Das Köpfchen und die Gemeinschaft fördern

40 Jahre Skatclub „Contra-Re“ in Höhenkirchen

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Zur Feier des 40-jährigen Jubiläums hielt der Skat-Club "Contra-Re" ein kleines Turnier ab.

Jeden Mittwoch geht es am Höhenkirchner Sportplatz sportlich zu. Gemeint ist nicht etwa auf dem Fußballfeld, sondern in der Taverna Ammos beim Skatclub „Contra-Re“. Dieser hatte nun sein 40-jähriges Jubiläum.

„Bei uns kommt keiner zu spät“, erklärt Günter Fried mit einem Augenzwinkern. Er ist Mitglied im Höhenkirchner Skatclub „Contra-Re“, der sich schon seit 1979 einmal die Woche trifft – neuerdings schon um 18.40 anstatt um 19 Uhr in der Taverna Ammos am Höhenkirchner Sportplatz. Dass es pünktlich losgeht, ist wichtig, weil zu Beginn die Tische ausgelost werden, in der Regel Vierer- aber auch Dreiertische. Danach startet direkt die erste von zwei Runden, die jeweils 48 Spiele umfassen. Eine Runde dauert etwa zwei Stunden, insgesamt also vier Stunden. Wenn jemand zu spät dazustößt, müssten Tische neu verteilt werden.

Der sportliche Charakter steht bei „Contra-Re“ im Vordergrund. Grund ist, dass es sich bei dem Verein nicht um lose Wirtshaustreffen geht. Denn in dem Club wird nach den internationalen Regeln der International Skat Players Association (ISPA) gespielt. Deshalb kurios: im Club „Contra-Re“ wird den internationalen Regeln folgenden gar kein Kontra und Re angesagt. „Wir sind als einer der wenigen Vereine im Münchner Südosten dem deutschen Skatverband unterstellt“, erklärt Gernot Hoffmann. Er ist seit 1983 bei dem Skatclub, war 25 Jahre Vorsitzender und ist derzeit längstes Mitglied. Der Verein kann durch die Mitgliedschaft im Verband im Einzel- oder Mannschaftswettbewerb sogar bis zur deutschen Meisterschaft kommen. 

So sieht ein Skatabend bei „Contra-Re“ in Höhenkirchen-Siegertsbrunn aus.

„Das ist wie mit den Ligen im Fußball organisiert“, erklärt Fried. Aber um die Ligaspiele geht es an den Mittwochabenden nicht, wie der Clubvorsitzende Roland Machilek ausführt: „An den Skatabenden wird vereins­intern gespielt, die Meisterschaften sind dann meist am Wochenende. Bei Treffen unter der Woche spielen wir verschiedene Wettbewerbe aus, da geht es um die Vereinsmeisterschaft. Am Jahresende wird dann der Vereinsmeister bei der Weihnachtsfeier geehrt.“ Auch eine extra Damen- und Seniorenmeisterschaft gibt es. „Die Damen sind selbstverständlich genauso spielstark wie die Herren und spielen bei den anderen Wettbewerben zusammen mit den Herren, da gibt es keine Unterschiede“, stellt Fried klar. Der Verein ist stolz, mit fünf Frauen bei 31 Mitgliedern über dem Bundesschnitt von zehn Prozent zu liegen. Die Mitspieler im Club kommen aus umliegenden Ortschaften wie Ottobrunn, Haar und Zorneding, aber auch zum Teil aus München.

Bei den Vereinsmeisterschaften und in der Liga hat sich in den vergangenen Jahren besonders Michael Weigle, das jüngste Mitglied, hervorgetan. „Mit jung ist um die 30 gemeint“, erklärt Machilek schmunzelnd, „das Durchschnittsalter liegt bei uns bei ungefähr 69 Jahren.“ Fried erzählt: „Die älteste Dame, die dann vor zwei Jahren verstarb, war sogar 99 und ist erst mit 98 eingetreten.“ Und Machilek ergänzt „Sie war körperlich und geistig sehr fit – und vielen von uns noch um einiges voraus.“

Doch woran liegt es, dass sich Jüngere nicht für Skat interessieren? „Die haben heutzutage andere Hobbys“, meint Fried und zeigt auf ein Smartphone. „Aber das geht allen Skatclubs gleich, alle haben einen Altersdurchschnitt zwischen 60 und 70“, betont Hoffmann. Dennoch sei Skat kein aussterbendes Hobby, je nach Lebensabschnitt bestehe unterschiedlich starkes Interesse, nach der Pension erleben sie meist einen größeren Andrang. „Da will die Frau den Mann auch mal aus dem Haus haben“, meint Fried scherzhaft.

Der Teamjüngste Weigle hat selbst über seinen Vater die Leidenschaft fürs Skat mitbekommen. So gehe es seiner Meinung nach vielen. Ihn reize vor allem die Logik des Spiels. Denn neben der Glückskomponente gebe es beim Skat auch die Gedächtniskomponente. „Es gibt welche, die merken sich genau, welche Karten schon alle gespielt wurden und welche noch übrig sein müssen“, erklärt Fried. „Das hält den Kopf fit, das merke ich gerade auch im Alter“, fügt Hoffmann hinzu. Dass das Spiel so logisch ist, mache ebenso wie das internationale Regelwerk den Reiz aus. Durch das Vereinsleben und die Reisen zu den Meisterschaften hat Hoffmann einiges erlebt. 

Bei der Feier zum 40-jährigen Jubiläum am 14. September gab er einige seiner Anekdoten zum besten. So reiste er einmal mit Albrecht Liss aus München, damals amtierender deutscher Meister im Einzel, zur deutschen Einzelmeisterschaft nach Damp an der Ostsee. Auf der Zugfahrt setzte sich ein jüngerer Mann zu ihnen und fragte zufällig, ob sie Skat spielen können. Liss meinte „ein bisschen“, sie spielten, aber als der Mann nach einer halben Stunde schon 20 Mark hinten lag, wollte er aufhören. Dann klärten sie ihn auf, wer sie waren und wohin sie fuhren. Anstatt wütend zu sein, meinte der Fremde: „Es war mir eine Ehre, mit ihnen mitspielen zu dürfen.“

Wer sich gerne der Skatrunde anschließen möchte, und mit erfahrenen Spielern wie Hoffmann spielen möchte, ist immer willkommen, betont Machilek. „Interessierte dürfen dreimal schnuppern, danach sollten sie dem Verein beitreten. Der jährliche Beitrag von 60 Euro kommt aber wieder den Mitgliedern zugute. Wir machen keinen Gewinn.“ Etwa werde davon die Weihnachtsfeier gezahlt und auch gemeinsame Ausflüge, etwa nach Wien oder Prag, werden vom Club unterstützt. Solche gemeinsamen Unternehmungen abseits der Skatabende liegen dem Vorsitzenden besonders am Herzen: „Wir haben auch ein Gemeinschaftsleben hier. Bei vielen älteren Leuten werden die Kontakte weniger, wenn sie aus dem Berufsleben raus sind. Da ist es wichtig, dass sie eine Anlaufstelle und sozialen Anschluss haben.“

Iris Janda

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