Brunnthal: Lutterschmid und Mehrzweckhalle weiter in der Diskussion

Haushalt verabschiedet

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Lutterschmid oder Mehrzweckhalle? In Brunnthal gehen die Meinungen darüber, welche Investition Vorrang haben sollte, nach wie vor deutlich auseinander.

Mit zehn zu sechs Stimmen hat der Brunnthaler Gemeinderat in seiner Sitzung am Mittwoch den Gemeindehaushalt 2013 verabschiedet. Nach einem Patt im Dezember war die neuerlichen Beratung und Abstimmung notwendig geworden (HALLO berichtete). 

Mit sieben zu neun Stimmen war der parteifreie Gemeinderat Arthur Wendelgaß zuvor in der Sitzung mit seinem Antrag gescheitert, den Haushalt für das laufende Jahr bis zur Klärung von Sachfragen zu den beiden wesentlichen kommunalen  Investitionspunkten des Lutterschmid-Erwerbs und des möglichen Baus einer Mehrzweckhalle zurückzustellen. Doch in der Gemeinde brodelt es weiter. 

Trotz des Mehrheitsbefunds beim Haushalt verläuft derzeit durch den Ratssaal ein trennender Graben. Von der rund 1,3 Millionen teuren Lutterschmid-Investition fühlen sich angesichts eines Fehlbetrages von einer Viertelmillionen Euro im Ergebnishaushalt 2012 und damit lahmender Investitionsbereitschaft insbesondere die Befürworter des aus Sicht der örtlichen Vereine aufgrund unzureichender Raumkapazitäten dringend notwendigen Hallenbaus ausgebremst. Im Mehrjahresinvestitionsprogramm sucht man konkrete Hallenplanungen weiter vergebens. 

Wie sehr das Thema unter den Nägeln brennt, zeigte am Mittwoch ein Blick in den Ratssaal selbst. Angesichts eines wahren Ansturms von Bürgern und Vereinsabordnungen vor allem des TSV Brunnthal platzte das Versammlungslokal fast aus allen Nähten. Es rumort in der Gemeinde. 

Einigkeit im ansonsten tief zerstrittenen Gremium herrscht nur beim öffentlichen Personennahverkehr. Ein Planungskonzept aus der Feder des Landkreises zu Taktverdichtung und zur Schaffung neuer Buslinien (darunter einer Verbindung zwischen den S-Bahnhöfen Höhenkirchen und Sauerlach über Brunnthaler Flur) konnte im Rat durchaus gefallen. Fallstricke drohen aber bei der noch ungeklärten Finanzierung.    

Haushalts-Trennlinie

In ihrer Außendarstellung gibt die Gemeinde Brunnthal nicht erst seit der vielstimmigen Diskussion um die Unterbringung von Asylbewerbern im früheren Gasthof Lutterschmid ein eher dürftiges Bild ab. Zwar konnte die Flüchtlingsdebatte in den letzten Monaten versachlicht und durch eine Unterbringung der Menschen im alten Pfarrhaus auch entzerrt werden – doch längst hat die Diskussion um die Lutterschmid-Zukunft selbst volle Fahrt aufgenommen. 

Im Gemeinderat ergriff nun Arthur Wendelgaß die Gelegenheit beim Schopf, insbesondere Rathauschef Stefan Kern (CSU) harsch anzugehen. „Neben einem Konzept fehlt auch die notwendige Information des Gemeinderates über die Vorgänge beim Kauf“, so Wendelgaß. Auch sieht der Lokalpolitiker die wichtigen Folgefragen, Chancen aber vor allem Risiken einer Nachnutzung des Lutterschmid bei weitem nicht ausreichend beleuchtet. „Andere diskutieren Projekte dieser Größenordnung vor einem Kauf – wir in Brunnthal tun es erst danach“, so sein Anwurf an die Adresse des Bürgermeisters. 

