Freiheit ist ihr mehr wert als Liebe

Das Leonhardi-Ensemble präsentiert die Oper „Carmen“

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Mit aufwändigen Bildprojektionen wurde die Oper „Carmen“ in Bregenz aufgeführt. In Höhenkirchen-Siegertsbrunn wird das Stück am 2. und 3. Juni in der Mehrzweckhalle inszeniert.

Die Mehrzweckhalle Höhenkirchen-Siegertsbrunn verwandelt sich am 2. und 3. Juni in einen Opernsaal. Über 100 Musiker und Sänger des Leonhardi-Ensembles präsentieren Georges Bizets Oper „Carmen“ — halbszenisch und in deutscher Sprache.

Manchmal reichen schon ein paar Takte einer Melodie aus, um zu Tränen zu rühren. Das Torerolied von Georges Bizet aus der Oper „Carmen“ ist genau so ein Lied. Selbst wer das Stück nicht kennt, hat die Melodie schon mal irgendwo gehört und spürt die Emotionen, die bei dem bekannten Refrain „Auf in den Kampf, Torero“ hochkommen.

Für diejenigen, die das Stück nicht kennen, hier eine kleine Auffrischung: In der klassischen Oper „Carmen“, die am 3. März 1875 uraufgeführt wurde, geht es um die tragische Liebe zwischen dem freigeistigen Zigeunermädchen Carmen und dem linientreuen Soldaten Don José. Dieser will Carmen ganz für sich alleine, doch Carmen liebt die Freiheit noch mehr als Don José. Rasend vor Eifersucht bringt er sie am Ende um, denn Carmen ist nicht bereit, sich ihm vollkommen hinzugeben und stirbt lieber in Freiheit, als ihm zu gehören. 

Die renommierte Mezzosopranistin Solgerd Isalv ist extra aus Schweden angereist, um in der Mehrzweckhalle Höhenkirchen-Siegertsbrunn die freiheitsliebende Carmen zu verköpern.

Soweit das klassische Stück. In der modernen Inszenierung des Leonhardi-Ensembles aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn wird die Oper in die heutige Zeit transportiert. Da gibt es auf der einen Seite die spießigen Frauen und Männer in ihren Anzügen, auf der anderen Seite das Burlesque-Theater, über das die Büromenschen zwar ihre Nasen rümpfen, heimlich aber doch hingehen. Die Männer, um mit den Prostituierten zu schlafen, die Frauen, um den schönen Torero auf der Bühne anzuhimmeln. So werden Frauen wie Männer in diesem Stück zum Symbol für die sexistische Ausbeutung, die in Zeiten der #MeToo-Debatte die gleiche Relevanz hat, wie schon vor über 100 Jahren. Und auch der Zuschauer ist hier zugleich Voyeur und Akteur, denn wie die Businessmenschen auf der Bühne sitzt auch der Zuschauer im Publikum, um etwas Zauber und Magie des Theaters zu erhaschen und letztlich dadurch vor dem grauen Alltag in die Welt der Träume zu fliehen. 

Und nichts eignet sich besser für eine Flucht vor dem Alltag als eine Oper, die durch den Gesang, die visuellen Szenen sowie durch ein gekonntes Lichtkonzept viele Sinne gleichzeitig anspricht. Wer das noch nie erlebt hat, hat am 2. und 3. Juni die Gelegenheit, in der Mehrzweckhalle in Höhenkirchen-Siegertsbrunn selbst zu sehen, was Opernliebhaber schon lange wissen: Dass die Oper verzaubert.

