Die Bibliothek Neubibergs – ab sofort ein spannender und rätselhafter Ort

Neubiberg: Live Escape-Room in Bibliothek

+
Chantal Nobis, Birgit und Sarah Hartmann, Thea Olpe, Barbara Rauscher, Isabell Brockhaus und Nina Hippmann (v.l.n.r)

Die Lösung ist immer einfach, man muss sie nur finden. Fünf Neubiberger und eine HALLO-Volontärin begeben sich auf die Suche nach dem Erbe Leonardo da Vincis, in der Hoffnung, es vor den Klauen der Camorra-Mafia zu schützen.

Neubiberg – Meine Absätze hallen durch die leeren Flure der Bibliothek Neubiberg. Nervös tappe ich vor der Tür auf und ab. Mein Blick fällt nach draußen: Es ist dunkel. Kalt. Menschenleer. Auch im Foyer der Bücherei ist niemand. Meine Gedanken kreisen wirr. 

Worauf ich mich hier bloß eingelassen? Als ich erfuhr, dass die Bibliothek Neubiberg einen Live Escape-Room in ihren Räumlichkeiten etablieren will, habe ich sofort ‚hier‘ geschrien. Ich überlege, ob das nicht etwas vorschnell war, angesichts der noch immer andauernden Dunkelheit.

Normalerweise meide ich die Dunkelheit. Sie ist ungewiss, gefährlich und nachts sind alle Katzen grau. Das Grundprinzip eines Escape-Rooms kannte ich bereits aus eigener Erfahrung – allerdings bei Tageslicht: Eine kleine Gruppe wird in einen Raum gesperrt und muss mit Hilfe von versteckten Hinweisen ein vorgegebenes Rätsel lösen. Der Haken: Die Zeit läuft gegen die Teilnehmer. 

Innerhalb einer Stunde muss das Rätsel gelöst werden. Die Genres reichen von Abenteuer, Action, Drama, bis hin zu Horror. Und genau dieser Horror kroch langsam in meine Knochen.

Dann trafen die anderen Teilnehmer ein. Ich war gespannt und der Ehrgeiz packte mich, denn es waren nicht nur drei Erwachsene, dabei, sondern auch zwei Jugendliche. Ich habe nicht nur eine ängstliche Seite an mir, sondern auch eine sehr zielstrebige. Und mit meinen 21 Jahren gehöre ich ja noch nicht so lange zu den Erwachsenen. Für vier der fünf Neubiberger Teilnehmer war es der erste Escape Room. Mein Vorteil?

Zumindest war ich nicht die einzige, die Angst hatte. Thea und ihre Freundin Sarah hielten sich fest an den Händen, bevor es richtig losging. Vor allem Thea war es bange. Sie sprach das aus, wovor ich am meisten Angst hatte, als wir alle in die dunkle Bibliothek traten: „Aber das ist jetzt nichts mit Horrorgestalten?“

Die Bücherei war verlassen. Stille war ich aus Bibliotheken gewohnt, aber diese Stille war anders. Sie war untermalt mit einer Mischung aus Neugier, Angst und Nervenkitzel. Organisatorin Chantal Nobis weihte uns mit spannungsgeladener Stimme in die Hintergründe der Geschichte ein: „Eine mysteriöse E-Mail ist in der Bibliothek Neubiberg eingegangen. Sie stammt von einer Paola aus Italien, die an die E-Mail noch eine handgeschriebene Notiz ihres Mannes angefügt hat. Es klingt sehr bedrohlich und gefährlich.“ 

Weiter sagte sie: „Um des Rätsels Lösung zu knacken, sollten euch die beiden Briefe, Taschenlampen, ein Koffer mit der Aufschrift ‚TOP SECRET‘, Tesafilm, Notizzettel und Stifte auf die Spur helfen.“ Dann wurde die Sanduhr umgedreht und das Spiel begann.

Soweit es uns möglich war, nahmen wir die Utensilien in Augenschein. Kurzerhand stellten wir fest, dass zwei der fünf Taschenlampen nicht funktionierten. So warfen lediglich das grüne „Exit“-Schild am Ende der Bibliothek und die drei anderen kleinen, flimmernden Taschenlampen einen minimalen Lichtkegel. 

Barbara Rauscher fand dann aber glücklicherweise rasch den Lichtschalter, sodass wir uns die ersten Hinweise – die E-Mail und die handgeschriebene Notiz genauer ansehen konnten.

Wir erfuhren darin, worum es eigentlich ging und worin das konkrete Rätsel bestand: Paolas Mann Mario, ein ehemaliger Bibliothekar, verstarb vor einem Jahr auf rätselhafte Weise.

Da nun in Paolas Wohnung eingebrochen wurde und ihre Wände mit roten Lettern beschmiert worden waren, ist sie in großer Sorge. Die Polizei vermutet, die Mafia hätte ihre Finger im Spiel, vor der Paola nun geschützt wird. Paola ist sich sicher: Nur eine Bibliothek kann das Rätsel um den mysteriösen Tod ihres Mannes lösen und der Bedrohung durch die Mafia der Camorra ein Ende bereiten.

