Auch darf in diesen Bereichen kein Waldzugang geschaffen werden. In einer sogenannten „Baumwurfzone“ von 25 Metern ist eine Bebauung zwar bedingt möglich, nach Maßgabe der Gemeinde aber peniblen Vorgaben unterworfen.

Insgesamt soll das Fachgutachten als „Handlungsleitlinie für die weitere Gemeindeentwicklungsplanung verbindlich sein“ und in künftige Bauberatungen und Entscheidungen einfließen. Wichtig: auch in bereits „in Aufstellung befindlichen Bebauungsplänen sind die Grundsatzempfehlungen einzuarbeiten“ – so das Votum des Ausschusses. Dagegen sollen bestehende Grundstücksbebauungen Bestandsschutz genießen. Mit der umfangreichen Materie muss sich demnächst auch die Vollversammlung des Gemeinderates noch befassen.

Alle gemeindlichen Gremien bereits passiert hat dagegen die neue Neubiberger Baumschutzverordnung. Auf Mehrheits-Empfehlung des Umweltausschusses votierte auch der Gemeinderat selbst für eine entsprechende Regelung, die eine angemessene Durchgrünung und den Erhalt wertvollen Baumbestandes im Ort auch künftig sichern soll. Geschützt werden sollen vor allem Laubbäume ab einem Stammdurchfang von mindestens 80 Zentimetern, der ein Meter über der Erdoberfläche gemessen werden soll. Auch die Waldkiefer und der Walnussbaum sollen als ebenfalls zukunftsträchtige Gehölze unter den Baumschutz fallen. Ein mehrköpfiges Team des Umweltamtes will alle infrage kommenden Bäume inspizieren und davon ein pro oder contra zur Fällung abhängig machen. In Zweifelsfällen soll ein Sachverständiger entscheiden. Ab November diesen Jahres soll die neue Regelung greifen. 

Harald Hettich

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