„Bayerisch hat so etwas Warmes und spricht mir aus der Seele“

Musikerin Eva Claus aus Höhenkirchen mit ersten Album

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Eva Claus nimmt aus den kleinen Momenten des Alltags Inspiration für ihre Songtexte. Mitte Oktober soll ihr erstes Album „Ausrasten“ erscheinen. Mit ihrem Fußschlagzeug und weiteren Instrumenten tritt sie als Ein-Frau-Band auf.

Mit Musik auf Mundart und Texten, die aus dem Leben sind, will die Höhenkirchner Sängerin Eva Claus durchstarten. Ihr erstes Musikvideo ist bereits erschienen, Mitte Oktober kommt ihr Album auf den Markt.

„Bayerisch ist so angenehm zu singen. Es hat so etwas Warmes und spricht mir direkt aus der Seele“, schwärmt die 38-jährige Eva Claus. Daher war für die Musikerin klar, dass sie in Mundart singen möchte. Die alleinerziehende Mutter von zwei Mädchen, vier und sechs Jahre alt, stammt aus Waging am See in der Nähe von Traunstein. Sie kam mit 18 Jahren nach München und lebt nun seit acht Jahren in Höhenkirchen. „Das hier ist für mich mein Sechser im Lotto“, beschreibt Claus das ältere Haus mit großem Garten, auf dessen gemütlicher Terrasse es sich bei heißen Temperaturen mit einem Eiskaffee gut aushalten lässt. Individuell, nicht perfekt und mit besonders viel Charme – das Gebäude und seine Bewohnerin haben vieles gemein.

Charmant ist auch das erste Musikvideo der Alleinerziehenden zu ihrer Single „Dreckpfützn springa“. Höhenkirchnern wird darin sicher der eine oder andere bekannt vorkommen. Am Dreh zum Video waren unter anderem die Kaffeerösterei Rößler, die Erich-Kästner-Grundschule und sogar Bürgermeisterin Ursula Mayer beteiligt. Das Video wurde bislang schon über 6000 Mal auf YouTube aufgerufen. „Ich wollte das Gefühl beschreiben, sich einfach mal um nichts Sorgen machen zu müssen“, erklärt Claus die Botschaft des Songs. Wenn sie sieht, wie frei und unbeschwert ihre Kinder in Regenpfützen springen, denke sie oft: „Eigentlich würdest du das jetzt auch gerne machen“. So kam die Idee zum Lied und zum Titel – auch wenn dieser schon für Diskussionsstoff gesorgt hat: „Mir wurde schon von ein paar Leuten gesagt ,Des heißt Dreglacha!‘. Ich kenne das Wort zwar auch, aber ich finde, Dreckpfützn klingt irgendwie charmanter“, meint Claus. „Und dann bin i halt a Münchner Preiß“, fügt sie lachend hinzu.

Aus alltäglichen Momenten nimmt die Musikerin meist die Inspiration für ihre Songs. „Meine Lieder sind schon immer aus dem Leben heraus. Die Vorlagen sind direkt mich betreffend oder einfach mein Umfeld“, verdeutlicht sie. Und selbstverständlich ist ein Thema besonders präsent: „Natürlich geht es auch viel um Liebe. Ich denke, Liebe macht uns alle aus. Eine Form von Liebe braucht jeder.“ Aber auch Krisen werden thematisiert, „Ich habe schließlich eine Ehe hinter mir“, fügt Claus hinzu. Bei manchen Songs wisse sie direkt, dass sie auf eine Platte gehören, andere können auch mal zwei Jahre auf Halde liegen.

