„Jeder Bürger der Gemeinde muss mindestens gehört werden“

Hohenbrunns Bürgermeisterkandidatin Pauline Miller im HALLO-Interview

Pauline Miller war schon früh politisch engagiert. Nun tritt sie als Bürgermeisterkandidatin des Bürgerforums für Hohenbrunn an.
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Pauline Miller war schon früh politisch engagiert. Nun tritt sie als Bürgermeisterkandidatin des Bürgerforums für Hohenbrunn an.

Hohenbrunn – Pauline Miller ist Handelsfachwirtin, Mediatorin, ehrenamtlich engagiert, Ehefrau, Mutter und seit sechs Jahren im Hohenbrunner Gemeinderat aktiv. Nun tritt sie als Parteimitglied des BürgerForums (BF) als Bürgermeisterkandidatin gegen drei weitere Mitstreiter an. Wer hinter der Bürgermeisterkandidatin steckt und welche Ziele ihr besonders wichtig sind, verrät Pauline Miller im Interview.

HALLO: Schon in jungen Jahren waren Sie politisch in der Jungen Union (JU) sehr engagiert. Wo findet Ihr Interesse seinen Ursprung?

Miller: Das kommt aus meinem Elternhaus. Auch meine Großeltern waren sehr engagiert – gerade mein Opa. Der war sowohl im Landtag, als auch im Bundestag viele Jahrzehnte vertreten.

Waren Sie auch während Ihrer Schulzeit schon die Stimme der Politik?

Während meiner Schulzeit war ich sehr begeistert von dem Fach Sozialkunde. Jeder in der Schule wusste, dass Politik mein Thema ist. Das ist sogar in der Abi-Zeitung gelandet (lacht). Darin Stand der Satz: „Sie wird bestimmt mal Bundeskanzlerin werden.“ 

Warum sind Sie damals schon sehr früh in die JU eingetreten?

Gerade als junger Mensch ist man ja sehr diskussionsfreudig. Ich zählte auch dazu. Es hat mir einfach Spaß gemacht. Gleichzeitig hatte ich das Glück, in der JU eine Gruppierung zu finden, die auch vom menschlichen Faktor total gepasst hat. Wir haben da eine tolle Zeit gehabt. Wir haben ganz viel Spaß gehabt, unseren Ortsteil mitzugestalten.

Was war nach Ihrer politischen Pause, in der Sie sich Ihrer Familie und ihrer beruflichen Laufbahn gewidmet haben, ausschlaggebend für ihre Tätigkeit als Gemeinderätin?

Ausschlaggebend für das politische Engagement in Hohenbrunn war, dass ich in der Gemeinde nicht richtig gehört wurde. Wir als Eltern hatten damals ein konkretes Anliegen und wurden nicht gehört. Und dann dachte ich mir: „Jetzt lebe ich hier, das ist meine Heimat, ich darf nicht nur kritisieren, sondern muss mich auch stellen, um mitzugestalten.“ Das war das Schlüsselerlebnis und dann habe ich mich aufstellen lassen. Seither ist mir wichtig, dass jeder Bürger der Gemeinde mindestens gehört werden muss.

Seit langer Zeit sind Sie schon als Elternbeiratsvorsitzende, im Asylhelferkreis und im Vorstand des Gewerbeverbandes engagiert. Das allein fordert viel Energie. Kennen Sie da auch während der Wahl keine Rast?

Die Kandidatur ist ja freiwillig von mir gewählt. Ich wollte im Zuge der Wahl nicht das schleifen lassen, wofür ich mich bisher engagiere. Das wäre auch unfair meinen Kollegen gegenüber.

Wie viele Stunden hat – bei all Ihrem Engagement – dann Ihr Tag?

Mein Tag sieht sportlich aus. Ich glaube, ich bin ein sehr gut organisierter Mensch. Das kommt mir natürlich jetzt gerade zu Gute. Ich kann gleichzeitig Wäsche waschen, aufhängen, mir Gedanken machen, was ich mittags koche und zwischendurch Telefonate führen.

Wie kriegen Sie die Kandidatur und ihr Familienleben unter einen Hut?

In der momentanen Phase arbeite ich sieben Tage die Woche, da rechne ich auch die ehrenamtliche Arbeit mit ein. An den meisten Tagen stehe ich um fünf Uhr auf, denn es ist mir auch unglaublich wichtig, für meine Kinder da zu sein. 

Glauben Sie, dass nach der Wahl Ruhe einkehren wird?

