Die Volontärin schwitzt sich durch Krise

In der Corona-Zeit entdecken viele das Joggen als neue Sportart

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Ganz München und die Region radelt und joggt nun.

Für gewöhnlich hat jeder so seinen Sport. Einer schwimmt, der andere stemmt Gewichte. Doch die Schwimmbäder und Fitnessstudios sind geschlossen. Die Bevölkerung geht joggen – oder radelt. HALLO-Volontärin Melanie Schröpfer mischt sich im Selbstversuch unter die „Neu-Sportler“.

Landkreis – Während der Corona-Krise kann einem leicht die Decke auf den Kopf fallen. Auch mir. Zwar bin ich noch im Austausch mit meinen Kollegen in der Redaktion und habe meinen täglichen Arbeitsweg, der mir etwas das Gefühl von „Normalität“ gibt, aber irgendwann ist der Arbeitstag zu Ende. 

Was also tun am Feierabend – und noch viel schlimmer: Was fange ich mit all der Zeit an den Wochenenden an? Ich lebe alleine, habe das bisher genossen, doch jetzt beneide ich all diejenigen um den sozialen Kontakt, die noch Zuhause wohnen oder in einer WG. Aufgeräumt, ausgemistet und umgestylt habe ich meine Wohnung schon. 

Auch die Schränke habe ich neu sortiert und den Kühlschrank geputzt. Ich telefoniere viel, doch habe ich alle in meinem Familien- und Bekanntenkreis langsam aber sicher durch. Als mich dann meine beste Freundin vergangene Woche anrief und wir überlegten, wie wir die Zeit „sinnvoll“ nutzen können, erzählte sie mir von ihrem mehr oder weniger erfolgreichen Jogging-Abenteuer. 

Sie gestand, dass sie sie bei ihrem ersten Versuch mehr im Schnellschritt gegangen sei als wirklich zu laufen. Immerhin drei Minuten habe sie den Lauf durchgezogen, bis sie das Seitenstechen wieder zum Schnellschritt zwang. Da uns beiden die Sportlichkeit nicht in die Wiege gelegt wurde und geteiltes Leid halbes Leid ist, verabredeten wir uns für das Wochenende zum gemeinsamen Joggen: Jeder in seinem Viertel und per Headset telefonierend miteinander verbunden. 

So sollte es sich wenigstens ein bisschen so anfühlen, als wäre es eine gemeinsame Aktivität.

Am Sonntag gab es keine Ausrede mehr 

Am Samstag sah das so aus: Meine neue Laufpartnerin konnte sich wegen ihres Muskelkaters kaum noch rühren. Bei mir kam das Staubsaugen, Wäscheaufhängen und Einkaufen dazwischen. So ein Pech aber auch. Sonntag: Nun gab es keine Ausreden mehr. Meine Wohnung war blitzblank. Ich kramte meine Sport-Klamotten hervor. Ein ziemlich ungewohnter Anblick, weil man mich nie in Sportschuhen sieht. 

Eine Kollegin hatte mich darauf hingewiesen, dass die Schuhe beim Joggen das A und O seien: Sie müssten hochwertig sein und Stöße abfedern. Und sie sollten gut passen. Hinter beiden konnte ich zumindest einen Haken setzen. Um mich vorzubereiten, ging ich zunächst nur spazieren und wurde immer schneller und schneller, bis ich tatsächlich joggte. 

Meine Freundin war per Headset dabei. Ich keuchte ins Mikrofon, während sie am anderen Ende der Stadt wegen ihres Muskelkaters nur dahinschlenderte. Als ich an der Isar ankam, dachte ich, mein letztes Stündlein hätte geschlagen. Ich schwitzte stark, rang prustend nach Luft, versuchte etwas zu dem Telefongespräch beizutragen und war dabei umzingelt von vielen anderen Münchnern, joggend und radelnd. 

Dabei achtete ich da- rauf, den Mindestabstand von 1,5 Metern zu bewahren und mich während meinen Ausweichmanövern nicht in den Speichen der (Renn!)-Radfahrer zu verfangen. Dabei auf meinen Ohren: Die Stimme meiner neuen Trainerin, die mich versuchte weiter zu motivieren und mir meine Zeit durchgab. Und das aggressive Klingeln der Fahrradfahrer sowie die panischen Rufe der Eltern, die ihre Kinder davon abhalten wollten, auf den Spielplatz zu rasen. Ich konnte nicht mehr. 

Es war nicht nur meine Lungenkapazität, die das nicht mehr mit machte, auch meine Konzentration ließ nach, sodass ich nicht gewährleisten konnte, dem nächsten Jogger tatsächlich auszuweichen, ohne in die Isar zu stürzen. 

Das Fazit: Beruhigend ist, dass ich nicht die Einzige war, die nach zehn Minuten mit einem leidenden Gesichtsausdruck gegen den Schweiß, das Seitenstechen und der Versuchung, die Isar leer zu trinken, kämpfte. Ich wäre also fast unter die Räder geraten... Tja, Sport ist eben manchmal doch Mord. Nächste Woche versuche ich mich lieber in einem anderen Corona-Trend: Dem Bananenbrot backen. Ich hoffe, das ist für mich weniger lebensbedrohlich. 

Melanie Schröpfer

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