„Feel Home“-Häuser für Flüchtlinge

Integration steht ganz im Vordergrund

So sieht ein „Feel Home“-Musterhaus im Modell von vorne aus.
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So sieht ein „Feel Home“-Musterhaus im Modell von vorne aus.

„Feel Home“-Leichtbauhäuser plant das Architekturbüro ehret+klein zur Unterbringung von Flüchtlingen. Was es mit diesen Häusern auf sich hat verrät Geschäftsführer Michael Ehret im Interview.

HALLO: Seit wann gibt es denn die „Feel Home“-Häuser?

Michael Ehret: Die Idee eines dezentralen Unterbringungskonzeptes für die schnelle Versorgung von Flüchtlingen mit solidem Wohnraum gibt es seit Ende 2014 – entwickelt von ehret+klein, in enger Abstimmung mit staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen. Nach vielen Gesprächen und der Zusammenarbeit mit einem Team aus Generalplanern, Projektsteuerern, Fachingenieuren und Zulieferbetrieben wurden die ersten Module im Herbst 2015 gefertigt und seit Ende November in Gräfelfing aufgestellt.  

Welches besondere Konzept liegt denn den Häusern zugrunde?

Die Bebauung erfolgt auf holzbasierender Blockhausbauweise. Die Gebäude werden in der Regel als Doppelhaus mit vier Wohneinheiten für 32 Personen, jeweils mit Erdgeschoss und einem Obergeschoss errichtet. Eine Wohneinheit besteht aus zwei getrennten Schlafräumen für je vier Personen sowie zwei Bädern, einer Küche und Waschmaschine zur gemeinsamen Nutzung. Individuell geplant werden die Anzahl und Anordnung der Häuser je nach Bedarf und Standort. Die Baumaßnahmen entsprechen den technischen und planerischen Vorgaben des Standardraumbuches der Staatsregierung, sind flächensparend und im Falle eines Rückbaus ist eine umweltgerechte Entsorgung gewährleistet. Alle statischen und brandschutztechnischen Normen sind eingehalten. 

Welche Resonanz haben Sie bei den Verantwortlichen? 

Der Bedarf nach längerfristigen Unterbringungsmöglichkeiten für Asylbewerber im Landkreis München ist weiterhin groß. Unser Unterbringungskonzept hat wichtige Entscheider von Anfang an überzeugt. Nachdem es nun in den ersten Kommunen sichtbar umgesetzt ist, bekommen wir zunehmend mehr Anfragen auch von Verantwortlichen, die bislang kein Interesse hatten.  

In welchen Landkreis-Gemeinden sind Sie denn schon im Gespräch?

In den Landkreisgemeinden Gräfelfing, Haar, Ismaning, Oberhaching, Planegg und Taufkirchen wird das Projekt umgesetzt. Im Gespräch sind wir außerdem mit Höhenkirchen-Siegertsbrunn, Kirchheim, Neuried, Ottobrunn.

Kann man sich solche Häuser schon anschauen? 

Ja, derzeit errichten wir in Gräfelfing Unterkünfte, die bei einem Pressetermin vor Eröffnung (voraussichtlich am 16. Dezember) öffentlich präsentiert werden. Für eine kurzfristige Besichtigung kann man sich das Musterhaus in Tutzing anschauen.

Welche Vorteile haben künftige Bewohner und auch die Gemeinden?

Leitgedanke ist eine schnelle und solide Unterbringung von Asylbewerbern, die deren gesundheitliches und sittliches Wohlempfinden berücksichtigt. Die Unterkünfte erfüllen die Leitlinien des bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen. Das kleinteilige, standortangepasste Unterbringungskonzept dient dem Wohlbefinden und Sicherheitsbedürfnis der Asylbewerber sowie auch den Bedürfnissen von Anwohnern und Gemeinden gleichermaßen. Die architektonische Gestaltung sowie die Bauart ermöglichen eine homogene Integration in bereits bestehende Wohnbebauungen.  

Ist das Ganze kostengünstiger als zum Beispiel Traglufthallen oder Containersiedlungen?

Diese Frage richtet sich an den Freistaat Bayern, vertreten beispielsweise durch das Landratsamt München. Er mietet die unterschiedlichen Unterbringungsmöglichkeiten an.  

Könnten die Häuser irgendwann auch anders genutzt werden?

Die Unterkünfte werden von uns für bis zu zehn Jahre vermietet. Sie sind so gestaltet, dass sie für verschiedene (Nach-)Nutzungen geeignet sind. Aber das ist natürlich eine Frage, die von den Verantwortlichen zu gegebener Zeit beantwortet werden müsste.

eid

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