Beharrlichkeit, die sich am Ende auszahlt

Höhenkirchen-Siegertsbrunn: Millionen-Zuschuss für Mehrzweckhallen-Sanierung

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Die Blaskapelle Höhenkirchen-Siegertsbrunn spielt regelmäßig in der Mehrzweckhalle. Sie haben den Ausbau gefordert.

Nun also doch: Höhenkirchen-Siegertsbrunn bekommt eine Million Euro für die Teilsanierung der Mehrzweckhalle. Auch für einen möglichen Anbau könnte es in Zukunft einen Fördertopf geben.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Wer mit seinen Kindern durch die Süßigkeitenabteilung im Supermarkt geht, weiß: Konsequent bleiben ist oft gar nicht so leicht. Und auch als Erwachsener ist es oft schwer, süßen Verlockungen zu widerstehen. Der Gemeinderat in Höhenkirchen-Siegertsbrunn ließ sich im Oktober von einer verlockenden Million Euro nicht hinreißen. Und wurde dafür jetzt belohnt.

„Unsere Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt“, resümierte Mindy Konwitschny (SPD) in der jüngsten Gemeinderatssitzung die neuesten Entwicklungen beim Thema Mehrzweckhallen-Sanierung. Beschlossen wurde nun einstimmig eine Sanierung der notwendigen Bauteile in Höhe von 2,45 Millionen Euro. Mit den eine Million Fördermitteln aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ entstehen der Gemeinde dadurch Kosten in Höhe von zirka 1,5 Millionen Euro.

Dass die Kommune überhaupt Geld aus dem Fördertopf bekommt, hatten Gemeinderat und Verwaltung nach der Oktobersitzung bereits abgeschrieben. Zur Erinnerung: Nach Beschluss des Gemeinderats im August 2018 bewarb sich Höhenkirchen-Siegertsbrunn im Dezember vergangenen Jahres um das Förderprogramm, damit eine Erweiterung der Mehrzweckhalle mit barrierefreiem Anbau finanziert werden kann. Die Kostenschätzung dafür belief sich auf 3 Millionen Euro.Nach positivem Bescheid der Bundesstelle wurde die Verwaltung im Juli zu einem Koordinierungsgespräch nach Bonn eingeladen.

Bei der Gemeinderatssitzung im Oktober kam dann der Schock: Die Sanierung und Erweiterung der Halle im Rahmen des Förderprogramms würde voraussichtlich rund 7 Millionen Euro kosten. Denn in Bonn hatte sich herausgestellt, dass es bei dem Programm hauptsächlich um eine energetische Sanierung nach den strengen Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) geht. In einem fest vorgeschriebenen Sanierungskonzept gibt das Programm über zehn Jahre genau vor, wann welche Bauteile zu sanieren sind.

Angesichts dieser Kostenentwicklung entbrannte eine rege Diskussion unter den Gemeinderäten. Vor allem die Unabhängigen Bürger (UB) wollten die Million für die Gemeinde sichern. „Eine Million Euro verstreichen zu lassen ist falsch“, erklärte Otto Bußjäger. Über zehn Jahre gestreckt könnte eine Finanzierung der Kosten funktionieren. Er befürchtete, dass sich die Blaskapelle an der Nase herumgeführt fühlen könnte, wenn nun doch nicht erweitert werde.

Konwitschny äußerte große Bedenken bezüglich des Förderprogramms: „Die Frage ist, was lösen die Fördermittel aus, um an sie zu kommen?“ Sie schlug vor, die Verwaltung solle prüfen, welche Fördermöglichkeiten es gibt, wenn sie selbst ohne vorgegebenes Konzept die Halle sanieren und erweitern.

Peter Guggenberger (CSU) gab zu Bedenken, dass der Gemeinde auch noch andere Großbauprojekte wie die Gymnasiumserweiterung in den kommenden Jahren bevorstehen. Die Kosten über zehn Jahre gestreckt könnten dann mit diesen Projekt zusammenfallen.

Die strengen Vorgaben durch das Förderprogramm stellten für das Gremium das größte Problem dar. „Dieses Konzept möchte ich der Gemeinde nicht auferlegen“, betonte die Rathauschefin. „Wir lassen uns hier in ein schlechtes Förderprogramm mit einem engen Korsett reinquetschen“, befand auch SPDler Thomas Kaiser.

Er sprach sich dafür aus, auf diesen Fördertopf zu verzichten und die Sanierung erst dann anzugehen, wenn ein optimales Förderprogramm gefunden sei. Die UB-Fraktion ließ sich davon überzeugen, dass das Konzept in dieser Form die Gemeinde überfordere. Daher stimmte das Gremium am Ende einer langen Diskussion einstimmig dafür, den Antrag zurückzuziehen und eine Sanierung mit anderen Fördermitteln zu prüfen.

Das wurde getan. Und nun kam plötzlich die Wende: „In Berlin war man erschrocken über unsere Absage“, erklärte Bürgermeisterin Mayer in der jüngsten Sitzung. Über Diskussionen und Abstimmungen sei die Gemeinde mit der Förderstelle des Bundes nun zu einem Kompromiss gekommen. Auch für eine Teilsanierung, die rund 2,45 Millionen Euro kosten soll, wird es – entgegen der Aussage im Koordinierungsgespräch – eine Million Euro Förderung geben. Allerdings ist ein geplanter Anbau nicht Teil des Antrags.

Gleichzeitig hat sich die Verwaltung, wie vom Gemeinderat beauftragt, nach weiteren Fördermitteln umgesehen. Die Regierung von Oberbayern plant ein Förderprogramm, das Neubauten mit Hauptaugenmerk auf Integration bezuschusst. Über neue Informationen dazu wird die Verwaltung den Rat auf dem Laufenden halten.

Über diese positive Entwicklung zeigten sich alle Fraktionen erfreut. Kaiser sprach ein deutliches Lob an die Verwaltung aus, die innerhalb eines Monats das Sanierungskonzept ausgearbeitet hatte. Konwitschny lobte neben der Verwaltung auch die Arbeit des Gemeinderats: „Jetzt sind wir da, wo wir am Anfang hin wollten. Wenn wir das jedes Mal so schaffen würden, wäre das super.“

Iris Janda

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