Wieder in der Findungsphase

Neubiberg will Pläne zum Rathausprojekt überarbeiten

Kann durch die Digitalisierung beim neuen Rathaus in Neubiberg Fläche gespart werden? Das sollen Experten nun ermitteln.
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Kann durch die Digitalisierung beim neuen Rathaus in Neubiberg Fläche gespart werden? Das sollen Experten nun ermitteln.

Neubiberg – Ein „vorsichtiger Neustart“ soll es sein. So erklärte Neubibergs Bürgermeister Thomas Pardeller (CSU) das weitere Vorgehen bei der Rathaussanierung und -erweiterung. Im Herbst 2019 waren die bisherigen Projektpläne wegen der hohen Kostensteigerung von einer Mehrheit im alten Gemeinderat gestoppt worden (HALLO berichtete). Das im März neu gewählte Gremium hat es nun zur Aufgabe, das Projekt zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. 

Im Juni wurde dem Gemeinderat dazu ein Vorschlag der Verwaltung vorgetragen. Auf Empfehlung der externen Projektsteurer sollen in einer Konzeptfindungsphase die Randbedingungen des Baus herausgearbeitet werden, um wieder eine klare Zielvorgabe zu haben, die mehrheitsfähig ist. Dazu sind sowohl Kostenrahmen als auch Flächenbedarf kontinuierlich aufeinander anzupassen. Für einen erfolgreichen Neustart seien drei Schritte entscheidend. 

Das Raumprogramm soll optimiert und überarbeitet werden. Die Sitzungen der Fraktionssprecher hätten in der Vergangenheit aufgezeigt, dass bei diesem Thema großer Diskussionsbedarf bestehe. Im Speziellen soll das Thema „Arbeitswelt 4.0“ untersucht werden. Da die Verwaltung dazu keine belastbaren Aussagen treffen kann, wird ein externer Experte beauftragt, Flächeneinsparungen durch neue Arbeitsformen wie Homeoffice und Digitalisierung zu ermitteln und zu bewerten. 

„Wir müssen an allen Stellschrauben drehen, den Flächenumfang nochmal nachschärfen und gleichzeitig die Verwaltung fit für die Zukunft machen“, erklärte der Rathaus­chef das Vorgehen. Weiter könnten laut der Projektsteurer durch eine Reduzierung der Tiefgaragen-Stellplätze Kosten gespart werden. Daher sollen die Baukosten dafür kritisch hinterfragt werden, etwa durch die Anpassung des Stellplatzkonzeptes. Darin sind bislang auch Parkplätze für weitere Gemeindeeinrichtungen im Rathausareal berücksichtigt. 

Um den Prozess der Konzeptfindung transparenter zu gestalten, wird eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die die Planungsergebnisse diskutiert und vorberät. Jede Fraktion soll dazu einen Vertreter aus dem Sonderausschuss Verwaltungsgebäude und Digitalisierung (VGDA) berufen. Dies sei sinnvoll, weil in der Vergangenheit kritisiert worden sei, dass die Räte zu wenig in die Planung mit einbezogen werden, erklärte Pardeller.

Dass zunächst über einen externen Berater das Potenzial von „Arbeitswelt 4.0“ überprüft werden soll, würde das Projekt weiter verzögern, bemängelte Jürgen Knopp von der Freien Wählern. „Da wird das Pferd vom falschen Ende aufgezäunt“, so Knopp. Die Erfahrung, die die Verwaltung während Corona mit dem Thema Digitalisierung sammeln konnte, sei wichtiger als die Einschätzung eines Externen. Viel dringlicher für eine zielgerichtete Fortsetzung des Rathausprojektes sehe er die Ermittlung von Kosteneinsparungen bei den Stellplätzen und der Fläche. 

Bürgermeister Pardeller konnte dahingehend beruhigen. Das Ziel der externen Beratung bestehe nicht darin, eine wissenschaftliche Abhandlung zu 4.0 zu erhalten, sondern das Thema projektbezogen zu erarbeiten. „Wenn ich billiger werden will, muss ich weniger bauen“, brachte es Pardeller auf den Punkt. Daher wolle man das Potenzial durch 4.0 nutzen. Wie viel das letztendlich sei, werde sich herausstellen. Knopps Fraktionskollegin Stephanie Konopac schlug vor, zusätzlich zum Fachwissen des Beraters die durch die Pandemie gesammelten Erfahrungen der Verwaltung mit Home­office zu nutzen. 

Es habe sich gezeigt, dass durch manche Gegebenheiten ein vernünftiges Homeoffice nicht möglich ist. „Als Option ist es ein ,nice to have‘, aber als Muss, weil es keine Räume gibt, finde ich es schwierig“, stellte die Rätin klar. Die Grünen Kilian Körner und Frederik Börner befanden den neuen Ansatz mit einer zielgerichteten Konzeptfindungsphase als positiv. „Wir müssen da ganz offen an alle Fragestellungen rangehen“, meinte Körner. Börner schlug zusätzlich vor, dass die Experten sich speziell zum Thema „Arbeitswelt 4.0“ im Zusammenhang mit einer Verwaltung auskennen sollen. Anders sah Elisabeth Gerner (SPD) den Schritt zurück bei der Projektplanung. „Der größte Teuerungsfaktor bei Bauprojekten sind Verzögerungen“, stellte sie klar. 

Durch die Umplanung entstünden beispielsweise für die Planer weitere Kosten. Außerdem seien momentan die Kreditoptionen sehr günstig. „Wir müssen möglichst schnell zum Bauen kommen. Das spart vermutlich am meisten Geld“, erklärte die Sozialdemokratin.„Auch uns ist daran gelegen, möglichst rasch eine Lösung zu finden“, stimmte Pardeller zu. Man wolle mit diesem Plan zügig und zielgerichtet vorwärts gehen. Überlegungen zu Flächeneinsparungen, Arbeitswelt 4.0 und Stellplatzoptimierungen seien parallele Prozesse. 

Letztendlich zeigten sich alle Gremiumsmitglieder mit dem Vorschlag zufrieden und stimmten der Konzeptfindungsphase zu. Weitere Beschlüsse sollen folgen, sobald der Kämmerer den Finanzrahmen ermittelt hat.

Iris Janda

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