Als Alleinerziehende und Selbstständige sind Multi- tas­kingfähigkeiten das A und O. Dass Eva Claus diese hat, wird deutlich, wenn sie als Ein-Frau-Band auf der Bühne steht beziehungsweise sitzt. Mit Fußschlagzeug, Gitarre, Mundharmonika, manchmal auch der Ziehharmonika, ausgerüstet bringt sie die Zuhörer zum Staunen. „Das Publikum ist immer ziemlich verwirrt- begeistert“, meint Claus schmunzelnd. Es klingt, als trete eine voll Band auf, dabei sitzt da nur eine Frau. Das Fußschlagzeug ist eine Spezial- anfertigung aus den USA. Über das Internet sei sie auf einen Mann aus Michigan gestoßen, der diese Art von Fußschlagzeugen anfertige. Zusätzlich habe sie dieses noch mit Becken und Drums ausgestattet. Das Instrument hat zwölf verschiedene Knöpfe, die mit den Füßen bedient werden und jeweils einen Drumstick in Bewegung setzen. Und tatsächlich klingt es wie ein gewöhnliches Schlagzeug, wie Claus bei einer kurzen musikalischen Kostprobe im Übungsraum unter Beweis stellt.

Wenn Claus von ihrem Werdegang erzählt, ist spürbar, dass die 38-Jährige für die Musik lebt. Los ging es bei ihr bereits im Alter von fünf Jahren klassisch mit der Blockflöte und Notenlesen, mit sechs folgte die Querflöte, mit zwölf Jahren kam dann Gitarre dazu. Außerdem sang sie, seit sie acht Jahre alt war, zusammen mit ihrer Mutter im Kirchenchor. Über die Jahre kamen weitere Instrumente wie E-Gitarre, Klavier und Saxofon hinzu. Das meiste hat sie sich autodidaktisch beigebracht, nur ab und an nahm sie ein paar Unterrichtsstunden, um etwa ihre Technik zu verbessern.

2005 hatte sie ihre erste eigene Band, mit der sie einige Konzerte spielte. Es stand sogar ein Plattenvertrag im Raum. Doch dann löste sich die Gruppe auf und auch das Label ging pleite. „Dann dachte ich, ich brauche irgendwas, wo ich unabhängig bin, aber dass es irgendwie cool ist“, meint Claus. So kam sie auf die Idee der Ein-Frau-Band. „Außerdem kann ich mich immer nicht entscheiden, was mein Lieblingsinstrument ist“, fügt sie lachend hinzu. Dass sie sich beruflich nur auf die Musik konzentrieren kann, war für die Wagingerin nicht immer klar. So arbeitete sie nach ihrem Grafikdesignstudium im Marketing bei einer Firma erst im Innen- und Außendienst. „Dann kamen die Kinder und es stand fest, dass ich nicht weiter im Außendienst bleiben kann“, erklärt Claus. Sie bekam eine Abfindung, „das hat mich dann ermutigt, mich komplett selbstständig zu machen“. Mittlerweile kann sie von der Musik leben, sie gibt zusätzlich Musikunterricht, bietet Kurse zur musikalischen Früherziehung an und vermietet ihr selbst aufgebautes Tonstudio für Aufnahmen. „Natürlich läuft es in manchen Monaten mal besser und in anderen schlechter“, merkt die zweifache Mutter an. Aktuell habe sie für die Produktion des Albums und des Musikvideos erst einmal in Vorleistung gehen müssen.

Die Aufnahmen für ihr Album „Ausrasten“ entstanden im erst 2018 gegründeten Rosecorner Studio in der Nähe von Landshut. Produziert wurden die Songs von Michael Schott alias Doc Schott. Das Album erscheint Mitte Oktober über das Label „Donnerwetter Musik“, bisher wurde neben der Single „Dreckpfützn springa“ auch schon der Song „Ziag Deine Schua Aus Und Danz“ veröffentlicht. Mit den Streamingzahlen sei sie zufrieden, auch wenn natürlich ihre Reichweite noch nicht so groß sei. Die Musikerin wünscht sich für die Zukunft, möglichst viele Menschen erreichen zu können, denn „man hat ja was zu sagen als Künstler“.

Iris Janda

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