Für mehr Teilhabe und Lebensqualität trotz Handicap

Landkreis: Förderprogramm für Inklusionstaxis

Taxiunternehmen werden mit bis zu 10.000 Euro vom Landratsamt bei der Umrüstung ihrer Fahrzeuge zu Inklusionstaxis unterstützt.
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Taxiunternehmen werden mit bis zu 10.000 Euro vom Landratsamt bei der Umrüstung ihrer Fahrzeuge zu Inklusionstaxis unterstützt.

Landkreis – Spontan in ein Café oder in den Englischen Garten gehen – für Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, stellt jede noch so kleine Unternehmung eine He­rausforderung dar. Mit einem Förderprogramm für Inklusionstaxis soll die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erleichtert werden.

Die persönliche Mobilität ist für Menschen mit Behinderungen ein wichtiges Thema und gehört zu den zentralen Voraussetzungen einer selbstbestimmten, gleichberechtigten Teilhabe im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention. Das Landratsamt München möchte dies fördern und hat seit diesem Jahr ein neues Förderprogramm: Seit April werden die Anschaffung oder der Umbau zum Inklusionstaxi bezuschusst. 

Dazu verabschiedete der Sozialausschuss im März ein Förderkonzept für im Landkreis München ansässige, konzessionierte und gewerblich tätige Taxiunternehmen zur Beschaffung oder den Umbau barrierefreier, rollstuhlgerechter Fahrzeuge. Seit 1. April können Taxiunternehmen über das Landratsamt eine Förderung von bis zu 10.000 Euro zur Umrüstung oder Neuanschaffung eines „Inklusionstaxis“ erhalten. 

Es handelt sich dabei um eine einmalige Projektförderung, die grundsätzlich nicht zurückgezahlt werden muss. Gefördert werden ausschließlich Taxis, deren Erstzulassungen durch die Kraftfahrzeugzulassungsstelle des Landkreises München zum Zeitpunkt der Antragstellung nicht länger als 24 Monate zurückliegen. 

Mit dieser Förderung, die zunächst auf die Dauer von drei Jahren begrenzt ist, möchte der Landkreis München einen Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe und Mobilität seiner Bürger mit Behinderungen leisten. Gleichzeitig soll Taxiunternehmen aus dem Landkreis München ein finanzieller Anreiz für mehr rollstuhlgerechte Fahrzeuge in ihrem Fuhrpark gegeben werden. Bis Ende des Jahres 2022 sollen auf diese Weise bis zu 30 Taxis im Landkreis für Menschen mit Behinderung zur Verfügung stehen. 

Zukünftig sind die Inklusionstaxis durch einen gut sichtbaren Aufkleber mit der Aufschrift „Inklusionstaxi“ zu erkennen. Gleichzeitig werben sie so für den neuen Service. „Die Bezuschussung ist ein weiterer wichtiger Schritt zur Verbesserung der Teilhabemöglichkeiten für alle, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Mit der Förderung können Taxiunternehmen ihre Flotte inklusiver machen und sich dadurch auch strategisch einer neuen Kundschaft öffnen – ein Gewinn für alle Seiten“, so Landrat Christoph Göbel. 

Trotz des Zuschusses fallen für die Taxiunternehmen erhebliche Kosten an. Aber auch diese Branche ist wie so viele von den Auswirkungen der Corona-Pandemie finanziell gebeutelt. Schließlich sollten die Menschen über Wochen das Haus nur wenn notwendig verlassen, durften nicht verreisen oder spätabends durch die Bars ziehen. Situationen, in denen Taxis gebraucht werden. Damit war der April ein denkbar schlechter Zeitpunkt, um eine solche Investition zu wagen. Dennoch hat Zekai Karavas, Geschäftsführer des Taxiunternehmens Flotilla aus Riemerling, die Förderung in Anspruch genommen. Für ihn habe die Pandemie diesen Schritt in gewisser Art sogar erst möglich gemacht. 

„Wir hatten eigentlich Glück im Unglück“, erzählt Karavas. Weil die Fahrzeuge standen, war ausreichend Zeit da, um sie umrüsten zu lassen. Darüber hinaus war das Förderprogramm des Landkreises ausschlaggebender Grund. Eine Umrüstung mit elektrisch betriebenem Aufzug kostet um die 12.000 Euro. Zwei Fahrzeuge in der Flotilla-Flotte sind nun so ausgestattet. 

Trotz der Förderung sei der Umbau für die Unternehmen finanziell nicht rentabel. „Von 100 Fahrten, die man hat, nehmen vielleicht ein bis zwei den Service in Anspruch. Taxis haben meist nur eine Laufzeit von fünf Jahren. Das rechnet sich da nie“, verdeutlicht der Taxiunternehmer. Warum er sich dennoch für diesen Schritt entschieden hat? 

„Ich habe eine soziale Ader und denke, man muss auch etwas im Leben zurückgeben, auch wenn es sich nicht für einen selbst auszahlt“, erzählt Karavas. Er selbst habe Angestellte mit Behinderung und wisse aus jahrelanger Arbeit im Betriebsrat bei seinem früheren Arbeitgeber um die Schwierigkeiten, mit denen Menschen mit Behinderung tagtäglich konfrontiert sind. Er wolle ihnen durch seinen Dienst ein Stück Lebensqualität geben. 

„Was für uns ganz einfach ist, mal nach Schwabing ins Café oder in den Englischen Garten, stellt für Menschen mit Behinderung große Hürden da. Ich möchte ihnen ein bisschen Freiheit geben“, erklärt Karavas. Die Fahrt mit einem rollstuhlgerechten Taxi ist für den Kunden nicht teurer als mit einem normalen Fahrzeug. Mit einem Beförderungsschein werden sie wie auch bei anderen Krankenfahrten von der Krankenkasse übernommen. 

ija

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