Senioren fühlen sich von Bank ausgeschlossen

Postbank-Filiale in Neubiberger Hauptstraße geschlossen – Kunden müssen künftig nach Neuperlach

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Petra Wilkert ist unglücklich über die Schließung des Neubiberger Postbankbetriebs.

Neubiberg – „Man kann nicht eine ganze Bevölkerungsschicht ausschließen!“, erklärt Petra Wilkert verärgert. An diesem verregneten Montagvormittag funktioniert der Postbank-Automat vor der Filiale in der Neubiberger Hauptstraße zwar noch – die Frage ist nur, wie lange? Vergangene Woche wollte die Rentnerin wie gewohnt ihre Bankgeschäfte am Serviceautomaten in der Filiale tätigen. Da wurde ihr mitgeteilt, dass dieser abgeschaltet wurde und es dort künftig keine Dienste der Postbank mehr geben wird. Den Kontostand abrufen oder Überweisungen tätigen – für Wilkert, die kein Auto hat, ist das künftig mit großem Aufwand verbunden.

„Die nächste Filiale ist an der Albert-Schweitzer-Straße in Neuperlach“, sagt sie. „Dafür muss ich erst mit dem Bus nach Neuperlach-Süd und von dort drei Stationen mit der U-Bahn fahren.“ Dafür müsse sie zwei Streifen je Strecke stempeln: „Ich zahle also fünf Euro, nur um Bankgeschäfte zu tätigen.“ Grund für die Schließung des Postbankbetriebs ist ein Betreiberwechsel der Filiale. „Das Geldgeschäft ist von Seiten der Postbank mit sehr vielen Auflagen verbunden. Dafür gibt es nur eine sehr geringe Provision. Das rechnet sich nicht“, heißt es von Seiten der Mitarbeiter. 

Unter anderem müssten wegen des Vier-Augen-Prinzips immer zwei Mitarbeiter im Geschäft sein. „Wir sind hier die Bösen und bekommen den Ärger der Kunden ab. Aber wir können auch nichts dafür“, sagt der Mitarbeiter. Auf Anfrage heißt es von Seiten der Post, dass aufgrund des durch Online-Banking veränderten Kundenverhaltens regelmäßig Postbank und Deutsche Post ihr Filialnetz bezüglich Kundenverkehr, Produktnutzung und Kosten überprüfen. „Für die Partnerfiliale der Deutschen Post in Neubiberg hat diese Prüfung ergeben, dass Bankdienstleistungen hier nicht mehr wirtschaftlich nachhaltig angeboten werden können. 

Daher haben sich die Partner verständigt, diese Services aus der Partnerfiliale herauszunehmen“, sagt Iris Laduch, Pressesprecherin der Postbank. Die nächstgelegene Filiale mit Beratungsdienstleistungen und Serviceterminal sei jene in Neuperlach. Eine weitere gebe es in Taufkirchen am Lindenring 7. Außerdem verweist Laduch auf die Möglichkeit der kostenlosen Bargeldabhebung im Einzelhandel, nächstgelegen in den Supermärkten an der Äußeren Hauptstraße 3 und am Bahnhofsplatz 3 in Neubiberg. Dass nicht nur Wilkert, sondern viele weitere Senioren betroffen sind, zeigt sich bei einem Gespräch mit den Mitarbeitern der Filiale. Während diese die auch für sie nicht einfache Entscheidung erklären, den Postbank-Betrieb abzugeben, kommen immer wieder Kunden in das Geschäft, die von der Unterhaltung mitbekommen.

„Das kann doch nicht sein, dass wir jetzt bis nach Neuperlach müssen!“, meint ein Kunde wütend, „wissen Sie, was da los ist?“ Sichtlich verärgert sieht er nur noch eine Option: „Dann bleibt mir nichts anderes, als die Bank zu wechseln.“ Auch Manuel Weitlaner ist sauer. Er wohnt in der Putzbrunner Straße in Ottobrunn und ist bereits zum dritten Mal innerhalb der letzten Wochen vergeblich nach Neubiberg gekommen. „Erst hieß es, dass der Automat defekt ist, und jetzt geht gar nichts mehr.“ Die Filiale in Ottobrunn wurde schon vor zirka zwei Jahren geschlossen, seitdem kommt er nach Neubiberg.

„Ich wollte nur meinen Kontostand wissen“, meint er enttäuscht. Geld abheben sei kein Problem, da gebe es mehrere Automaten. Für alles Weitere bleibt auch ihm nur der Gang nach Neuperlach. Online-Banking sei für den Rentner keine Option: „Wir sind da noch eher altmodisch.“ Renate Krier vom Seniorenzentrum der Gemeinde hat zwar bislang noch keine Beschwerden wegen der Schließung erhalten. „Aber ich rechne damit, dass da einiges kommen wird. Viele Senioren heben nicht so oft Geld ab, meistens zum Monatsanfang. Das wird jetzt erst die Runde machen.“ Wilkert hofft, dass zumindest der Bankautomat vor der Filiale noch erhalten bleibt – auch wenn es danach derzeit nicht aussieht. 

Besonders ärgerlich findet sie, dass die Kunden nicht vorab darüber informiert wurden. „Ich habe schon überlegt, ob ich selbst ein Schild mit einem Hinweis aufhängen soll“, erklärt die Rentnerin. Nicht nur das Online-Banking ist für sie – wie für viele Senioren – fremd. Auch ist sie es gewohnt bei Dingen des täglichen Gebrauchs mit Bargeld zu bezahlen. „Ich nehme nicht für kleinere Beträge beim Bäcker oder Metzger die Bankkarte. Und ich will auch den Überblick behalten“, erzählt sie. An der Hauptstraße in Neubiberg bekomme sie fußläufig alles, was sie täglich brauche. Nur Geld, das wird die Postbank-Kundin künftig dort nicht mehr erhalten.

Iris Janda

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