Amtsantritt in Krisenzeiten

Bürgermeister Thomas Pardeller: „Neubiberg trifft es besonders hart“

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Ex-Bürgermeister Günter Heyland (l.) übergibt symbolisch den Rathausschlüssel an Thomas Pardeller (r.).

Neubiberg  – Am 27. April wurde Thomas Pardeller vom scheidenden Bürgermeister Günter Heyland symbolisch der Schlüssel zum Rathaus übergeben. Seit dem 1. Mai übernimmt der CSU-Mann die Amtsgeschäfte. Im Gespräch erzählt Pardeller, welche Herausforderungen aufgrund der Corona-Krise auf ­Neubiberg zukommen.

Herr Pardeller, Sie treten als jüngster Bürgermeister im Landkreis das Amt an und das auch noch zu Krisenzeiten. Fühlen Sie sich für diese Herausforderung gewappnet?

Wir befinden uns wegen der Corona-Krise in einer Ausnahmesituation, die uns alle fordert. Auch wenn ich mir natürlich ein „ruhigeres Fahrwasser“ für den Amtsantritt gewünscht hätte, nehme ich die Herausforderungen gerne an und werde mich mit ganzer Kraft für unsere Gemeinde einsetzen. Mir hilft hierbei sicherlich meine Kompetenz als Jurist und meine politische Erfahrung. Ich bin ja bereits seit zwölf Jahren im Gemeinderat und seit sechs Jahren im Kreistag und daher inhaltlich in den Themen gut drin.

Wegen der Coronakrise werden die Gewerbeeinnahmen dieses Jahr geringer als erwartet ausfallen. Sehen Sie sich nun darin bestätigt, gegen die hohe Investition in das Bürgerhaus-Projekt gestimmt zu haben?

Die Gemeinde Neubiberg trifft es besonders hart. Zum einen sehen wir uns mit Gewerbesteuerrückzahlungen konfrontiert. Zum anderen werden uns die Auswirkungen der Corona-Krise erhebliche finanzielle Einbußen bescheren, wobei das genaue Ausmaß noch gar nicht richtig absehbar ist. Daher war die Entscheidung des Gemeinderats, bei der Rathauserweiterung mit „Nein“ zu stimmen, völlig richtig. Wir können uns das Projekt im damals geplanten Umfang aktuell nicht leisten, daran wird niemand mehr ernsthaft zweifeln. Um handlungsfähig zu bleiben, sind jetzt folgende Schritte notwendig: Erstens eine Haushaltssperre. Zweitens einen „Kassensturz“ und die Definition von Pflicht- und Kür-Aufgaben. Wenn der finanzielle Spielraum klar ist, müssen in einem dritten Schritt Projekte priorisiert werden. Ich weiß, dass einige dieser Entscheidungen schmerzen werden. Daher bitte ich alle Beteiligten und die Neubiberger um Verständnis.

Wer benötigt neben den Gewerbetreibenden derzeit noch Unterstützung von der Gemeinde?

Unsere lokalen Dienstleistungs- und Gastronomiebetriebe hat es, wie überall, kalt erwischt. Zur Soforthilfe habe ich den „Neubiberg-Gutschein“ ins Leben gerufen, der ganz gut angenommen wird. Unterstützung benötigen aber zum Beispiel auch unsere älteren Mitbürger oder Risikogruppen. Dank zahlreicher Ehrenamtlicher und deren Aktionen wie dem vom Seniorenzentrum organisierten Einkaufs-Service können die gefährdeten Gruppen zuhause bleiben und so geschützt werden. Aufgrund der Schul- und Kita Schließung sind jedoch auch Familien stark betroffen, die jetzt Job und Betreuung unter einen Hut bringen müssen. Durch die harten, aber notwendigen Corona-Maßnahmen konnten die Infektionszahlen erfolgreich stabilisiert werden. Allerdings halte ich es für wichtig, den Menschen jetzt eine Perspektive zu bieten, wie es in den nächsten Monaten weitergeht und wo eine schrittweise Öffnung möglich ist.

Wie wirkt sich die Krise auf Ihre Amtsführung aus?

Der Tagesablauf wird natürlich auch für einen neuen Bürgermeister anders als im Normalfall sein. Viele Besprechungen werden per Video- oder Telefonkonferenz stattfinden und Repräsentationstermine fallen aktuell leider aus. Auch die Organisation der Arbeitsabläufe ist coronabedingt eine andere. Wir werden zum Beispiel für zeitliche Entzerrung sorgen, einen Teil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter im Homeoffice arbeiten lassen oder Masken für Besucher des Rathauses zur Verfügung stellen.

Was wollen Sie im Vergleich zu Ihrem Vorgänger grundlegend anders machen?

Zunächst einmal möchte ich Günter Heyland für seine Verdienste und die zwölf Jahre im Amt danken. Jeder hat so seinen eigenen Stil. Ich werde offen und transparent mit dem Gemeinderat kommunizieren und versuchen, Mehrheiten über die Parteigrenzen hinweg auf der Basis von Sachargumenten zu finden. Die ersten Gespräche, die zwischen den Fraktionen bisher stattgefunden haben, sind von einem konstruktiven Umgang miteinander geprägt. Das freut mich sehr. Es geht allen um ein Ziel: Das Beste für Neubiberg und Unterbiberg!

Interview: Iris Janda

Mehr über Neubiberg und den Landkreis München gibt es in der Übersicht.

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