Kostensteigerung und Verzögerungen beim Bau: „So darf es nicht laufen“

Neubiberg: HfW-Sanierung wird wohl erst im August fertig

Noch stehen vor dem HfW in Neubiberg die Bauzäune. Bis Mitte August sollen die rund 6 Millionen Euro teure Sanierung und Modernisierung beendet sein.
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Noch stehen vor dem HfW in Neubiberg die Bauzäune. Bis Mitte August sollen die rund 6 Millionen Euro teure Sanierung und Modernisierung beendet sein.

Die Sanierungsarbeiten am Haus für Weiterbildung (HfW) befinden sich in den letzten Zügen, Mitte August sollen sie beendet sein. Ursprünglich war das bereits für 2019 vorgesehen. Neben der zeitlichen Verzögerung sorgten auch Mehrkosten für Verstimmung im Gemeinderat.

Neubiberg – „Wir müssen alle an einem Strang ziehen und die letzten Meter jetzt noch vernünftig zu Ende bringen“, beschwichtigte Bürgermeister Thomas Pardeller (CSU) die Gremiumsmitglieder in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Schönreden wollte er die Kostenmehrung bei der Sanierung des Haus für Weiterbildung und die verspätete Fertigstellung damit aber nicht: „So darf es nicht laufen.“

Zuvor erklärte Projektsteuerer Erwin Kuhn den Gemeinderäten, weshalb sich die Projektkosten im Vergleich zum April 2019 um rund 390.000 Euro erhöht haben und sich insgesamt auf knapp 6 Millionen Euro belaufen. Seit dem letzten Sachstandbericht im Februar 2020 sind zirka 170.000 Euro dazu gekommen.

Der Großteil davon belaufe sich auf Nachträge, ein weiterer größerer Posten auf einen Änderungsantrag zur Küche im ersten Stock. Diese sollte ursprünglich ausgebaut, eingelagert und wieder eingebaut werden. Doch erst nach Ausbau der Bestandsküche wurde klar, dass ein Wiedereinbau einzelner Bauteile nicht sinnvoll sei. Deshalb entstünden Mehrkosten von 28.000 Euro.

Diese Kostensteigerung sorgte für Unmut im Gremium. Norbert Strama (FW.N@U) war sichtlich verärgert über den Sachverhalt und wollte von Kuhn wissen, wer die Änderung bei der Küche bestimmt habe. Bauamtsmitarbeiterin Annabelle Hessel konnte beruhigen. Von Seite des Kindergartens gab es die dringende Anfrage nach einer Spülmaschine. Also entschloss sich die Verwaltung, dort das Altgerät einzubauen und für das HfW eine neue zu kaufen. Auch seien die Mehrkosten dafür sehr großzügig geschätzt und würden am Ende deutlich geringer ausfallen. „Wenn wir solche Infos vorher hätten, müssten wir hier nicht diskutieren“, meinte Strama.

Auch die Verzögerung bei der Fertigstellung führt zu einer Kostensteigerung. Dabei kamen laut Kuhn mehrere Faktoren zusammen. Zum einen gab es Probleme bei den Ausbauarbeiten des Estrichs, weil sich das beauftragte Unternehmen nicht an Terminabsprachen hielt.

Letztendlich musste der Firma für die Restleistungen im Untergeschoss gekündigt und ein anderer Anbieter beauftragt werden. Zu erheblichen Verzögerungen kam es wegen der Innentüren, für deren Lieferung und Montage es vier Ausschreibungsrunden bis zum Zuschlag gab.

Für weitere Probleme sorgte das Elektro-Fachplanungsbüro. Durch nicht erteilte Freigaben an Firmen kam es zum zeitlichen Verzug. Erforderliche Abstimmungen vor Ort sollten dann verzögert zwischen März und Mai erfolgen. Doch die Corona-Pandemie machte Ortsbesuche vorübergehend unmöglich. Trotzdem betonte Kuhn mehrfach während der Sitzung: „Ich will es nicht auf Corona schieben.“ Ohne die Krise wäre man vielleicht einen Monat früher fertig gewesen.

„Wofür haben wir denn dann einen Projektsteurer?“, fragte sich Gemeinderat Strama ob der hohen zusätzlichen Kosten für die Nachträge. Diese könnten immer wieder bei Sanierungen entstehen, wenn unerwartete Mängel auftreten, erklärte Kuhn sachlich. Das dürfe dann nicht einfach ignoriert werden: „Wenn ein Mangel auftaucht, müssen wir ihn beseitigen“, so Kuhn. Bei der Fassade hätten beispielsweise Abdeckungen gefehlt und an der Außentreppe wurde vor Jahren beim Bau keine Dämmung angebracht.

Rathauschef Pardeller konnte die Verärgerung im Gremium verstehen. „Wir lassen prüfen, was juristisch zu machen ist. Außerdem werden wir evaluieren, wo die Probleme lagen und es in Zukunft besser machen“, erklärte er. Positiv zu bewerten sei, dass das Projekt trotz allem weiterhin innerhalb der im Sommer 2018 beschlossenen Summe aus Projektmitteln und Risikopuffer liege. Für die finale Fertigstellung schlug die Verwaltung vor, den Risikopuffer aufgrund der Corona-Pandemie von drei auf fünf Prozent zu erhöhen. Dem konnten nicht alle Räte zustimmen.

„Wir haben in Neubiberg die unangenehme Eigenschaft, dass Risikopuffer nicht nur ausgeschöpft werden, sondern dass sie nicht ausreichen“, erklärte Finanzreferent Hartmut Lilge (CSU). Er schlug vor, den Puffer nicht zu erhöhen, sondern zu sehen, wie die Kosten weiter verlaufen. „Das erhöht die Bemühungen, im Kostenrahmen zu bleiben“, so Lilge weiter. Reiner Höcherl von den Freien Wählern sprach sich ebenfalls dagegen aus, den Risikopuffer zu erhöhen.

Pardeller plädierte dafür, der Erhöhung zuzustimmen. Konkret geht es um rund 80.000 Euro mehr. Ein Verzicht darauf bringe ohnehin nicht viel, da die Maßnahmen bereits beauftragt seien. Im Gegenteil: Die Erhöhung biete eine Sicherheit, weil so im Haushalt Spielraum gelassen würde. „Wir können den Puffer so lassen, aber dann müssten wir ihn eventuell wieder erhöhen“, meinte Pardeller. Bauamtsleiter Christian Einzmann stimmte zu: „Wir wollen ja genau keine Überraschungen bei den Kosten.“ Es sei zu sehen, dass die Arbeit aufgrund der Krise momentan schwieriger ist.

Einen erfreulichen Aspekt könnte allerdings die Krise oder genauer gesagt das von der Bundesregierung geschürte Konjunkturpaket für das Projekt bringen. So erfolgen bis Ende des Jahres noch Abnahmen in Höhe von vier bis fünf Millionen Euro, auf die die Mehrwertsteuersenkung von 19 auf 16 Prozent Anwendung finden könnte. Damit sind Einsparungen von 120.000 bis 150.000 Euro möglich. Die Thematik müsse aber noch abschließend geklärt werden.

Letztendlich bestand im Gremium Einigkeit darüber, dass das Projekt zügig zu Ende gebracht werden muss. Mit fünf Gegenstimmen wurde die Erhöhung der Projektmittel und des Risikopuffers beschlossen.

Iris Janda

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