HALLO-Interview

Dirk Kämper: „Es steckt so viel in seiner Geschichte drin“

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Genaue Draufsicht auf eine große Persönlichkeit: Dirk Kämper beeindruckte bei seiner Kurt-Landauer-Lesung in Neubiberg mit vielen Facetten und Details aus dem bewegten Leben des großen FCB-Präsidenten.

Kurt Landauer führte den FC Bayern als Präsident zu seiner ersten Meisterschaft und baute ihn, als verfolgter Jude, nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf. Autor Dirk Kämper hat diese beeindruckende Lebensleistung in einem Buch verewigt. Im HALLO-Interview erklärt er, warum es gerade heute so wichtig ist, Landauer und sein Wirken nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

HALLO: Was hat Sie bewogen, ein Buch über die wohl charismatischste, aber lange vergessene Persönlichkeit des Münchner Fußballs zu schreiben?

Dirk Kämper: Zunächst war ja der Film da, für den ich das Drehbuch geschrieben habe. Ich wollte zum Film auch mit der Biografie herauskommen. Ich bin von Haus aus Historiker und sportinteressiert. Als ich hinter Landauers Historie blickte, war mir klar, dass ich diese Geschichte so groß wie möglich erzählen wollte.

Wie lange haben Sie an dem Buch gearbeitet? Wie sah die Recherche aus?

Am Drehbuch allein habe ich fast drei Jahre gearbeitet. Den ersten Einstieg bekam ich über die Internet-Seiten des Fan-Clubs „Schickeria“. Die hatten da schon einiges zusammengetragen. Zumal es ja schon recht spät war, wenn man noch auf Zeitzeugen treffen wollte. Allererster Schritt war aber die Kontaktierung des FC Bayern selbst 2009. Es gab nach anfänglicher Skepsis von dort volle Unterstützung – vor allem durch den Archivar und Historiker des FC Bayern, Andreas Wittner, und dessen Archiv-Quellen in der Erlebniswelt. Es folgten Gespräche mit Uri Siegel, dem Neffen Kurt Landauers und viele Recherchen in verschiedensten Archiven.

Was fasziniert Sie an der Persönlichkeit des Kurt Landauer und dessen unbestrittener Aura? 

Landauer war Bayer und Jude aus einem Guss, eine große Persönlichkeit für den Fußball Münchens und Deutschlands. Fußball und Geschichte im Kontext war faszinierend zu recherchieren und zu erarbeiten. Eine Stütze der Gesellschaft, die plötzlich dem Irrsinn des Rassenwahns zum Opfer fällt. Aber auch die positiven Momente: Man hat ihm geholfen, seine Fußball-Freundschaften haben ihn gerettet. Dann sein Comeback in München, aber nichts ist wie früher. Es steckt so unglaublich viel in dieser Geschichte drin.

Gibt es Parallelen zwischen den Ereignissen der 1930er- und 1940er-Jahren zu aktuellen Vorgängen und zu Vorgängen in Gesellschaft und Stadien?

Da muss man differenzieren. Wir haben heute sehr viel positives Engagement, gerade mit Blick auf die Fanszene. Da sind starke Initiativen, die sich für ein friedliches Miteinander engagieren. Natürlich sind die Fans auch Jugendbewegungen, im guten wie im schlechten Sinne. Natürlich fokussieren sich viele aktuelle gesellschaftliche Probleme in den Stadien wie in einem Brennglas.

Welche Hoffnung verbinden Sie mit Ihrem Buch?

Stichwort junge Generation. Sie durch diese faszinierende Biographie des Kurt Landauer für Entwicklungen und Prozesse wie Rassismus, Ausgrenzung und Solidarität zu sensibilisieren, ist wichtiger Ansatz. Es sind Menschen wie Landauer, die unser Land erst wirklich aus dem Chaos der Nazizeit herausführten. Es freut mich, dass dies mittlerweile mit einer eigenen Stiftung oder dem Kurt-Landauer-Platz an der Allianz-Arena auch Würdigung findet. Demnächst wird es sogar ein Kurt-Landauer-Haus in München geben.

Interview: Harald Hettich

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