Fehlende Gutachten, unabsehbare wirtschaftliche Risiken etwa eines Leerstandes und eines Millionengrabs an Sanierungskosten bis zu den nach Wendelgaß´ Auffassung  „lebensgefährlichen Mängeln der Elektrik“ im Ensemble in der Brunnthaler Ortsmitte – die Mängelliste des früheren CSU-Mandatars geriet umfangreich. Vor allem aber warfen einige Räte dem Bürgermeister neben eigenmächtigem Handeln auch eine mangelhafte Informationspolitik vor. „Nicht einmal die zum Teil alarmierenden Ergebnisse der bisherigen  Gutachten standen allen Gemeinderäten im Detail zur Verfügung“, beklagte Sylvester Schuster (UBW). Bürgermeister Stefan Kern (CSU) verwahrte sich gegen die Vorwürfe. Es gelte, die beiden für den Ort wichtigen Projekte nicht gegeneinander auszuspielen. Der Lutterschmid-Kauf sei notwendig geworden, um der Ortsmitte mittelfristig wieder den so wichtigen Treffpunkt zu verschaffen. Den Vorwurf Schusters, wonach Kern in Vorgesprächen explizit für den Erwerb plädiert hatte, um einen Flüchtlingsstrom auszubremsen, wies der Rathauschef zurück. Zudem sei er nicht gegen eine Mehrzweckhalle. „Nur zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist dieser Bau nicht möglich“, so die Christsozialen im Chor und mit Blick auf die angespannte Haushaltssituation. Trotz rund neun Millionen Euro liquider Mittel auf den Gemeindekonten könne dieses ehrgeizige Projekt derzeit in die Mehrjahresinvestitionsplanung bis 2016 vor dem Hintergrund eines in der Historie erstmalig negativen Ergebnishaushalts nicht aufgenommen werden.

Während der Lutterschmid angesichts vieler Interessenten nach der Sanierung Pachteinnahmen generieren werde, verursache eine neue Mehrzweckhalle vor allem hohe jährliche Betriebskosten, so Kern. Kritiker seines Vorgehens sehen dies konträr – und im umfangreich sanierungsbedürftigen Lutterschmid vor allem ein finanzielles Fass ohne Boden.  Die Vereine dagegen schauen erst mal in die Röhre. 

Busanbindung ja, aber 

Auf den ersten Blick liest sich der neue Nahverkehrsplan für das Hachinger Tal durchaus positiv, den die Firma Planmobil im Auftrag des Landkreises erstellt hat. Für gut zwei Millionen Euro Mehrkosten soll danach das Busangebot im Hachinger Tal verbessert und taktverdichtet werden. Das im öffenlichen Personennahverkehr nicht gerade überversorgte Brunnthal könnte dabei mit einer über eigene Gemeindeflur verkehrenden Buslinie 214 zwischen den S-Bahnhöfen Höhenkirchen und Sauerlach besser an  das übergeordnete Verkehrsnetz angebunden werden. Auch die Linie 210 zwischen Neuperlach und Hohenbrunn-Riemerling könnte nach aktuellen Plänen bis in das Gewerbegebiet Brunnthal-Nord verlängert werden.  Darüber herrschte durchaus einhellige Freude im Brunnthaler Gemeinderat – doch der größte Prüfstein dürften bei der ehrgeizigen, mehrteiligen Konzeption des Kreises vor allem die Finanzen werden. 

„Es ist als positiv zu bewerten, dass die Planer gleich mehrere unserer Forderungen im Planpapier aufgegriffen haben“, betonte Bürgermeister Stefan Kern (CSU). „Doch vor allem die Kosten müssen passen“, lautete der übereinstimmende Tenor im Rat. Derzeit gibt Brunnthal nach Aussage Kerns gut 50.000 Euro pro Jahr für seine Busverbindungen aus – einen viel größeren Kostenanteil durch die millionenschweren ÖPNV-Nachbesserungen kann man sich in der klammen Gemeinde nach eigener Einschätzung nicht leisten. 

Entscheidungen über neue Streckenprofile, Taktzeiten und eine mögliche zusätzliche Ausstattung von Rufbus- und Ruftaxiverbindungen auf weniger frequentierten Strecken im Bereich der großen Flächengemeinde soll aber laut Information des Landkreises noch vor diesem Sommer fallen. Durchaus verlockend liest sich nach Ansicht der Räte vor allem das Angebot mit der Linie 214. „Damit würde für Brunnthal  auch die Verbindung nach Holzkirchen deutlich beschleunigt und verbessert“, freute sich Sylvester Schuster (UBW). 

Wie andere Räte auch betonte er besonders die steigende Bedeutung der nahen, aber bislang aufgrund schlechter Verbindungen doch so fernen Marktgemeinde. „Als Schul- und Gewerbestandort wird Holzkirchen immer wichtiger“, so die Einschätzung Schusters. Dennoch scheint Träumen verboten: „Vor einer Entscheidung müssen wir erst einmal genau wissen, was kostentechnisch auf uns zukommt“, forderte der Gemeinderat einstimmig. Erst danach könnten abhängig von den tatsächlichen Brunnthaler Mehrkosten konkrete Entscheidungen über neue Linien und Takte fallen.  

Harald Hettich         

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