Während der gesamten Spurensuche zeigten sich die Erwachsenen eher zurückhaltend. Sie zerbrachen sich den Kopf und zählten auf die beiden Jugendlichen. Und in gewisser Weise auch auf mich, als uns die Leiterinnen des Spiels einen Tipp gaben und sagten „Vielleicht kann ja die Journalistin, die beruflich gut mit Worten umgehen kann, helfen.“ Nein. Konnte ich nicht.

Im Gegenteil, ich war überhaupt keine Hilfe und sorgte eher für Verwirrungen. Sarah und Thea hingegen kombinierten die Hinweise flink miteinander. Für sie ergab alles einen Sinn – auch die versteckten Punkte, die im ersten Moment aussahen wie eine hübsche Verzierung, sich dann aber als Geheim-Code entpuppten. „Mir fallen scheinbar unnötige Sachen einfach auf“, sagte Thea zur Erklärung.

Unzählige Rätsel, in denen Codes und versteckte Botschaften gelöst werden sollten, brachten uns schließlich, mit einem deutlichen Hilfeanteil der jüngeren Generation, zehn Minuten vor Ablauf der Zeit an des Rätsels Lösung und damit auf den Beweggrund der Verfolgung Paolas und des Todes ihres Mannes. Mit vereinten Kräften konnten wir das, wohinter die Mafia her war, sichern und für alle Zeit unter Verschluss halten.

Als der ganze Spuk vorbei ist, muss ich zugeben: Es hat richtig Spaß gemacht. Kein Wunder, denn alles war bis ins kleinste Detail von Chantal Nobis und Nina Hippmann durchdacht. Die beiden haben rund ein halbes Jahr getüftelt, bis sie den Live-Escape-Room in der Bücherei Neubiberg ins Leben riefen: „Die Standardformate und Veranstaltungen der Neubiberger Bibliothek sind nicht ganz so beliebt. Wir wollten mal was anderes anbieten und auch das junge Publikum ansprechen.“ Sagt Nina Hippmann. 

Da die ‚Exit-Spiele‘, die in der Gemeinde-Bibliothek ausgeliehen werden können, sehr gut laufen, kam es unter anderem zu der Überlegung, das ganze Live stattfinden zu lassen.

Seinen Ursprung findet der Escape-Room in Japan, wo er 2007 entstanden ist und sich seither beinahe weltweit über rege Beliebtheit freut. „Die offiziellen Escape-Rooms sind ja leider etwas kostspieliger, weshalb wir auch etwas für den kleineren Geldbeutel anbieten wollten.“, erklärten Hippmann und Nobis.

Das Spiel ist ausgelegt für Groß und Klein. Nina Hipp–mann lädt alle, die Lust auf ein Abenteuer und eine Portion Spaß haben, ein. Wer offen ist, für Neues und nach einer Herausforderung sucht, ist bei einem Kostenpunkt von fünf Euro, im „Live Escape Room“ in der Neubiberger Bibliothek auf jeden Fall richtig.

Ich lege mir meinen Schal um. Meine Absätze hallen durch die Flure der Bibliothek Neubiberg. Ich lasse die Tür ins Schloss fallen. Es ist so kalt, dass ich meinen Atem sehen kann. Die Nacht ist tief schwarz. Die Silhouetten der Teilnehmer verschmelzen mit der dichten Nebelschwade, in die sie mit ihren Fahrrädern fahren. Nur noch das rote Rücklicht ist matt zu erkennen. Dann wird es auch vom tiefen Schwarz der Nacht verschluckt.

Melanie Schröpfer

Kommentar

Verkopft durch das Leben: Warum kriegen es Kinder besser hin, glücklich zu sein?

Erwachsene sind so verkopft. Hinterfragen sich die „Großen“ überhaupt jemals selbst, ob es einen Grund gibt, warum sie die Unbeschwertheit lange schon nicht mehr fühlen?

Sie verstecken sich hinter grauen, dunklen Mauern aus Terminen und Sorgen, die sie sich selbst errichten. Flüchten bei jeder sich ergebenden Situation vor dem erlösenden Sonnenlicht. Nur, damit sie dann wieder etwas haben, worüber sie sich echauffieren können. Sie maulen, sind unzufrieden. Würden so gerne, wenn sie doch nur könnten. Aber die Arbeit. Aber der Ehemann. Aber die Kinder. Aber die Erschöpfung. Ein endloses Schicksal aus einem eigens erschaffenen Strudel der Negativität. Sie werden vom Leben zur Starrheit gezwungen.

Kinder sind frei. Sie lachen ehrlich, nicht aufgesetzt; spielen, weil es ihnen Freude bereitet und suchen nach neuen Abenteuern. Sie wollen nicht immer mehr und mehr und noch mehr. Sie leben. Einfach und im Moment. Es ist an der Zeit, dass die Erwachsenen aufhören, das zu tun, was ihnen keine Freude bereitet. Ohne Ausreden. Dann folgt auch der geistige Frei- und Frohsinn.

Melanie Schröpfer

Weitere Nachrichten aus der Region finden Sie in unserer Übersicht

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Friseure aus Aying und Höhenkirchen-Siegertsbrunn ziehen Bilanz
Friseure aus Aying und Höhenkirchen-Siegertsbrunn ziehen Bilanz
Höhenkirchener Verkehrsschild sorgt für Diskussion
Höhenkirchener Verkehrsschild sorgt für Diskussion

Kommentare