Ach Ruhe... Ruhe gab es eigentlich noch nie in meinem Leben, weil ich schon immer eine arbeitende Frau war und mich auch ehrenamtlich engagiert habe. Das ist mir einfach auch wichtig und macht mir tatsächlich sehr viel Spaß. Deswegen: Ruhe kenne ich in der Form nicht, ich könnte mir aber vorstellen, dass es nach dem Wahlkampf etwas geregelter zugeht.

Wie gehen Sie mit der oftmals rauen Tonalität untereinander während des Wahlkampfes um?

Ich bin nicht nur Handelsfachwirtin, sondern auch Mediatorin. Rauen Ton mag ich eigentlich gar nicht. Ich bin immer gerne dabei, über eine Sache zu diskutieren, aber wenn es persönlich oder verletzend wird, das möchte ich nicht. Und dagegen wehre ich mich auch. Ich muss aber auch fairerweise sagen, dass es sich bisher wirklich in Grenzen hält. Über kleine Sticheleien kann ich hinwegsehen.

Wie wichtig sind Ihnen dennoch Meinungsverschiedenheiten in der Politik?

Unterschiedliche Ansichten sind natürlich wichtig, denn davon lebt ja auch die Demokratie. Gute Ergebnisse sind aber nur dann gut, wenn man auch die andere Seite gehört hat und etwas Gemeinsames entwickeln kann – und nicht wenn man versucht, nur seine eigenen Themen durchzuboxen.

Was gilt es denn zu beachten, wenn man seine Meinung äußert?

Emotionen mit den Fakten verbinden. Ich verstehe immer jeden, der eine andere Sichtweise hat. Es ist in Ordnung, dass jeder eine andere Meinung in gewissen Themengebieten hat, dennoch sollten die Fakten nicht außer Acht gelassen werden.

Was wünschen Sie sich für Hohenbrunn?

Unsere Gemeinde hat schon noch viel Potenzial. Wir leben in einer wirklich tollen Gemeinde. Und so soll sie mindestens bleiben und all das, was man vor hat, die Gemeinde weiter zu entwickeln, wäre wichtig, wenn man das im konstruktiven Miteinander diskutieren könnte.

 Wie rechnen Sie sich Ihre Chancen auf das Bürgermeisteramt aus?

Ich glaube tatsächlich, dass ich gute Chancen habe. Ich habe durch meine Gespräche mit den Bürgern herausgehört, dass viele sich nach 14 Jahren einen Wechsel wünschen – unabhängig von der Person. Dadurch, dass ich nun auch schon sechs Jahre im Gemeinderat tätig bin, sehen aber auch einige, was ich bereits bewirkt habe, und ich spüre bisher schon starken Rückhalt.

Welche Themen – unabhängig der Wahlergebnisse – sollen in der nächsten Zeit in der Gemeinde angegangen werden?

Die Basis für alles ist die aktive Bürgerbeteiligung. Das finde ich sehr, sehr wichtig. Und dann haben wir sehr viele große Themen, die angegangen werden sollten. Es herrscht ein gewisser Themenstau. Gerade im Bereich Wohnen. Wir haben zu wenig Wohnraum in den letzten Jahren geschaffen und gerade die Jugend zieht immer mehr weg aus dem Ort. Als zweiten Punkt sehe ich den Klima- und Umweltschutz ebenfalls als ein wichtiges Thema an, denn aus unserer Sicht wird es noch nicht ernst genug genommen. Und das dritte große Themengebiet, in dem etwas getan werden sollte, ist der Verkehr und die Mobilität.

Warum sollten die Bürger unbedingt Sie zur Bürgermeisterin wählen?

Aufgrund meiner beruflichen Erfahrung, bin ich in der Lage, das Rathaus und die Verwaltung zu leiten. Ich glaube, dass wir jetzt eine Zeit haben, in der ein Bürgermeister gefordert wird, der die Bürgerbeteiligung und die Rolle des Bürgermeisters anders lebt, als in der Vergangenheit. Ich möchte die Menschen mitnehmen, Verbindungen schaffen und miteinander die Projekte gestalten. Und da schließt mein großer Vorteil als Mediatorin und als Führungskraft an das Bürgermeisteramt an. 

Interview: Melanie Schröpfer

Kandidaten für Hohenbrunn

Für Hohenbrunn stehen bei der Wahl am Sonntag insgesamt drei Bürgermeisterkandidaten zur Wahl. Neben Pauline Miller sind zwei weitere Anwärter im Rennen. Anke Lunemann tritt für das Bündnis 90 / Die Grünen für den Rathausstuhl an. Stefan Straßmair (CSU) ist seit November 2006 der amtierende Bürgermeister und verteidigt seinen Platz im Rathaus.

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