Spannender Wahlkampfendspurt:

Am 4. März wird in Putzbrunner der neue Bürgermeister gewählt

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Die drei Bürgermeisterkandidaten Eduard Boger (CSU), Edwin Klostermeier (SPD) und Walter Hois (GPP) (Mitte von links) bei der Podiumsdiskussion mit den Moderatoren Stefan Galler (linksaußen) und Lars Brunckhorst (rechtsaußen). 

Kurz vor der Wahl stellten sich die drei Bürgermeisterkandidaten einer Podiumsdiskussion — vor allem einer musste dabei ein gutes Kinn beweisen. HALLO analysiert den verbalen Wettstreit um den Posten als Rathauschef.

Wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte. Bedeutet das im Umkehrschluss: Wenn zwei sich einig sind, hat der Dritte das Nachsehen? Bei der Podiumsdiskussion, bei der die drei Bürgermeisterkandidaten zum letzten großen Schlagabtausch vor der Wahl am 4. März zusammen kamen, sah es genau danach aus.

Der 46-jährige Eduard Boger (CSU) und der amtierende Bürgermeister Edwin Klostermeier (SPD) waren überraschend oft einer Meinung. GroKo auch in Putzbrunn? Kompromisse finden und die Realität anerkennen, war jedenfalls ihr Tenor. Der dritte Kandidat, Walter Hois vom Verein Gemeinschaft pro Putzbrunn (GPP) hingegen hatte eine andere Vision: „Ein neues Wir-Gefühl für Putzbrunn“. Dafür möchte er mit den bisherigen Strukturen der Gemeindeverwaltung aufräumen und neue Beteiligungsformen für Bürger schaffen. „Einige Bürger fallen durch das Raster und die will ich mitnehmen.

Bürgerstammtische und -werkstätten gehören zu seinem Plan. Doch wie sollen 6800 Bürger an einem Stammtisch Platz finden? „Lassen sie uns nun vom Idealismus zum Realismus kommen“, antwortete dann auch Eduard Boger: „Vielmehr ist es doch so, dass wir uns attraktiv machen müssen, um die Leute zu uns zu holen.“ Als Beispiel für eine konkrete Maßnahme gab Boger eine Bürger-App an, mit der man Probleme wie kaputte Lampen sofort mitteilen kann. „Das ist eine gute Idee“, fand auch Klostermeier, „denn bisher rufen noch alle beim Bürgermeister im Büro an!“

Auch beim Thema Grundstückseinkauf behielt der ambitionierte Herausforderer Hois nicht das letzte Wort. Die GPP sei dagegen, neue Grundstücke zu erwerben, da man die Schulden dafür auf die nächste Generation übertrage. Außerdem handle es sich dabei um „Spekulationsgeschäfte, auf die man sich als Gemeinde nicht einlassen sollte“, befand er. „Jede Gemeinde, die sich entwickeln möchte, ist darauf angewiesen, Baugrund zu kaufen“, hielt Boger dagegen. Das sei keine Spekulation, sondern gesunder Menschenverstand. Dass man dafür Kredite aufnehmen müsse, sei klar, allerdings würden die Grundstücke mit der Bebauung eine Wertsteigerung erfahren und seien somit vielmehr eine Investition für die nächste Generation. Und wieder stimmte ihm Klostermeier zu: „Diese Grundstücke sind für uns Gold wert! Solche Gelegenheiten sollte man sich nicht entgehen lassen.“

Auch Angriffe von Hois in Bezug auf mangelnde Transparenz beim Haushalt ließ der Bürgermeister einfach abperlen. Mit den gleichen Argumenten, die auch schon in der Gemeinderatssitzung vorgebracht wurden. „Freuen wir uns doch lieber, dass das Geld da ist. Davon können wir einen ganzen Kindergarten bauen“, lautete Klostermeiers Fazit. Auch die Pointe des Abends ging an ihn. Auf die Frage, was die Kandidaten aneinander schätzen, antwortete er, es hätte immerhin trotz politischer Differenzen noch nie eine Schlägerei im Gemeinderat gegeben. Eine Harmonie, die auch beim Thema Wohnen zu spüren war. Alle drei Kandidaten setzen auf drei- bis vierstöckige Häuser für den mittleren Sektor und sind froh darüber, dass Putzbrunn nun auch Mitglied bei der Baugesellschaft München Land ist. „Eine Skyline Putzbrunn wird es allerdings nicht geben“, versicherte Boger.

Bei der heiklen Frage, wie Hois zu der Flüchtlingsunterkunft stehe, die im Zuge der Flüchtlingswelle 2015 in Putzbrunn gegründet wurde und zu seinem damaligen Zerwürfnis mit dem Bürgermeister führte, sagte dieser: „Die Flüchtlingsunterkunft war notwendig. Nur die Art und Weise, wie sie entstand, dass dabei der Wille der Bürger übergangen wurde, hat mich gestört.“ Auch beim Schlusswort machte Hois klar, dass er in Sachen Kandidatur vor allem auf Emotion setzt. „Das ist für mich eine Herzensangelegenheit.“ 

Bogers Ausführungen hingegen zeigten, dass sich sein Kurs nicht so sehr von dem Klostermeiers unterscheiden würde, wenn er zum Bürgermeister gewählt würde. Auch in seinem Schlusswort blieb er diplomatisch. Er fühle sich jetzt besser vorbereitet als bei seiner ersten Kandidatur, bei der er mit großer Mehrheit gegen Klostermeier scheiterte. Und setzt vor allem auf sein politisches Netzwerk, das er seither gebildet hat. Seit 2014 ist er Geschäftsführer der Bundeswahlkreisgeschäftsstelle München Land. Außerdem war er die rechte Hand von Florian Hahn im Bundestagswahlkampf. Aus diesem Grund würde er Klostermeier gerne im Amt nachfolgen, wie er es bescheiden formulierte. Vielleicht auch erst im Jahr 2024? Jung genug wäre er immerhin für eine dritte Kandidatur. Denn Klostermeier fühlt sich auch mit 62 Jahren noch fit genug, das Amt weiter auszuführen. „Merkel hat die Rente gerade auf 67 angehoben“, sagte er dazu. „Und was andere schaffen müssten, werde ich auch schaffen!"

Lydia Wünsch 

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