Weiterer Ärger im Sonderausschuss

Zu laut – Wittelsbacher Straße fällt als Zuweg zur Rathaus-Tiefgarage in Neubiberg aus

+
Eine Tiefgaragenrampe an der Wittelsbacher Straße wird es aus Lärmschutzgründen nicht geben.

Viele Wege führen bekanntlich nach Rom: In die geplante Tiefgarage unter dem Maibaum­parkplatz am Neubiberger Rathaus und aus dieser wieder hinaus wohl nur ein einzig machbarer – nämlich über die Hauptstraße. Elementares Ergebnis einer von der Grünen-Fraktion geforderten Sitzung des „Sonderausschusses Verwaltungsgebäude“ von Anfang Juni ist eine neu zu arrangierende Zu- und Abfahrtsregelung vor Ort. Zunächst war vorgesehen, eine Einfahrt über die Hauptstraße und eine Ausfahrt über die Wittelsbacher Straße weiter östlich zu gestalten. Im Bürgerentscheid vor Jahresfrist war gar eine reine Zu- und Abfahrtsabwicklung über die Wittelsbacher Straße favorisiert worden. Doch aus beiden Ansätzen wird nun nichts. Konkret stehen die Planungen aber noch nicht. Fragen bleiben auch noch beim Kernkonstrukt Rathaussanierung und -neubau.

Ein eigens in Auftrag gegebenes Schallgutachten widerspricht dieser Planung, konterkariert bisherige Bestrebungen und artikulierte Bürgerwünsche. Grund: Die Wittelsbacher Straße ist in diesem Bereich als allgemeines Wohngebiet festgelegt. Bei einer Nutzung der Tiefgarage in den Nachtstunden zwischen 22 und 6 Uhr würden die strikten Lärmgrenzwerte bei der erwarteten Zahl des Zu- und Abfahrtsverkehrs unweigerlich überschritten. „Wir können keine Tiefgaragen-Zuwegung bauen, die dann nicht genutzt werden kann“, warb Projektplaner und Architekt Jan Spreen für eine Planänderung. Zu- und Abfahrt sollen deshalb allein über eine verbreiterte Rampe an der Hauptstraße abgewickelt werden. Gut machbar aus Sicht der Fachplaner, weil diese im dortigen Mischgebiet auch nachts unproblematisch wäre. Auch eine Kostenersparnis durch die relativ kürzere Anbindung sei zu erwarten. Zudem stünden neben einer avisierten Zahl von 95 Tiefgaragenplätzen auch weiterhin alle 29 Parkplätze am Maibaumparkplatz oberirdisch zur Verfügung. Mit einer Unterbrechung freilich: Dann nämlich, wenn der Parkplatz oben für die Tiefgarage unten unterbaut werden muss. Noch stehen die genauen Eckdaten der Planung sowie die exakten Projektkosten nicht fest. Auch müssen die Maibaum-Parkplätze durch den erhöhten Raumbedarf für die Zu- und Abfahrt der Tiefgarage nebenan leicht verändert situiert werden. Der heutige Parkplatz würde nach Westen leicht verschlankt, dafür einige Parkplätze weiter hinten im Areal auf die Freifläche vor dem Rathaus platziert. Im Rahmen der nächsten regulären Ausschusssitzung am 23. Juli sollen weitere Planungs- und Kostendetails präsentiert werden. Kontrovers ausgerichtete Neubiberger Befindlichkeiten wurden im Rahmen einer gut zweistündigen Diskussion erneut deutlich. Nur mit hauchdünner Mehrheit von 6:5 Stimmen votierte der Ausschuss für eine Beschlussempfehlung an den Gemeinderat.

 Diese sieht zur Durchführung des weiteren Verfahrens und zur Vorbereitung des Projektes die Absegnung weiterer Planungs- und Beratungsleistungen vor. Gregor Röslmaier (SPD) stimmte zwar trotz „optischer Bedenken“ bei der künftigen Sichtbeziehung von der Hauptstraße zum Rathaus zu. Ohne konkrete Zahlen und Fakten versagten die Räte von CSU und Grünen jedoch dem Paket die Zustimmung. Thomas Pardeller (CSU) und Kilian Körner (Grüne) fehlte die „notwendige Transparenz“. Laut Körner sei man „überfallartig“ mit der veränderten Planung konfrontiert worden. Hartmut Lilge (CSU) sah neben fehlenden Finanzierungszahlen auch ein „Hemmnis“ in dem Umstand, dass der „klare 70-Prozent-Wille“ des Bürgerentscheids durch die Neuausrichtung nicht erfüllt werde. „Mit so einem Abstimmungsverhalten kann man Projekte auch zerstören“, gab Bürgermeister Günter Heyland (FW N@U) deutlich Contra. „Wenn Sie weiterhin schnell-schnell und mit knapper Mehrheit Projekte durchboxen wollen, wird das nicht funktionieren“, erwiderte Lilge. Das habe sich in der Vergangenheit bereits gezeigt. Heyland verwahrte sich gegen die „Unterstellungen“. Seitens des Rathauses sei alles jeweils zeitgerecht und transparent vermittelt worden. „Überfall­artig“ sei nur der Antrag der Grünen selbst für die Sondersitzung gewesen. Schließlich sei klar gewesen, dass belastbare Zahlen und Fakten erst im Juli nach der Einarbeitung des Projektsteuerers präsentiert werden könnten. Der steht immerhin fest. Die Vorstellung des Ferdinand Weiß vom Büro Stein & Partner geriet aber fast zur Randnotiz. Seine Bedeutung als Wegweiser dürfte im weiteren Projektplanungsverlauf aber stetig steigen. Nach Rom müssen sie ja gottseidank alle nicht. Nur in die Tiefgarage und wieder raus.

Harald Hettich 

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

München-Ost: Diese Veranstaltungen mischen den Landkreis auf
München-Ost: Diese Veranstaltungen mischen den Landkreis auf
Aying: Am Bahnhof soll ein Mitfahrbankerl aufgestellt werden
Aying: Am Bahnhof soll ein Mitfahrbankerl aufgestellt werden
Neubiberg: Annegret Kramp-Karrenbauer zu Besuch an Bundeswehr-Uni 
Neubiberg: Annegret Kramp-Karrenbauer zu Besuch an Bundeswehr-Uni 
Brunnthal: Demonstration wegen möglicher Windkraftanlagen im Hofoldinger Forst
Brunnthal: Demonstration wegen möglicher Windkraftanlagen im Hofoldinger Forst

Kommentare