Kostensenkung durch eine abgespeckte Tiefgarage

Neubiberger Gemeinderat stimmt für neues Konzept zum Rathausprojekt

Rathaus Neubiberg
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Ob es sinnvoll ist, die Gebäudehülle des alten Rathauses in Neubiberg zu sanieren, soll eine energetische Prüfung herausfinden.

Rund vier Millionen Euro günstiger soll das Neubiberger Rathausprojekt werden. Das neue Konzept sieht weniger Tiefgaragenstellplätze und vorerst keine Sanierung der Gebäudehülle vor. Letzteres wollte einige Gemeinderäte so nicht hinnehmen.

„Besser, moderner und günstiger“ – so soll laut Neubibergs Bürgermeister Thomas Pardeller (CSU) das Projekt Rathauserweiterung dank optimierten Konzept sein. Vor allem an den Kosten – den Grund für den vorübergehenden Projektstopp vor rund einem Jahr – wurde ordentlich gedreht. Von 23,7 Millionen fällt die Summe dank neuem Konzept auf 20 Millionen Euro.

Im Kern können an drei Stellen Einsparungen gemacht werden. Den mit Abstand größten Posten macht dabei die Verkleinerung der Tiefgarage zu einer Mittelgarage aus. Der Bau soll auf maximal 40 Stellplätze reduziert werden. Minimal könnten sogar nur 30 erreicht werden. „Die kleinste Größe, die baurechtlich möglich ist“, solle umgesetzt werden, erklärte Pardeller.

Damit könnte die Anzahl der Stellplätze von mehr als 90 auf über die Hälfte verringert werden. Das ist möglich, weil der Stellplatzbedarf nicht mehr voranging auf dem Rathausareal sondern auch im näheren Umfeld auf den gemeindeeigenen Parkplätzen an der Lindenallee und der Wittelsbacherstraße nachgewiesen werden kann. Durch die Verkleinerung der Tiefgarage könnten zirka

2,4 Millionen Euro eingespart werden. Außerdem kann durch den Bau der kleineren Tiefgarage nun geprüft werden, inwieweit die Einfahrt von Norden her erfolgen könnte und damit der Maibaum-Parkplatz erhalten bleibt. Das verhindert eine weitere Versiegelung am Rathausplatz. Neben den 2,4 Millionen Euro spart sich die Gemeinde auch Ausgaben bei der Haustechniken. Weil es für eine Mittelgarage andere Vorgaben gibt, müsste beispielsweise keine Brandmeldeanlage installiert werden.

Den zweitgrößten Spar-Posten macht die Anpassung des Raumprogramms aus. So können bis zu 1,1 Millionen Euro eingespart werden, weil unter anderem der bisherige Ratssaal auch als multifunktionale Besprechungszone genutzt werden soll. Je nach Tageszeit könnten auf der Fläche unterschiedliche Nutzungen überlagert werden. Weitere Fläche könnte durch die neue Anordnung von Eingangs-, Kommunikations- und Arbeitsbereich geschaffen werden.

Der Aufbau soll „logischer strukturiert bei gleichbleibender Flexibilität“ sein. Möglicherweise drei Gebäudeachsen im Neubau könnten durch diese Optimierung eingespart werden.

Auch die bisher geplante Sanierung des Altbestands wurde kritisch beleuchtet. So sollen lediglich die Eingriffe erfolgen, die unmittelbar statisch erforderlich sind. Das Fundament soll daher weiter ertüchtigt werden, ebenso wie die Decken durch Stahlbetondecken ersetzt werden sollen.

Eingriffe an der Gebäudehülle sollen dagegen auf das erforderliche Minimum reduziert werden. Es sollen moderne Arbeitsbedingungen hergestellt, aber „behutsam mit dem Bestand“ umgegangen werden, meinte der Rathauschef. Durch den Verzicht auf neue Fenster und die Gebäudedämmung könnten 200.000 Euro eingespart werden.

Dass die Gebäudehülle im neuen Konzept nicht ertüchtigt werden soll, stieß einigen Gemeinderäten übel auf. Man habe dann ein neues Rathaus mit alten Fenster, das nicht gedämmt ist, kritisierte Elisabeth Gerner (SPD). Es halte sich nicht um eine baulich sinnvolle Entscheidung, sondern gehe nur darum, „auf die 20 Millionen Euro runter zu rechnen“.

Bestimmt erklärte Gerner: „Die Klimakrise steht vor der Haustür. Ich kann es nicht verantworten, dass wir in so einer Zeit ein Projekt für 20 Millionen Euro machen und dann keine vernünftigen Fenster und Dämmung einbauen. So etwas kann ich nicht zustimmen.“

Grünen-Rätin Pascale Kollwitz-Jarnac pflichtete der Sozialdemokratin bei: „Ich finde es nicht gut, alles auf reine Investkosten zu konzentrieren. Irgendwann werden wir Fenster und Dämmung machen müssen.“ Sie plädierte dafür das Gebäude nicht auf Neubaustandard, aber sinnvoll zu sanieren. „Wir wollen die Energie nicht zu dem Fenster rausheizen“, stimmte Stephanie Konopac von den Freien Wählern bei. Auch ihre Fraktion forderte eine energetische sinnvolle Altbau-Sanierung.

„Der Eindruck darf nicht entstehen, wir würden das Rathaus tot sparen“, wehrte sich Bürgermeister Pardeller gegen den Vorwurf, an falscher Stelle zu sparen. An dieser Stelle seien die Einsparungen noch verkraftbarer als an anderen. Gerners Einwand sei ein „untauglicher Versuch, darstellen zu wollen, dass wir etwas planen, dass energetisch nicht nachhaltig ist“, entgegnete Pardeller. So seien ein ökologischer Standard und Holzbauweise neu im Projekt festgeschrieben worden. „Wir gehen hier sogar mit dem ökologischen Standard höher. Es ist nicht zulässig zu unterstellen, wir würden hier schlechter werden.“

Letztendlich zeigten sich alle Gemeinderäte mit einem Kompromiss zufrieden: Ob die Gebäudehülle saniert wird oder nicht, soll in Abhängigkeit einer energetischen Prüfung entschieden werden. Im zweiten Quartal 2021 wird voraussichtlich in die Vorplanung eingestiegen. Erst dann kommt es zu konkreten Entschlüssen zum Bau. „Und danach bitte ich um keine Änderungen mehr“, plädierte Harmut Lilge (CSU). Das würde erneut zur Aufblähung der Planung führen.

„Das dürfen wir nicht wiederholen“. Kilian Körner (Grüne) pflichtete ihm bei. Auch CSUler Bernhard Rott bat darum, dass die Zeitschiene eingehalten werde. „Das habe ich schon zu oft anders mit erlebt. Und dann wird es immer teuer.“

Iris Janda

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