Leichtes Aufatmen bei Betreuungsmangel

Höhenkirchen-Siegertsbrunn: Neue Großtagespflege könnte Platz für 16 Kinder bieten

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Eine Großtagespflege möchte in Höhenkirchen-Siegertsbrunn in zwei Gemeinderäume ziehen.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Die Lage bei der Kinderbetreuung in Höhenkirchen-Siegertsbrunn ist prekär. 90 Kinder befinden sich derzeit auf der Warteliste, 47 für Kindergartenplätze, 43 im Krippenbereich. Ab März kann es nun voraussichtlich ein leichtes Aufatmen geben. Wie der Gemeinderat in seiner Weihnachtssitzung beschlossen hat, soll in das Obergeschoss des gemeindeeigenen Gebäudes Am Hart 6 eine Großtagespflege einziehen.

„Wir müssen über jedes zusätzliches Pflegepersonal bei der Kinderbetreuung dankbar sein“, zeigte sich Peter Guggenberger (CSU) über die Anfrage des Vereins „Kindertraum“ erfreut. Zur Sitzung waren Günther Bauer und Bernadette Büttner, zukünftige Leiterin der Großtagespflege, gekommen, um ihr Konzept vorzustellen.

Der Verein möchte in den Wohnungen Am Hart 6 zwei Großtagespflegen mit je zwei Tagesmüttern gründen, die jeweils acht Kinder betreuen dürfen. Die Betreuungszeiten wären von Montag bis Donnerstag 7.30 bis 16 Uhr, freitags bis 14 Uhr.

Die Einrichtung finanziert sich durch Elternbeiträge und Fördermittel des Landratsamts München und unterliegt strengen Auflagen des Jugendamts. Der Verein verfügt über eigenes Personal. Die Gemeinde müsste lediglich die Betriebskosten, den Unterhalt des Gebäudes und den Sachaufwand in Höhe von 16.000 Euro zahlen.

Büttner arbeitet bereits seit 20 Jahren als Großtagesmutter, wie sie dem Gremium erklärte. „Wir haben in Brunnthal erfolgreich vier Großtagespflegen aufgebaut“, so Büttner. Es werde von den Eltern sehr gut angenommen und sei die kostengünstigste Betreuungsvariante für die Gemeinde.

Das Konzept wurde im Gemeinderat grundlegend positiv aufgenommen. Lediglich Priska Weber (SPD) kritisierte, dass die Gemeinde nicht zuerst auf ortsansässige Vereine zugegangen sei und diesen die Wohnungen angeboten habe. „Von der Gemeinde ist keine Initiative ausgegangen, der Verein ist aktiv auf uns zugekommen“, betonte Parteikollegin Mindy Konwitschny, die als Zweite Bürgermeisterin die Sitzung leitete.

Geklärt wurde außerdem, dass der Verein vorerst für zwei Jahre einen Mietvertrag bekomme, weil das in Gebäude einem schlechten Zustand sei und dann wieder geprüft werden müsse. Über die spätere Unterbringung der Großtagespflege mache sich die Gemeinde aber keine großen Sorgen. 

Eine Option, das Ruf-Gebäude, sei voraussichtlich in zwei Jahren noch nicht umgestaltet, aber der „Vorteil einer Großtagespflege ist, dass sie in ganz normalen Wohnungen unterkommen kann“, meinte Konwitschny.

Otto Bußjäger (UB) zeigte sich von dem Konzept begeistert: „Alles, was man aus Brunnthal hört, ist positiv.“ Doch die allgemeine Freude erhielt einen Dämpfer, als die Sprache auf die Zwergerlstube kam, die erst vor wenigen Wochen im Erdgeschoss des Gebäudes eingezogen ist. Schließlich müsse die Nutzung des Gartens durch beide Einrichtungen abgeklärt werden. 

Britta Werhahn von der Zwergerlstube war bei der Sitzung anwesend und wurde gebeten, über den bisherigen Kontakt zum Verein zu berichten. „Mit uns ist überhaupt nicht darüber gesprochen worden“, zeigte sich diese merkbar wütend. Die Zwergerl selbst hätten immer wieder betont, sie würden gerne eine Großtagespflege einrichten. Besonders die Stellplatzsituation beim Bring- und Abholverkehr sehe sie problematisch. Diese sei bereits ohne eine zusätzliche Betreuungseinrichtung schwierig.

Auch von der Gartenmitbenutzung hätten sie nichts gewusst. Derzeit sei der Garten ohnehin nicht nutzbar und müsste erst hergerichtet werden. Wie Büttner noch einwarf, dürften sich die Kinder ihrer eigenen beiden Großtagespflege laut Vorschriften des Jugendamts nicht gleichzeitig im Garten aufhalten, auch der Bereich zu den Zwergerl-Kindern müsste klar abgegrenzt sein. „Wir müssen prüfen, ob der Garten so getrennt und zugänglich gemacht werden kann“, meinte die Zweite Bürgermeisterin.

„Egal welche Einrichtung dort einzieht, die Räume müssen hergerichtet werden und die Stellplatzprobleme wird es so oder so geben“, brachte es Guggenberger auf den Punkt. CSU-Bürgermeisterkandidat Roland Spingler appellierte: „Wir haben hier schon so oft über den Mangel an Pflegekräften diskutiert. Wir sollten die Möglichkeit nicht aufs Spiel setzen.“ 

Bußjäger sah trotz Werhahns Schilderungen das Konzept in einem guten Licht: „Die fehlende Kommunikation vorab trübt zwar die Freude ein. Aber die Gespräche kann man noch nachholen.“

Dem schloss sich das Gremium an und gab dem Verein ein positives Zeichen kurz vor Jahresende mit. Es beschloss einstimmig, dass die Gemeinde einen Kooperationsvertrag mit dem Verein Kindertraum in Abstimmung mit den Zwergerln fassen soll. Dieser wird dem Gremium dann in der Januar-Sitzung vorgelegt.

Iris Janda

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