Überlastung wird immer größer

Für die Neubiberger stehen intensive Gespräche zum Thema Bahnunterführung an der Hauptstraße an

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Zarte Lichtsignale der Hoffnung auf eine verkehrliche Verbesserung in Form einer Untertunnelung des Neubiberger S-Bahnstrangs blinken an der Hauptstraße. Momentaufnahme an einem Montag abend.

Die Neubiberger Gemeinderäte haben mit Planungen begonnen, die die Verkehrbelastung beim S-Bahnübergang an der Haupstraße vermindern sollen. Aufgrund der technischen Vorgaben soll nur noch die Variante einer verschwenkten Lösung zwischen Floriansanger und Äußerer Hauptstraße planerisch weiterverfolgt werden. Für den innerörtlichen Bereich nahmen die Räte positiv auf, dass durch einen Straßentunnel unter den Bahnanlagen wohl kein weiterer, überregionaler Verkehr nach Neubiberg verfrachtet würde. Auch müsste die Hauptstraße im Zuge der rund eineinhalbjährigen Bauzeit nicht während der gesamten Bauphase, sondern „lediglich“ acht bis zehn Monate voll gesperrt werden. 

Allerdings würde sich die verkehrliche Problematik unweit westlich wohl deutlich verschärfen. Im Bereich der Kreuzung von Äußerer Hauptstraße, der Staatsstraße 2078 von und nach München-Perlach und einer aufgrund neuer Bundeswehr-Uni-Zufahrt verkehrlich deutlich aufgewerteten Trasse „Auf der Heid“ rechnen die Verkehrsgutachter des Büros Ingevost nicht nur mit deutlich längeren Rückstaus und Ampelwartezeiten. Vor allem dürfte laut Einschätzung der Experten auf Sicht „die Kapazitätsgrenze dieser Kreuzung überschritten werden“. Die umfangreichen Wohn- und Gewerbebaumaßnahmen der Stadt München entlang der Carl-Wery-Straße weiter nördlich, der geplante neue U-Bahnbetriebshof an der Stadtgrenze und ein eklatanter Bevölkerungsanstieg im südlichen Landkreis insgesamt dürfte diesen Kreuzungsschnittpunkt, so wie er sich derzeit präsentiert, zukünftig deutlich überlasten. 

Auf Bürgermeister Günter Heyland (Freie Wähler N@U) dürfte ein intensiver Dialogprozess zukommen. Gespräche mit den Nachbarkommunen München und Ottobrunn, mit den Straßenverkehrsbehörden, vor allem aber auch mit der Deutschen Bahn, die eine im technischen Vokabular als „Höhenfreilegung“ bezeichnete Tunnelbaumaßnahme potenziell mittragen muss, stehen an. Aufgrund der schwierigen Planung, weiteren technischen Erhebungen und intensiveren verkehrlichen Untersuchungen muss bei einer Realisierung wohl langfristig gedacht werden. Zumal den Räten die Erhebungen der Verkehrsgutachter nicht exakt genug waren und das Büro Ingevost erweiterte Untersuchungen auch an benachbarten Kreuzungsschnittpunkten kostenfrei zusagte. Die Projektkosten dürften für Neubiberg ohnehin noch üppig ausfallen. Zu den 8,5 Millionen Euro möglichen reinen Baukosten, bei denen die Gemeinde neben Freistaat und Bahn wohl ein Drittel der Kosten zu tragen hätte, kämen hohe Infrastrukturkosten, Grunderwerbs- und Baukosten im Umfeld der Maßnahme auf die Gemeinde zu. Zahlen mochte Heyland noch nicht nennen. Über dem Gesamtprojekt schwebt auch die Langzeitforderung einer Taktverdichtung und eines zwei- gleisigen Ausbaus der S-Bahn zwischen München und Aying. „Die dann noch schneller getakteten Schließzeiten der Schranken wären dann nicht mehr zu vermitteln“, betonte Nicola Gehringer (CSU), die wie andere auch mit Blick auf schnellere Zu- und Abfahrtsbeziehungen der Freiwilligen Feuerwehr am benachbarten Floriansanger auch aus Sicherheitsüberlegungen entschieden für das Unterführungsprojekt argumentierte. Aber auch bei der S-Bahn-Taktverdichtung dürfte Geduld gefragt sein. „Nicht vor 2035 soll damit begonnen werden“, hat Rathauschef Heyland aus staatlichen Stellungnahmen entnommen. 

Dann müsse ohnehin an vier Übergängen gleichzeitig untertunnelt werden. Je zweimal in Neubiberg und auch in Ottobrunn. Grundsätzlich steht dem Projekt „Höhenfreilegung“ unter dem S-Bahnstrang der Hauptstraße nichts Gravierendes entgegen. „Die Planungen der Stadt rund um das Perlacher Tor bringen die Kreuzung der Staatsstraße zum Kollabieren, nicht die Untertunnelung der S-Bahn in Neubiberg“, brachte Verkehrsexperte Christian Fahnberg von Ingevost die Thematik auf den Punkt. Die Abhängigkeiten bleiben dennoch.

Harald Hettich

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