Zeitlos Pilgern ohne Uhr und Handy

Neubiberger Schüler suchten auf viertägigem Fußweg ihre innere Balance

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Ziel einer Pilgerreise von 15 Schülern aus Neubiberg: Die Wallfahrtskapelle Birkenstein in Fischbach­au. Die Wanderer legten den Weg in vier Tagen zu Fuß zurück. Unterwegs gab es Spiele, Meditationen und Blasen an den Füßen.Fotos: oh/cen

„Vier Tage lang laufen – das sind wir nicht mehr gewöhnt. Der zweite Tag war am Heftigsten,“ erzählt Raphaela Goßmann, „es gibt Fotos, da lagen wir heulend am Boden, als wir endlich da waren“. Und Johannes ergänzt: „Wir konnten uns maximal noch fünf Meter durch den Raum bewegen und waren total fertig.“ Die beiden Schüler sind Teilnehmer einer Schülerpilgerreise des Neubiberger Gymnasiums. Unter dem Titel „Energietankstellen – Sportlich-christlicher Weg zur inneren Balance“ im P-Seminar konnten sich die Schüler aussuchen, was sie gerne machen wollten. Und entschieden sich für den Vorschlag von Religionslehrer Peter Müller, eine Pilgerreise zu Fuß bis zur Wallfahrtskapelle Birkenstein in Fischbachau am Schliersee zu machen.

Die rund 15 Schüler bereiteten in Gruppen sowohl die Route als auch einzelne Medita­tionseinheiten für sich und ihre Mitschüler vor. Im Gepäck befanden sich lediglich ein paar Wechselklamotten, Schlafsack und Isomatte. Am ersten Tag ging es von der Schule in Neubiberg aus nach Aying ins Pfarrheim, wo sie übernachteten. 

Fünf Stunden mussten sie da laufen. Und zwar ohne Handy und Uhr. Das war die Bedingung. „Trotz Wanderschuhen hatte ich ziemlich schnell Blasen an den Füßen“, erzählt Celine. Und das Handy hätten sie – fast – gar nicht vermisst: „Man hatte öfter Mal das Gefühl, dass man das Handy aus der Hosentasche holen will“, erinnert sich Johannes. „Aber das hatte ja auch was Gutes: Man hat mit den anderen gesprochen“, sagt Maria und Celina ergänzt: „Es war wie damals, man musste sich mit den Leuten unterhalten!“ Lediglich die Musik hätte ihm gefehlt, so Johannes. Zur Motivation um weiter zu gehen. Alle hätten geraten, wie spät es wohl ist und alle unterschiedlich. Die begleitenden Lehrer hatten allerdings ein Handy dabei: Für Notfälle! Besonders gut gefielen den Teilnehmern die von ihnen selbst vorbereiteten Mediationen: Über Gebete, progressive Muskelentspannung, einer Teemeditation bei Kamelen in Grub bei Valley im orientalischen Zelt, bis zum Spüren der Kraft der Bäume oder Yoga.

„Besonders schön war es am Freitag, wo wir von Aying nach Miesbach mit 27 Kilometern die größte Strecke in acht Stunden gelaufen sind“, erzählt Melodie. „Da sind wir richtig zusammengewachsen mit gemeinsamem Singen und dann am dritten Tag von Miesbach zum Schliersse in die Jugendherberge Josefstal.“ Am Sonntag ging es dann mit der BOB zurück. Ein Mitschüler musste die Reise leider abbrechen, weil er sich den Knöchel verstaucht hat, aber die restlichen Schüler erreichten ihr Ziel. Und trugen auch mal gegenseitig die Rucksäcke. Insgesamt legten die Pilger an die 70 Kilometer zurück.

Und Raphaela fasst die Erfahrung für alle zusammen: „Wir sind auf alle Fälle gewachsen, sowohl weil wir über unserer körperlichen Grenzen hinaus gegangen sind und trotzdem weiter gemacht haben, aber auch als Gemeinschaft.“ 

Claudia Engmann

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