Schranke soll Campus nicht im Weg stehen

Landrat Göbel stellt sich Fragen des Höhenkirchner Gemeinderat

Das Gymnasium in Höhenkirchen-Siegertsbrunn muss dringend erweitert werden. Ob dort ein Campus mit einer Realschule entsteht, steht derzeit erneut zur Debatte.
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Das Gymnasium in Höhenkirchen-Siegertsbrunn muss dringend erweitert werden. Ob dort ein Campus mit einer Realschule entsteht, steht derzeit erneut zur Debatte.

Neubibergs Realschule „platzt aus allen Nähten“ – das erklärte Landrat Christoph Göbel jüngst dem Höhenkirchner Gemeinderat. Er bat die Entscheidung für die Brunnthaler Straße erneut zu überdenken und erklärte, warum die Bahnschranke für das Projekt kein Hindernis darstellen sollte.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – „Wir brauchen eine Realschule, und wir brauchen sie so schnell wie möglich“, diesen Appell richtete Landrat Christoph Göbel jüngst an den Gemeinderat in Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Grund ist die Mai-Sitzung des Zweckverbandes für weiterführende Schulen, die für gewaltiges Rumoren im südöstliches Landkreis gesorgt hat. Hohenbrunn und Brunnthal bringen sich selbst als Kandidaten für die neue Realschule in Position, in Höhenkirchen steht der eigentlich längst beschlossene Standort an der Brunnthaler Straße wieder zur Debatte (HALLO berichtete). 

Vor allem eine Aussage des Zweckverbandsvorsitzenden Göbel zur Verkehrsproblematik in der Bahnhofstraße ließ die Höhenkirchner aufhorchen. Deshalb stand der Landrat in einer außerplanmäßigen Gemeinderatssitzung dem Gremium jetzt für Fragen zur Verfügung. Göbels Aussage, lieber die 20-Millionen-Euro Mehrkosten in bessere Infrastruktur als in eine Zwei-Standort-Lösung zu stecken, habe er nicht zufällig getroffen, „aber auch nicht, um Sie zu verführen“. Die Diskussion um einen höhenfreien Ausbau der Kreisstraße an der Kreuzung mit der Bahn müsse völlig unabhängig von Gymnasiumserweiterung und Realschule im Kreistag geführt werden. 

Seit Jahren werde vehement für eine Taktverdichtung und den zweigleisigen Ausbau der S7 gekämpft. Außerdem soll in Zukunft die Linie als Verlängerung der Mangfalltalbahn nach München genutzt werden. Wer sich nicht mit dem Schrankenproblem in Höhenkirchen beschäftige, könne sich nicht ernsthaft mit diesen Themen auseinander setzen. 

In der Vergangenheit sei der Zeitpunkt verpasst worden, die Kreuzungssituation anders zu lösen und durch den Bahnhofumbau seien erhebliche Fakten geschaffen worden. Daher wisse Göbel, dass sehr viel Geld in die Hand genommen werden muss. Dennoch handele es sich um eine Pflichtaufgabe des Landkreises, daher weiß der Landrat: „Wir müssen uns dieser Diskussion stellen.“ Als Hauptargument gegen eine Campuslösung sei vom Höhenkirchner Gremium immer wieder das befürchtete höhere Verkehrsaufkommen auf der Bahnhofstraße genannt worden. 

Weil er wisse, dass das Problem unabhängig vom Schulbau angegangen werde, wollte er lediglich sagen: „Bitteschön, daran soll es nicht scheitern.“ Dass es aber durchaus noch andere Bedenken bei einer Campuslösung gibt, zeigte die anschließende Diskussion. Nach den bisherigen Planungsvarianten sei zwar die Lösung mit dem Realschulstandort an der Brunnthaler Straße deutlich teurer, allerdings wäre die Bauweise bei zwei Standorten auch architektonisch eine komplett andere. Zu diesem Ergebnis kam Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) nach einem Gespräch mit dem Büro Lamprecht, das die Machbarkeitsstudie durchgeführt hat. 

Der Hauptgrund für die geringeren Kosten sei die kompaktere Bauweise bei der Campuslösung. „Man könnte sagen, man vergleicht Äpfel mit Birnen“, meinte die Rathauschefin. Durch zwei Standorte und eine großzügigere Bauweise könne man sich dafür „Optionen für die Zukunft schaffen.“ Göbel stimmte zu, dass eine kompaktere Bauweise an der Brunn- thaler Straße die Kostendifferenz verringern würde. Allerdings stellte er klar: „Eine Campuslösung ist sicher immer günstiger.“

Kompaktes Bauen spart Kosten 

Die Synergieeffekte bei Sportflächen, Mensa, Veranstaltungsbereich und Pausenhof würden erheblich Kosten sparen. Dennoch stimmte er Konwitschny zu, dass bei einer Campuslösung eine Erweiterung nur noch südlich des Kirchenweges oder durch Aufstockung möglich sei. „Das gehört zu ehrlicher Debatte über den Standort dazu“, so der Landrat. SPDlerin Julia Leidl war wichtig, dass auf die Interessen der Schüler geschaut werde. 

Göbel stellt klar, dass es dafür im Detail noch zu früh sei. Jedoch sei er sich sicher, dass die Lösung mit Sportflächen an der Brunn- thaler Straße, die auch die Gymnasiasten nutzen können, von Schülerseite auf wenig Gegenliebe stoßen würde. Er halte es für unrealistisch, dass Schüler rund einen Kilometer zu den Sportplätzen laufen wollen. 

