„Andere Blickwinkel“ gewinnen

Asylbewerber zeigen ihre Eindrücke in der Fremde

Afrikanische Kunst aus Neubiberg! Der Senegalese Abdoulaye mit seinem Bild „Die Kuh“ neben zwei seiner Tonköpfe.
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Afrikanische Kunst aus Neubiberg! Der Senegalese Abdoulaye mit seinem Bild „Die Kuh“ neben zwei seiner Tonköpfe.

Wie erinnern sie die Heimat, wie sehen sie die Fremde? Eine beeindruckende Ausstellung zeigt die Eindrücke von Asylbewerbern aus der Traglufthalle Neubiberg. Ihre Bilder, Fotos und Klein- skulpturen im Neubiberger Haus für Weiterbildung (HfW) zeigen, wie sie ihre Flucht verarbeiten und wie sie ihre neue Heimat sehen

Als im September 2015 die ersten Flüchtlinge in die Neubiberger Traglufthalle einzogen, und der Helferkreis Asyl über deren Freizeitgestaltung nachdachte, bot die Ottobrunner Künstlerin Soheila Rias einen Malkurs an. Sie weiß, wie hilfreich Kunst beziehungsweise kreatives Gestalten beim Verarbeiten tief sitzender Eindrücke helfen kann. Da Rias fließend Persisch, Englisch und Französisch spricht, entstand schnell eine Brücke zu den Teilnehmern. Mindestens sechs kamen regelmäßig zum Kurs und arbeiteten oft bis in die Abendstunden an ihren Werken. Es wurde zusammen gegessen, über häusliche und familiäre Angelegenheiten gesprochen, über Ängste, Anforderungen und Unsicherheiten in der neuen Umgebung. Der Helferkreis stellte das Material, das Kulturamt die Räume, der Seniorenkreis den Brennofen. Aus dieser intensiven Arbeit ist eine Ausstellung mit 60 Werken von 15 Künstlern geworden, die ihre Schöpfer zu Recht mit Stolz erfüllt.

„Anfangs war es schwierig. Da haben wir die Teilnehmer an der Traglufthalle abgeholt“, erzählt Katharina Braun, die zweite Kursleiterin. Jetzt kommen sie mit Freude am Mittwochnachmittag angeradelt. „Wir sind zu einer Familie zusammen gewachsen“, unterstreicht Rias und blickt zu dem 14-jährigen Amir, der in seine Arbeit vertieft ist. Abdoulaye (32) aus Senegal, schaut zu Rias, nickt und lächelt, während er seinen Tonkopf formt. Die Augen liegen in tiefen Höhlen. Sie schauen erschrocken und fragend zugleich nach vorn. Rätselhaft maskenhaft ist Abdoulayes Tonkopf daneben. Was reflektieren diese Köpfe aus Ton? Abdoulaye sagt es nicht, betont aber „ich liebe es zu malen, schon als Kind“. Komprimiert sind die Gedanken im Bild von Nebras aus Syrien, das eine traditionelle Kaffeekanne zeigt, die durch das Abdecken einzelner Elemente zur Gans, zum Elefanten oder zu einem Engel wird. Der Schriftzug „Willkommen“ in Arabisch gibt dem Bild seinen Titel. Für was mag das darunter abgebildete gelbe Gefäß mit einem Pferdekopf und einem Drachen stehen?E

ine gedrängte Fülle von Informationen gibt das Bild Nummer 60 „Unschuldiges Leben“. In einer Wolke entweichen die Seelen der Toten aus der von Bomben zerstörten Stadt rechts. In der Mitte sind Grabsteine mit Kreuzen, fünfzackigen Sternen, arabischen Schriftzeichen oder Halbmonden versehen. „Im Tod sind alle gleich, egal welche Religionen“, sagt Nebras leise dazu. Ein rotes Herz mit weißen Flügeln schwebt über den Grabsteinen. Es leuchtet, scheint froh, doch die Erklärung von Nebras, das könne das Zeichen für Salam (Unversehrtheit, Heil) sein, fällt nachdenklich aus. „Wir waren ein Integrationskurs“, blickt Kursleiterin Rias zurück. Die Bilder zu Flucht über Land oder Wasser, Freiheit, Neues Zuhause, Herbststimmung und Porträts zeigen nicht nur Eindrücke. Sie zeigen: „In vielen schlummern echte (Kunst-)Talente“, so Rias. Die Ausstellung ist noch bis zum 30. Juli, montags bis freitags von 10 bis 19 Uhr uns samstags von 10 bis 13 Uhr im Haus für Weiterbildung, in Neubiberg zu sehen. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.neubiberg.de.

Angela Boschert

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