Rumänisches „Magura“-Ensemble begeistert beim Ottobrunner Kultursommer

Kulturelle Gräben überbrückt

Vor einem Jahr knüpften die beiden Vorsitzenden des „Kontaktkreises Siebenbürgen/ Transilvania“, Sabine Kudera und Barbara Doenecke, in Siebenbürgen Kontakte mit dem Städtischen Kulturhaus Zeiden/Codlea im Landkreis Kronstadt/Brasov, um einen kulturellen Jugend-Austausch mit der Ottobrunner Musik- und der Ballettschule einzuleiten. Die beiden Ottobrunner Schulleiter Robert Jobst und Marcella Weber waren daran sehr interessiert und so teilte man sich die nicht gerade geringen Vorbereitungsarbeiten für den einwöchigen Aufenthalt des 35 Personen umfassenden Tanz- und Musikensembles „Magura“ im Juli 2012 in Ottobrunn, der von der Bayerischen Staatskanzlei finanziell großzügig unterstützt wurde.

Es war nicht einfach, eine hinreichende Zahl von Gastfamilien für die rumänischen Jugendlichen zu finden, da viele irrtümlicherweise Rumänien mit Roma und den entsprechenden Klischees gleichsetzen und sonst wenig mehr über Rumänien wissen als das, was leider nahezu  ausschließlich mit negativen Schlagzeilen in den Medien präsent ist. Um so mehr angetan waren dann die letztlich doch gewonnenen Gasteltern (ein Ehepaar nahm sogar sechs Jugendliche auf!) von den offenen, warmherzigen jungen Rumänen, die sich rücksichtsvoll und freundlich in die Gastfamilien einfügten und sich auch bei den Ausflügen und Besichtigungen sehr diszipliniert und untereinander sehr freundschaftlich verhielten. Dass es bei einer so großen Gruppe von Jugendlichen in der ganzen Woche überhaupt keine Probleme gab, war durchaus bemerkenswert.

Sehr gekonnt absolvierte das Ensemble seine temperamentvollen Auftritte beim Ottobrunner Kultursommer-Fest am 14. Juli und im Hanns Seidel-Haus am 17. Juli und wurde vom Publikum mit großer Begeisterung aufgenommen.

Das Besichtigungsprogramm der Gruppe, organisiert und begleitet vom „Kontaktkreis“, umfasste eine Stadtführung in München, wo das auch geplante Shopping so gut wie gar nicht stattfand, weil die Jugendlichen kaum Geld dafür hatten. (Sie kauften dann in einem Supermarkt vor allem Kaffee für die Eltern, der hier wesentlich besser und billiger ist!) 

An den weiteren Tagen wurden die BMW-Welt, der Olympiapark und das Tollwood-Gelände sowie die Flugwerft Oberschleißheim und der dortige Schlosspark besichtigt. (Im Landkreis Kronstadt befindet sich traditionell auch Luftfahrtindustrie, seit einiger Zeit auch der EADS-Ableger Premium Aerotec.) Großen Spaß machte den jungen Rumänen der Besuch des Ottobrunner Phönix-Bades, gesponsert von Geschäftsführer Werner Müller von der Sportpark Ottobrunn GmbH (mit Brotzeit, gesponsert vom Ehepaar König vom „Walfino“-Restaurant).

Ganz besondere Programmpunkte waren natürlich der von der Ballettschule organisierte gemeinsame Tanzworkshop mit einfachen Volkstänzen aus aller Welt, bei dem sogar die eingeladenen Gasteltern vergnügt mitmachten, sowie der von der Musikschule organisierte heiße Samba-Percussionworkshop, wo sich die Jugendlichen beider Länder ebenfalls näher kennenlernen konnten. Dabei war die Verständigung mit Englisch bei den meisten möglich; eine Jugendliche sprach als Schülerin des deutschsprachigen Honterus-Gymnasiums in Kronstadt/Brasov sogar sehr gut deutsch.

Ein außergewöhnliches Ereignis war zweifellos der von Udo Buhn von der „Zeidner Nachbarschaft“ (Heimatortsgemeinschaft der Siebenbürger Sachsen aus Zeiden in Deutschland) organisierte Ausflug ins bayerische Oberland mit Schifffahrt auf dem Starnberger See, der mit einem Grillfest bei Familie Buhn in Geretsried mit Musik und Tanz einen für alle Beteiligten begeisternden Abschluß fand. 

Für die nach Deutschland ausgewanderten Siebenbürger Sachsen, die seit Jahrhunderten eine große kulturelle und soziale Distanz zu den Rumänen hatten und unter rumänischer Herrschaft besonders im Kommunismus sehr gelitten haben, ist eine solche Einladung alles andere als selbstverständlich und ein positives Zeichen für die Zukunft.

Vielleicht konnte der junge (seit zwei Jahren existierende) Kontaktkreis-Verein mit der Initiative zu diesem Besuch auf der unmittelbar persönlichen Ebene zur Verständigung zwischen den beiden so unterschiedlichen EU-Ländern beitragen! Wie wichtig den im Vergleich zu anderen südosteuropäischen Staaten traditionell stark nach Westeuropa orientierten Rumänen ein solcher Austausch ist, zeigt besonders die Tatsache, daß der Bürgermeister von Zeiden/Codlea (20.000 Einwohner), Catalin Muntean, seine für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Mitarbeiterin Corina Nica mitsandte  mit Gastgeschenken für die Organisatoren des Austauschs (Kontaktkreis Siebenbürgen und Musik- und Ballettschule Ottobrunn) sowie für den Ottobrunner Bürgermeister, der sich entsprechend „revanchierte“.

Für das nächste Jahr wurden die Musik- und Ballettschüler zum Gegenbesuch sehr herzlich nach Zeiden/Codlea eingeladen, wo sie hervorragende Auftrittsmöglichkeiten in dem schönen, um 1900 herum (also in „sächsischer Zeit“) errichteten Kulturhaus und in der imposanten mittelalterlichen Kirchenburg haben werden. Dort werden sie von Pfarrer Andreas Hartig, Kulturhaus-Direktor Petrica Buhnici und  Bürgermeister Catalin Muntean sicher herzlich willkommen geheißen und werden sich der sprichwörtlichen rumänischen Gastfreundschaft in den dortigen Familien erfreuen können.


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