Betrieb künftig in der Hand der Gemeinde

Hohenbrunn übernimmt Trägerschaft der Kaiserstiftung

Dana Freidank, Katja Dörig und Bettina Hanekop (v.l.) von der Kaiserstiftung in Riemerling
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Im Juli übernahm Katja Dörig (M.) die Leitung der Kaiserstiftung in Riemerling bis zum Jahresende und ergänzte das Team um Dana Freidank (l.) und Bettina Hanekop.

Seit 2012 wird der Seniorentreff Kaiserstiftung von der Awo betrieben. Ab kommenden Jahr nimmt die Gemeinde Hohenbrunn die Trägerschaft selbst in die Hand. Dafür kehrt ein altbekanntes Gesicht in die Einrichtung zurück.

Die Kaiserstiftung in Riemerling wird künftig von der Gemeinde in Eigenregie betrieben. Das entschied nun der Gemeinderat. Seit der Gründung vor sieben Jahren hatte die Awo die Trägerschaft inne. Doch hohe Gemeinkosten sorgten bei Verwaltung wie Gemeinderäten immer wieder für Diskussionen. Der Gemeinderat folgte in seiner Sitzung vom 22. Oktober der Empfehlung von Hauptausschuss und Seniorenbeirat, die Seniorenbegegnungsstätte in die Hände der Gemeinde zu übergeben. Zuvor hatten Vetreter der Awo sowie die neue, vorübergehende Leiterin Helene Nestler die Möglichkeit, ihr Konzept für den Betrieb der Kaiserstiftung vorzustellen.

Vor allem die Angaben zu den Kosten überraschten das Gremium. Denn wie es in der Sitzungsvorlage hieß, boten sowohl das hohe Defizit beim Betrieb der Einrichtung als auch die aus Verwaltungssicht zu hohen Gemeinkosten oft Diskussionsstoff. In einem Gespräch 2019 hätte von Seiten der Awo keinerlei Bereitschaft bestanden, die Gemeinkosten zu senken. Beim Vortrag von Stefanie Sonntag, zuständig für den Fachbereich Senioren bei der Awo, sah das anders aus. So wolle die Awo die Gemeinkosten künftig auf 2000 Euro deckeln und rechne durch zusätzliche Einsparungen beim Personal für das Jahr 2021 mit Kosten in Höhe von 56.500 Euro. 2020 lagen diese bei 73.000 Euro. ÜWG-Fraktionsvorsitzende Pauline Miller wunderte sich darüber: „Jahr für Jahr haben wir im Finanz­ausschuss über die Kosten diskutiert. Und plötzlich, wenn gekündigt wird, geht es doch.“

Bei einem Eigenbetrieb durch die Gemeinde können die Gemeinkosten entfallen. Diese belaufen sich im aktuellen Haushaltsjahr auf 4500 Euro. Weitere Synergieeffekte bei Posten wie Werbung und EDV seien ebenso möglich. Die Gemeinde sieht sich in der Lage, die Stiftung auf gleichem Niveau weiter zu betreiben, da durch die Umstrukturierung des Bereichs Soziales innerhalb der Verwaltung Kapazitäten frei geworden sind. Die bisherigen Mitarbeiterinnen sollen, sofern sie möchten, übernommen werden. Helene Nestler, die bereits bei der Gründung der Kaiserstiftung für einige Jahre die Leitung inne hatte, soll für eine erfolgreiche Weiterführung in Gemeindehand sorgen. „Das ist ein besonderer Moment, weil ich vor sieben Jahren schon einmal hier saß“, erklärte Nestler gerührt. „Ich freue mich sehr über das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird“.

Das bestehende Angebot sei gut und könne so bleiben. Zusätzlich habe sie einige Ideen wie etwa Telefonpatenschaften, Brieffreundschaften oder einen Nähtreff. Auch für externe Veranstaltungen wäre sie offen, bislang hätte dagegen einzig der Stiftungszweck gesprochen. „Ich glaube, dass wir, wenn wir das mit Ihnen machen, nicht mehr über Kosteneinsparungen nachdenken müssen, weil sie so viel Ideen haben, dass sie damit schon mehr Geld einnehmen“, zeigte sich Manfred Haucke (ÜWG) von Nestlers Vortrag begeistert. Auch Edeltraud Wende (CSU) sprach sich für die gemeindeeigene Trägerschaft aus: „Warum sollten wir das jetzt nicht versuchen in eigener Trägerschaft? Und wenn es nicht klappt, denke ich nicht, dass die Awo die Tür zu machen wird.“

Lediglich Grüne und SPD sahen die eigene Trägerschaft kritisch. Von Seiten der Senioren hätte es nie Klagen gegeben, meinte Martina Kreder-Strugalla (Grüne). Nur bei den Finanzen hätte es Probleme gegeben, doch wolle die Awo es nun deutlich günstiger anbieten. „Warum wollen wir von einer rundum-Betreuung durch die Awo weg? Ich sehe keine Zwangsläufigkeit, dass wir was Neues machen“, so die Grünen-Rätin.

Regina Wenzel (SPD) stimmte ein: „Mit der Awo haben wir die nächsten Jahre Planungssicherung und sie sind sehr gut vernetzt im Landkreis.“ Außerdem sei die Gemeinde nach dem Subsidiaritätsprinzip dazu verpflichtet, nicht in Eigenregie zu handeln, wenn es einen nicht-staatlichen Träger gebe, so Wenzel weiter. Auch ihre Parteikollegin Mechthild Heinmüller sah den Vorteil eines externen Trägers: „Ich frage mich, warum eine Gemeinde, die den Trägerhintergrund nicht hat, sich so etwas ans Bein binden will.“

Letztendlich war sich bei der Abstimmung die Mehrheit einig, dass die Gemeinde künftig selbst die Trägerschaft Kaiserstiftung übernimmt. Mit zwölf zu sieben Stimmen wurde dem entsprechenden Vorschlag der Verwaltung zugestimmt.

Iris Janda

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