Vorerst Entwarnung

Hachinger Bach: Für Katastrophenfall vorsorgen

Der Hachinger Bach wurde in Taufkirchen renaturiert, sodass er ungehindert fließen kann. Dies mindert die Wahrscheinlichkeit eines Hochwassers.
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Der Hachinger Bach wurde in Taufkirchen renaturiert, sodass er ungehindert fließen kann. Dies mindert die Wahrscheinlichkeit eines Hochwassers.

Der Begriff der Jahrhundertflut ist auch heuer wieder in aller Munde. Angesichts der Schreckensmeldungen aus Simbach und vielen anderen Orten kann es einem bei diesem verregneten Sommer mit langanhaltendem Dauerregen oder sturzbachähnlichen Regengüssen Angst und Bange werden. Die Anwohner fragen sich: Wird der Bach auch im Hachinger Tal über die Ufer treten?

Die Anwohner des Hachinger Tals sind besorgt. Erinnern sich doch — in Anbetracht der vielen Hochwasserberichte in den Nachrichten — derzeit viele von ihnen an das Hochwasser von 2013, als in Unterhaching einige Straßen unter Wasser standen und viele Keller vollgelaufen sind. Informationen über die Hochwasserlage der einzelnen Wohngebiete gibt‘s auf der Internetseite des Hochwassernachrichtendienstes. Die Daten auf dieser Seite sind das Ergebnis genauer Messungen und Berechnungen. Demzufolge wird die statistische Gefahr eines Hochwasserereignisses im Bereich des Hachinger Bachs mit „einmal in 100 Jahren“ bewertet. Die Niederschlagsmenge allein ist jedoch kein Indiz für ein bevorstehendes Hochwasser. Vielmehr handelt es sich um ein komplexes Zusammenspiel von Grundwasserstand, Oberflächengewässer und Niederschlagsmenge. Sogar die Art des Regens spielt dabei eine Rolle. Während andauernder mäßiger Regen weniger Hochwassergefahr birgt — schließlich können die Bäche das Wasser stetig aufnehmen und abtransportieren — kann plötzlicher und heftiger Regen die Bäche und Flüsse zum überlaufen bringen.

Doch wie sieht es nun am Hachinger Bach aus, der von der Quelle in Oberhaching bis nach Neuperlach reicht? Prinzipiell ist der Grundwasserstand, bedingt durch den relativ trockenen und schneearmen Winter, derzeit als niedrig anzusetzen. Im Gegensatz dazu, war der Grundwasserpegel im Jahr 2013 sehr hoch, was in Verbindung mit den ergiebigen Regengüssen zum Hochwasser führte.

Die Landeshauptstadt München hat in Zusammenarbeit mit den Gemeinden des Hachinger Tals vor einiger Zeit ein Gutachten über die Hochwassergefahr des Bachs, ein sogenanntes Hochwassermodell, in Auftrag gegeben. Dieses besagt, dass im Falle einer Jahrhundertflut der Bach durchaus über die Ufer treten und großen Schaden verursachen könnte. An der Quelle des Baches, also in Oberhaching, wären gerade mal zwölf Gebäude gefährdet, doch auf dem Weg nach München steigt die Größe des überfluteten Gebietes stetig an, bis in Neuperlach eine Überflutung größeren Ausmaßes stattfinden könnte. Obwohl das Landratsamt München im Oktober 2015 ein Überschwemmungsgebiet auf der Länge des gesamten Bachlaufs festgelegt hat, wurden noch keinerlei Schutzmaßnahmen in die Wege geleitet, wie in dem Gutachten vorgeschlagen.

Diese Maßnahmen sehen vor, die Wassermassen auf dem Weg nach München abzuleiten. Auf die Gemeinden kämen große Baumaßnahmen zu, die nicht nur sehr teuer wären, sondern auch das Landschaftsbild verändern und prägen würden. Auf Grund des komplexen Zusammenspiels zwischen Oberflächengewässer und dem Grundwasser „muss das Kosten-Nutzen-Verhältnis solcher Maßnahmen genauestens unter die Lupe genommen werden,“ sagt der für die Gemeinde Oberhaching zuständige Mitarbeiter Martin Weidenhiller. Im Zuge einer weiteren Zusammenarbeit lud Münchens zweiter Bürgermeister Josef Schmid die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden im Februar letztes Jahres zu einer Krisensitzung ein, die „einvernehmlich und positiv verlief“, wie Schmid versichert. Die Landeshauptstadt hat sich bereit erklärt, die Kosten für die Beauftragung eines Grundwassermodells zu tragen, sofern eine Zusammenarbeit aller Gemeinden bestünde. Die Zusicherung der Gemeinden hierfür erfolgte jedoch erst Monate später. In diesem Herbst nun soll die Beschlussvorlage dem Stadtrat vorgelegt werden. Den Gemeinden geht das nicht schnell genug, teilweise war leiser und verhaltener Unmut zu vernehmen. „Wir haben den Hochwasserschutz nicht aus den Augen verloren“ rechtfertigt sich Schmid. Man müsse aber bedenken, dass für dieses Vorhaben zwei Referate, das Referat für Umwelt und Gesundheit und das Baureferat, miteinbezogen werden müsse. Die intensive Vorbereitung sei noch nicht abgeschlossen. Außerdem seien die Ressourcen der Referate durch große Projekte wie zum Beispiel die Untertunnelung des Luise-Kieselbach-Platzes stark gebunden. Wann alle unglücklichen Faktoren für eine Jahrhundertflut zusammentreffen, kann niemand vorausahnen. Bis die Studien abgeschlossen sind und eventuelle Hochwasserschutzmaßnahmen errichtet werden können, greifen die Gemeinden auf herkömmliche Schutzmöglichkeiten zurück: Der Bachlauf wurde, wie in Taufkirchen, renaturiert. Auf die Bachbettpflege wird in allen Gemeinden großes Augenmerk gelegt. „Der Bach muss ungehindert fließen können“, erklärt Weidenhiller und nimmt jeden Bürger in die Verantwortung, da „es immer wieder vorkomme, dass der Bachfluss durch das Hineinwerfen größerer Gegenstände behindert werde.“

san

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