Nachhaltiger Aktionismus, der Schule macht

Der AK Umwelt am Gymnasium Höhenkirchen-Siegertsbrunn zeigt innovative Ansätze auf

Der AK Umwelt macht mit der Müllskulptur auf die Umweltverschmutzung aufmerksam.
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Der AK Umwelt macht mit der Müllskulptur auf die Umweltverschmutzung aufmerksam.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Donnerstag, 13.15 Uhr: Kinder eilen quer durch die Aula Richtung Ausgang, nur den Heimweg oder die langersehnte Mittagspause vor Augen. Doch etwas stört in der gewohnten Umgebung, etwas zieht ihre Aufmerksamkeit auf sich. Ein quadratisches Holzkonstrukt unterbricht den sehnlichen Blick durch den weitläufigen Raum. In dem Gerüst liegen blaue und weiß Müllbeutel, ein kaputter Stuhl. Wer den Bau genauer inspiziert, entdeckt sogar ein Pissoir. Über all diesen „Schätzen“ in der Mitte des Müllbergs thront der „Millionär“. 

Ausgedacht hat sich diese ungewöhnliche Aktion der AK Umwelt. Die Schüler haben sich 2017 zusammengeschlossen, mittlerweile engagieren sich um die 20 Jugendliche für die Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit an der Schule – und das größtenteils in ihrer Freizeit. Mit der Müllskulptur wollen sie der Schulgemeinschaft die Menge des anfallenden Mülls aufzeigen. Dazu haben die Schüler den Müll in der Schule für eine Woche gesammelt und in dem Gerüst gelagert. So wollen die Jugendlichen wochenweise sammeln. Sie hoffen, dass die Anzahl der Mülltüten deutlich abnimmt. 

Außerdem sollen ihre Mitschüler durch die transparenten Müllbeutel erkennen, dass es noch Verbesserungsbedarf bei der Mülltrennung gibt. „Wir hoffen, dass die Aktion einen dauerhaften Effekt hat und dadurch unterbewusst Entscheidungen zur Müllvermeidung getroffen werden“, meint die Schülerin Magdalena Pitz. Das Feedback von Schülerseite auf die Skulptur sei gut. Angekündigt wurde die Aktion unter anderem über eine Lautsprecherdurchsage. AK-Lehrerpate Leo Kafke berichtet von den positiven Reaktionen: „In den Unterstufen hat man gemerkt, dass es die Schüler interessiert. Und im Kollegium habe ich gehört, dass gerade auch im Ethikunterricht die Aktion besprochen wurde.“ 

Schulleiterin Claudia Gantke ist der AK ein großes Anliegen: „Der AK Umwelt sensibilisiert mit seinen konkreten, auf das schulische Umfeld bezogenen Aktionen die Mitschüler für ein nachhaltiges Handeln im Alltag in vielfältiger Hinsicht. Das ist für mich gelebtes Umweltbewusstsein unter Schülerinnen und Schülern!“ Auch im letzten Jahr hat die Gruppe mit einer Aktion dazu beigetragen, den Müll an dem Gymnasium zu reduzieren: Mit selbst entworfenen Coffee-To-Go Mehrwegbecher aus Baumharz. In das Projekt haben die Schüler sehr viel Zeit und Herzblut gesteckt – und das hat sich gelohnt. 

Nur noch einer der 200 produzierten Becher ist übrig und steht im Zimmer der Schüler-Mit-Verantwortung (SMV), alle anderen wurden an Schüler und Eltern verkauft. Trotz des Erfolgs, vorerst ist kein neuer To-Go-Becher geplant, erzählt Magdalena: „Wir wollen uns erstmal auf neue Projekte konzentrieren.“ Das habe neben dem Aufwand einen weiteren, wichtigen Grund, ergänzt Niklas Gierling, einer von zwei Jungs im Team: „Man muss auch auf die Nachfrage schauen. Nicht, dass wir dann wieder 200 Becher neu produzieren und es bleibt die Hälfte stehen. Das ist dann auch nicht wirklich Nachhaltigkeit.“ 

Wenn die Schüler von ihrer Arbeit erzählen, ist spürbar, wie sehr ihnen das Thema Umweltschutz am Herzen liegt. Das ist kein Aufspringen auf den allgemeinen Trend rund um „Fridays for Future“. Die Jugendlichen sind gut informiert und in der Materie eingearbeitet. Dazu besuchen sie auch regelmäßig Vorlesungen bei der geografischen Gesellschaft in München. „Wenn man sieht, dass die eigenen Aktionen Früchte tragen, motiviert das sehr“, erklärt Magdalena Anderlik ihr Engagement im AK. 

„Es passiert zwar nur etwas im Kleinen, aber das bestärkt einen trotzdem.“ Pädagoge Kafke ist begeistert: „Ich freue mich als Sozialkundelehrer sehr, dass sich die junge Generation so für Umweltthemen interessiert.“ Und Umweltschutz hört für die Oberstufler auch nicht mit dem Schulgong auf. „Ich esse seit einem halben Jahr kein Fleisch mehr. Natürlich versuche ich Plastikmüll zu reduzieren, zum Beispiel keine Einweg- sondern Mehrweg- oder Glasflaschen“, erzählt Magdalena Pitz. Doch wie hält es die Jugend mit dem Fliegen? Schließlich gibt es gerade in jungen Jahren noch viel von der Welt zu entdecken: „Das stimmt, nie wieder fliegen wäre schade, weil Reisen etwas Schönes ist. Aber ich verzichte auf Inlandsflüge oder kurze Strecken in Europa und nehme lieber den Zug“, meint Magdalena. 

Dass das Ticket für den Zug oft teurer als fürs Fliegen ist, sei ein großes Problem. Die Schüler sehen bei der Politik an vielen anderen Stellen noch Handlungsbedarf: „Die CO2-Steuer müsste viel höher angesetzt und der ÖPNV besser ausgebaut werden“, erklärt AK-Leiterin Martha Weil. „Und die Subventionen sollten umverteilt werden, weniger Investitionen in veraltete Techniken“, meint Niklas. Während die Politik erst langsam beim Thema Umweltschutz auftaut, gehen den Jugendlichen des AK Umwelt die Ideen nicht aus. 

„Wir schauen, welche Probleme es gibt und wie wir an der Schule darauf aufmerksam machen können“, erklärt Niklas. Aber auch andere Schulen bieten Inspiration. So stehen sie im Austausch mit Gruppen an Nachbarschulen wie den Gymnasien in Ottobrunn und Neubiberg. Gemeinsam haben sie kürzlich einen Kleiderkreisel organisiert. Außerdem sollen die Projekttage an der Schule in diesem Jahr unter dem Motto Plastikfasten stehen. Und es wird ein Vokabelprojekt geben. Es gibt einen zentralen Vokabeltest und die Eltern der Schüler bezahlen für jede richtige Vokabel. 

Der Erlös wird an eine gemeinnütziges Projekt zur Wiederaufforstung gespendet. Spätestens wenn dann der Wettkampf-Charakter ins Spiel kommt (wer sammelt mit seinem Vokabelwissen das meiste Geld) kann sich der AK – und das Thema Umweltschutz – wieder der Aufmerksamkeit der Schüler sicher sein. 

Iris Janda

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