Stefan Straßmair: „Politik ist: Menschen, die Zukunft gestalten“

In Hohenbrunn gibt es eine Stichwahl

Dr. Stefan Straßmair ist seit 2006 der amtierende Bürgermeister für Hohenbrunn. Seine Erfahrung soll ihm auch in der nächsten Amtsperiode behilflich sein.
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Dr. Stefan Straßmair ist seit 2006 der amtierende Bürgermeister für Hohenbrunn. Seine Erfahrung soll ihm auch in der nächsten Amtsperiode behilflich sein.

Das Wahlergebnis in Hohenbrunn hat ergeben, dass sich Pauline Miller und der amtierende Bürgermeister Dr. Stefan Straßmair eine Stichwahl liefern werden. Seit 14 Jahren ist Straßmair Hohenbrunns Bürgermeister. Seine langjährige Erfahrung will er für seine Heimatgemeinde auch in der kommenden Amtsperiode nutzen.

HALLO: Die Kommunalwahl am 15. März hat ergeben, dass Sie sich am 29. März eine Stichwahl mit Pauline Miller (BürgerForum und ÜWG-FW) liefern. Haben Sie mit diesem Ausgang gerechnet? 

Dr. Straßmair: Bei drei Bewerbern muss man immer mit einer Stichwahl rechnen. Die Freien Wähler sind bei uns momentan immerhin mit sechs Sitzen im Gemeinderat vertreten.

Wie haben Sie die Wahl bisher empfunden? 

Ich muss sagen, alle Bewerber haben einen fairen Wahlkampf geführt. Wir haben also eine gute Basis, um weiterhin gut zusammenzuarbeiten. Der Gemeinderat ist so vielfältig. Man wird sich weiterhin die Mehrheiten suchen müssen, das war in den letzten Jahren auch schon so. Und trotzdem haben wir in den vergangenen Jahren gut als Gemeinderäte zusammengearbeitet.

Was bedeutet Politik für Sie persönlich? 

Von Politik ist für mich die Rede, wenn Menschen zusammenkommen und gemeinsam Zukunft gestalten.

Seit 2006 sind sie nun schon im Amt des Bürgermeisters. Wodurch hat sich Ihr politisches Interesse damals entwickelt? 

Zunächst aus dem Elternhaus, meine Mutter war langjährige Gemeinderätin. Während meines Studiums und meiner Doktorarbeit habe ich mich dann mit politischen Themen wie der Gleichstellung von Menschen mit Behinderung befasst.

Und wie kam es zu Ihrer Kandidatur? 

Ein paar Jahre nach meinem Eintritt in die CSU kam es dazu, dass die Ortsvorsitzende mich gefragt hat, ob ich mir als gebürtiger Hohenbrunner nicht vorstellen könnte, als Bürgermeister zu kandidieren. Ich habe mir das gründlich überlegt und dann sehr gerne entschieden, in meiner Heimatgemeinde anzutreten. 

War Ihre Begeisterung auch schon in jungen Jahren ausgeprägt, oder kam das erst mit der Zeit? 

Bereits während meiner Ausbildung im gehobenen Verwaltungsdienst hat mich das Thema Verwaltung und Politik sehr interessiert. Auch während meines Jurastudiums war ich am Institut für Politik und öffentliches Recht der LMU München tätig. Dies war sicherlich die Grundlage für mein Interesse an der Kommunalpolitik. 

Wollten Sie je über die kommunale Politik hinaus? 

Ich wollte nie Politik auf Landes- oder Bundesebene machen.

Wieso nicht? 

Ich bin hier aufgewachsen und kenne die Menschen und die Gemeinde. Man kommt in der Kommunalpolitik in das direkte Gespräch und lernt die Anliegen vieler Menschen kennen. Auf der kommunalen Ebene kann ich alles von Angesicht zu Angesicht bereden. Auf Landes- oder Bundesebene ist das nicht möglich. Deshalb bin ich Kommunalpolitiker. Hier kennt man sich, hier spricht man noch miteinander, hier entscheidet man gemeinsam.

Was war es für ein Gefühl, als Sie 2006 zum Bürgermeister gewählt wurden? 

Es war ein großartiges Gefühl. Ich habe mich unglaublich gefreut, nach einem langen und anstrengenden Wahlkampf endlich Bürgermeister meiner Heimatgemeinde zu sein und meine Ideen hier verwirklichen zu können.

Wenn man das Rathaus kennt wie seine rechte Westentasche: Wird es nach so vielen Jahren nicht langweilig? 

Nein, es wird nie langweilig. Jeder Tag bringt neue Aufgaben. Jeder Tag bringt neue Herausforderungen. Für die Bewältigung kann ich auf meine Fachkompetenz und meine langjährige Erfahrung zurückgreifen.

Welchen Herausforderungen waren Sie in den letzten zwei Perioden ausgesetzt? 