Der Traum, einmal eine Oper zu inszenieren 

Seit zwei Jahren ist das Leohnhardi-Ensemble mit den Planungen für dieses Mammute-Projekt beschäftigt. „Und jetzt, kurz vor der Aufführung, geht es ans Eingemachte“, sagt Michaela Sepp, Pressesprecherin und eine der Chorsängerinnen des Ensembles. Dafür wurde die Mehrzweckhalle, die eigentlich eine Turnhalle ist, komplett umgestaltet: verdunkelt, ein Lichtkonzept erstellt und natürlich eine Bühne gebaut, die sowohl den gesamten Chor von über 30 Menschen als auch die acht Profi-Solisten tragen kann, die eigens dafür engagiert wurden. 

Und wie es sich für eine Oper gehört, spielt vor der Bühne das Orchester mit Dirigent Thomas Baron. Dieser träumt schon seit Jahren davon, einmal eine Oper zu inszenieren. Vor zwei Jahren trug er seine Idee dem Leonhardi-Ensemble vor. „Unser Verein ist dafür perfekt ausgestattet“, sagt Sepp, die in dem Stück eine der Bourlesque-Tänzerinnen verkörpern wird. „Da wir sowohl über einen Chor als auch über ein Orchester verfügen, musste keines von beiden noch zusätzlich für teures Geld engagiert werden.“ 

Die Proben für die Oper Carmen sind bereits in vollem Gang. Aufwändig wurde die Sporthalle in Höhenkirchen-Siegertsbrunn dafür umgestaltet.

Einige Vereinsmitglieder waren laut Sepp sofort Feuer und Flamme, als sie von der Idee hörten, andere reagierten eher skeptisch. Ist so ein aufwändiges Projekt nicht zu groß für ein kleines Laienorchester? Aber seit der ersten Probe mit der eigens dafür engagierten Regisseurin Barbara Schöne, die auch die moderne Inszenierung geschrieben hat, ließ sich auch der Rest noch überzeugen. „Es ist einfach eine unglaubliche Erfahrung, bei so einer aufwändigen Produktion mitwirken zu dürfen“, freut sich Sepp. Gleichzeit ist es für die Chorsänger und das Orchester, die alle ehrenamtlich tätig sind, auch eine große Herausforderung. „Wir Chorsänger werden in diesem Stück nicht nur singen, wir sind auch Teil der Inszenierung“, erklärt Sepp. Das bedeutet: neben dem Singen sind auch schauspielerische und tänzerische Einlagen geplant. Dabei dürfen die Sänger ihre Einsätze nicht verpassen und zu guter Letzt müssen sie auch noch aufpassen, sich nicht selbst von den Emotionen mitreißen zu lassen. „Bei einer Probe ist es mir passiert, dass ich meinen Einsatz verpasst habe, weil ich so ergriffen von der Inszenierung war“, sagt die Chorsängerin und lacht. 

Aufgeregt ist sie jetzt schon. „Wir proben schon seit einem Jahr jeden Sonntag. Mittlerweile üben wir jeden Abend.“ Vor zwei Wochen sind dann auch die Profi-Solisten angereist, die die Hauptrollen spielen werden und teilweise sogar aus Schweden, Südkorea und Amerika kommen. „Da wird einem bewusst, dass in der kleinen Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn etwas Großes entsteht“, sagt Sepp. Ohne das Engagement der vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter wäre das alles nicht möglich gewesen. „Wir hoffen sehr, dass wir es gemeinsam schaffen, die Emotionen zu transportieren, die so eine Oper mit sich bringt“, sagt Sepp.

Lydia Wünsch

Die Oper „Carmen“

Die Oper „Carmen“ wird am Samstag, 2. Juni, um 18 Uhr und am Sonntag, 3. Juni, um 17 Uhr in der Mehrzweckhalle Höhenkirchen-Siegertsbrunn an der Bahnhofstraße 12 aufgeführt. Karten gibt es zu 25 Euro, ermäßigt 19 Euro unter www.okticket.de, bei Schreibwaren Squarra und Obermeier oder an der Abendkasse zu 27 Euro. Reservierungen für Behinderte sind unter karten@leonhardi-ensemble.de oder unter Telefon 08102/8018985 möglich.

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