Doch keine Realschule in Höhenkirchen?

Hohe Mehrkosten für getrennte Schul-Standorte stellen Bauvorhaben infrage

Ob das Gymnasium Höhenkirchen-Siegertsbrunn nun doch mit der neuen Realschule einen Schulcampus bilden wird, ist noch unklar.
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Ob das Gymnasium Höhenkirchen-Siegertsbrunn nun doch mit der neuen Realschule einen Schulcampus bilden wird, ist noch unklar.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – In der Zweckverbandssitzung vom 25. Mai stellte ein Planungsbüro fünf Varianten vor, wie der Neubau der Realschule und die Erweiterung des Gymnasiums in Höhenkirchen-Siegertsbrunn realisiert werden können. Die von der Gemeinde favorisierte und teuerste Version mit zwei getrennten Standorten würde demnach zwischen 20 und 25 Millionen Euro mehr kosten als die günstigste Variante mit einem gemeinsamen Schulcampus am Bahnhof. 

Die Kosten liegen dann bei etwa 125,7 Millionen Euro. Die getrennten Standorte sind wesentlich teurer, weil Synergiemöglichkeiten bei Sportstätten und Mensa zwischen Realschule und Gymnasium nicht genutzt werden. Bei einer weiteren Variante würden die Schüler des Gymnasiums die neuen Sportstätten an der Brunnthaler Straße mit nutzen können. „Diese Dimensionen waren uns vorher nicht bekannt“, erklärte Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) im Hauptausschuss vergangenen Mittwoch. 

Eigentlich wollte der Zweckverband bei der Standortfrage dem Willen der Gemeinde folgen. Allerdings kannten die Verbandsmitglieder da die Zahlen noch nicht. Auch Landrat und Zweckverbandsvorsitzender Christoph Göbel (CSU) zeigte sich davon überrascht, dass die Kosten bei einer Standorttrennung so viel höher sind. Loderer hielt in der Ausschusssitzung nicht hinterm Berg, dass er die Höhenkirchner Gemeinderatsentscheidung für eine Trennung der Standorte für grundlegend falsch halte. Die Lage an der Brunnthaler Straße rund einen Kilometer vom Bahnhof entfernt sei gänzlich ungünstig. 

„Es ist sehr bedauerlich, dass der Schulbedarfsplan nicht von allen gelesen wurde“, bemerkte er spitz. Dieser ergebe, dass fast alle Schüler aus S-Bahn-Gemeinden oder östlich der S-Bahn kommen würden. Die Brunn­thaler wählen dagegen eher andere Optionen wie beispielsweise Oberhaching, wo ein Schulcampus mit Realschule und FOS entsteht. Als große Verlierer der derzeit angedachten Bebauung sieht der Ottobrunner Rathauschef die Schüler: „Ich muss bedauernd feststellen, dass an alles mögliche, aber nicht an die Interessen der Schüler gedacht wird.“ Ein Hauptargument gegen den Bau eines Schulcampus am Bahnhof ist für den Höhenkirchner Gemeinderat das befürchtete erhöhte Verkehrsaufkommen auf der ohnehin schon überlasteten Bahnhofstraße. 

Das sei für Loderer kein triftiger Grund. Einerseits sei das höhere Aufkommen nicht bewiesen, andererseits „wird es ohnehin zum Verkehrskollaps an der Bahnhofstraße kommen.“ Was die Gemeinde an Synergieeffekten durch das Ablehnen eines Schulcampus am Bahnhof verhindere, wolle sie dafür für ihre eigene Grund- und Mittelschule an der Brunnthaler Straße nutzen, sollte daneben die Realschule entstehen. „Wir gönnen jeder Gemeinde Vorteile durch Zweckverbandsbauten, aber wir müssen in erster Linie auf unsere eigenen Schulen schauen“, machte der Ottobrunner Bürgermeister deutlich. 

Loderer stellte sogar Höhenkirchen-Siegertsbrunn als Standort für eine neue Realschule gänzlich infrage. Sollte im Höhenkirchner Gremium keine Vernunft Einzug halten, müsse die Verteilung der Realschulen im Südosten noch einmal insgesamt neu gedacht werden. Er appellierte an die Ausschussmitglieder, dem Streit nicht aus dem Weg zu gehen: „Wir müssen dann auch den Mut haben, das Thema Realschule in Höhenkirchen abzubrechen.“ Als Alternative brachte sich bereits Hohenbrunn ins Spiel. Auf eine Anfrage der ÜWG-Freie Wähler/Bürgerforum wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung über die Verfügbarkeit eines Grundstücks für den Neubau einer Realschule diskutiert. 

Das Gremium begrüßte mehrheitlich die Möglichkeit einer Realschule in der Gemeinde. Die Synergieeffekte, etwa durch einen Umbau des Bahnhofs, und die Förderung der Familienfreundlichkeit würden Hohenbrunn gut tun. Für den Ort spreche unter anderem, dass ein Standort am S-Bahn Strang gesucht wird. „Wir müssten eine Lösung finden, wie der Grundstückskauf finanziert werden kann“, erklärt Gemeinderätin Pauline Miller. 

Wegen der angespannten finanziellen Lage könne die Gemeinde selbst nicht die Kosten für ein Grundstück stemmen. Aus Höhenkirchen kommen derweil kompromissbereite Töne. Grund ist die Aussage des Landrats, lieber 20 Millionen Euro für eine bessere Infrastruktur, etwa die Straßentieferlegung am Bahnhof, als in einen zweiten Schulstandort zu investieren. „Das könnte großen Einfluss auf die Standortdiskussion nehmen“, erklärte Höhenkirchens Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) im Bauausschuss. 

Was der Landrat mit seiner Aussage konkret meine, sei noch unklar. Eine Straßentieferlegung schließt des Straßenbauamt Freising derzeit aus, eine Tieferlegung der Bahn kommt deutlich teurer als 20 Millionen Euro. Deshalb wurde in einer gemeinsamen Fraktionssprecher- und in einer Bürgermeisterrunde entschieden, den Landrat zu einem gemeinsamen Gespräch einzuladen. Schön wäre es, soweit es derzeit möglich ist, diese Gesprächsrunde öffentlich abzuhalten, meinte die Rathauschefin. 

Iris Janda

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