Ich durfte mehrere Kindertagesstätten bauen, Schulen sanieren und neu bauen. Zahlreiche günstige Wohnungen wie im Dahliengarten konnten in dieser Zeit gebaut werden. Aber ich hatte auch viel Krisenmanagement zu betreiben. Erinnern wir uns an die Finanzkrise 2008 oder auch das Jahr 2015, als im Zuge der Flüchtlingskrise viele Menschen versorgt und integriert werden mussten. Und das ist uns in unserer Gemeinde gemeinsam hervorragend gelungen. Wir stehen heute in allen Bereichen hervorragend da.

Wodurch lernen Sie dazu? 

Durch meine Tätigkeit als Kreisrat – ich bin ja der einzige Kreisrat unserer Gemeinde. Da lernt man sehr, sehr viel aus der Region und kann sich vor allem auch auf Kreisebene für seine Heimatgemeinde einsetzen.

Wo sehen Sie derzeit Baustellen? 

Mit Baustellen meinen Sie sicherlich unsere Bauprojekte wie zum Beispiel unseren neuen Sportcampus oder das Wohnbrauprojekt am Hölzl mit integrierter Kinderbetreuung. Hier meinen Sie sicherlich echte Problemfelder. Die sicherlich größte Herausforderung ist derzeit das Thema Corona und seine Folgen für die Menschen. Ich bin besorgt um das Wohlergehen unserer Bürger, vor allem auch um unsere älteren Bürger.

Was wird diesbezüglich für die Bürger Hohenbrunns getan? 

Wir sind bereits seit einiger Zeit als Kommune im Krisenmanagement, anfangs noch unbemerkt für die Bürger. Unter meiner Leitung wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die alle Fachbereiche unserer Verwaltung abdeckt und im engen Kontakt mit Feuerwehr, örtlichen Ärzten, dem Gesundheitsamt und dem Landratsamt steht. Jetzt sind Entscheidungen und ein entschlossenes Handeln gefragt. Hohenbrunn errichtete innerhalb kürzester Zeit eine Teststation in einem Zelt, um die Menschen auf das Virus zu testen. Hierdurch können Bürger bei einem begründeten Verdacht kurzfristig getestet werden. Maßnahmen für die Funktionsfähigkeit wie dem Wasserwerk, Bauhof oder Rathaus wurden in Hohenbrunn bereits früh getroffen.

Wie geht es weiter für die Gemeinde? 

Und was ist mit dem wirtschaftlichen Faktor? Wir wissen alle nicht, was auf uns zukommt. Die Corona-Krise und ihre Folgen werden sicherlich zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Wirtschaftlich ist Hohenbrunn aber mittlerweile gut aufgestellt, da hat sich meine solide Finanzpolitik der letzten Jahre ausgezahlt. Trotzdem werden wir alle die Folgen sicherlich spüren.

Wie wollen Sie diese „Folgen“ ausbügeln? 

2006 stand unsere Kommune finanziell gar nicht gut da. Während meiner Amtszeit ist es mir gelungen, die Schulden deutlich zu reduzieren und die Rücklagen für Investitionen und eben auch schwierigere Zeiten gut zu füllen.

Unabhängig des Wahlausgangs: Welche Themen sind für Hohenbrunn wichtig ? 

Hohenbrunn ist bereits in vielen Bereichen sehr gut aufgestellt, von der Kinderbetreuung bis zur Seniorenpolitik. Für die Zukunft wird uns sicherlich das Thema Wohnen, Verkehr und Umwelt weiterhin begleiten. Mit einer möglichen Entwicklung in Hohenbrunn West ergeben sich vor allem für diese Themen zahlreiche Chancen und Möglichkeiten für den Ort. Mir ist wichtig, dass alle Menschen in Hohenbrunn gerne leben, und zwar so wie es Ihnen gefällt.

Warum sollten die Bürger Sie zum Bürgermeister wählen? 

Ich habe in den vergangenen Jahren gezeigt, dass ich unsere Kommune solide und gut aufstellen kann. Wie man in der jetzigen Corona-Krise erkennen kann, ist es gerade in unsicheren Zeiten wichtig, Stabilität, Sicherheit und Erfahrung zu haben. Die Menschen, die mich kennen wissen, dass mein Herz für diese Kommune schlägt. Die Menschen in dieser Gemeinde sind mir sehr wichtig.

Haben Sie einen Plan B, falls die Wahl nicht zu Ihren Gunsten ausfällt? 

Ich habe keinen Plan B. Ich werde immer meiner Heimatgemeinde verbunden bleiben. Wenn es hier eine andere Konstellation gibt, werde ich überlegen, wie ich mich noch einbringen kann. Ich bin ein unverwüstlicher Demokrat und respektiere das Votum der Bürger. Ich hoffe, dass mir die Menschen unserer Gemeinde weiterhin ihr Vertrauen schenken. Auch in der Zukunft. Deshalb gehe ich davon aus, dass ich Bürgermeister bleiben darf.

Interview: Melanie Schröpfer

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