„Da haben ich nach zwei Jahren hunderte Unterschriften von Eltern bei mir“, erklärte Göbel. Die Schulleiterin des Gymnasiums, Claudia Gantke, hätte sich in der Zweckverbandssitzung für eine Campuslösung ausgesprochen. Laut Bürgermeisterin Konwitschny sei das Hauptanliegen der Schulleiterin, die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren. Dies habe sich in einem gemeinsamen Gespräch herauskristallisiert. Neben dem Wunsch nach Mensa, Aula und Veranstaltungsräumen seien dies vor allem die Sportplätze.

Kurzfristige Lösung für Sportplätze 

Was dieses Problem betrifft, könne es sogar eine kurzfristige Lösung geben. Denn was auf dem Grundstück östlich der Ahornstraße passiere, das Roland Spingler (CSU) in die Diskussion einbrachte, sei noch völlig offen. Lange Zeit galt es als tabu, nun müsse der Gemeinderat in einer der nächsten Sitzungen darüber beraten, ob dort eine Rasenfläche – wenn auch nur vorübergehend – für das Gymnasium entstehen soll. 

An welchem Standort die Höhenkirchner die Realschule wollen, ist und bleibt die Entscheidung des Gemeinderates. Dass sie dort auch gebaut wird, allerdings nicht. „Die Schule wird in der Trägerschaft nur so gebaut, wie es Verband demokratisch beschließt“, verdeutlichte Göbel. Es sei ihm nie darum gegangen, die demokratische Entscheidung des Gemeinderates anzuzweifeln, erklärte er auf den Vorwurf von Katharina Prorok (CSU) hin. Er habe mit Blick auf die Sachlage nur darum bitten wollen, den Beschluss zu überdenken. Sollte das Gremium mehrheitlich bei zwei Standorten bleiben, könne es allerdings passieren, dass der Zweckverband dies ablehne. 

Dann werden andere Orte in Betracht gezogen. Ein Bau in Hohenbrunn sei damals wie heute genehmigungsfähig, Brunnthal dagegen nicht. Dass es bei einem Bau in Hohenbrunn auch keinen Synergienutzen gebe und damit für den Zweckverband einen ähnlich hohen finanziellen Aufwand wie der Bau an der Brunnthaler Straße, merke Prorok kritisch an. Für die Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn würde dagegen wohl der Realschulbau in der Nachbargemeinde am günstigsten kommen. 

Ob das auch die beste Lösung für die Gemeinde ist, gab Roland Spingler zu bedenken, denn „wir müssen uns auch überlegen, was für unsere Bürger am besten ist“. Eine Woche nach dem Besuch des Landrats informierte Mindy Konwitschny den Gemeinderat über das weitere Vorgehen. Dabei wurden alle Szenarien – sprich beide Standortmöglichkeiten, nochmal durchgespielt. Denn die Thematik weist eine hohe Komplexität auf. Besprochen wurde auch, was passieren soll, wenn keine Realschule in Höhenkirchen-Siegertsbrunn gebaut wird. „Je nachdem wie die Entscheidung letztlich fällt, müssen wir einen Grunderwerb tätigen und neu in Verhandlung treten“, berichtet Mindy Kontwitschny.

Denn es müsse sichergestellt werden, dass das Gymnasium einen Sportplatz beziehungsweise einen Rasen bekommt. Auch müsse bei der Erich-Kästner-Grund- und Mittelschule zugesehen werden, dass die Synergieeffekte genutzt werden würden, da die Schule momentan die Mehrzweckhalle für den Sportunterricht mitbenutze. Alle Möglichkeiten sollen bis September zusammengetragen werden, um letztlich eine Entscheidung zu treffen. Denn dass Hohenbrunn sich für den Realschulbau beworben hatte, werfe ebenfalls ein neues Licht auf die Thematik.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn war nämlich bis vor Kurzem noch der einzige mögliche Standort für die Realschule. Hätte die Gemeinde sich damals nicht bereiterklärt, den Realschulbau in ihrem Ort durchzuführen, hätte dies zur Folge gehabt, dass gar keine neue Realschule seinen Platz im südöstlichen Landkreisgebiet findet. Im September soll nun im Bauausschuss darüber beraten werden, welche Entscheidung für die Gemeinde getroffen werden soll. 

Wird der bisherige Beschluss aufgehoben und neu beschlossen, wird darüber beraten, für welchen Weg sich die Gemeinde entscheidet. „Sollte das Gremium dafür stimmen, die Entscheidung neu aufzumachen, gibt es mehrere Varianten“, erklärte die Bürgermeisterin. Zum einen gebe es die Möglichkeit, dass der Gemeinderat den Standort selbst festlegt, doch könne es passieren, dass dann Gegenwind aus der Bürgerschaft käme, die mit einer Unterschriftenliste die Entscheidung außer Kraft setzen könnten. Dann würde sich das Verfahren bis ins Frühjahr nächsten Jahres ziehen. Legt der Gemeinderat den Standort nicht fest, könnte ein Ratsbegehren durchgeführt werden. Die Bürger würden also selbst die Entscheidung treffen, ob die Realschule kommen soll und an welchen Standort. Zuletzt muss aber der Zweckverband für weiterführende Schulen darüber abstimmen, ob die von Höhenkirchen gewählte Variante letztlich abgenickt und der Realschulbau in die Tat umgesetzt wird. 

Iris Janda

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