Erste Schritte für ein klimafreundliches Leben

Die gemeinnützige Energieagentur Ebersberg-München berät unabhängig bei Energiefragen

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Benjamin Hahn von der Energieagentur Ebersberg-München zeigt an einem Modell, wo sich in den beiden Landkreisen Projekte für erneuerbare Energie befinden.

Windkraft, Solarenergie oder doch Geothermie? Bei den verschiedenen Möglichkeiten, Energie aus erneuerbaren Quellen zu beziehen, ist es nicht leicht, den Überblick zu behalten. Die unabhängige Energieagentur Ebersberg-München steht bei Energieprojekten sowohl Privatleuten und Firmen als auch Kommunen beratend zur Seite.

„Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, wie simpel die ersten Schritte zu einer Klima­freundlichkeit hin sind“, erklärt Benjamin Hahn, zuständiger Mitarbeiter für die Öffentlichkeitsarbeit bei der Energieagentur Ebersberg-München. Ein komplett klimaneutrales Leben zu führen, sei allerdings wahnsinnig schwer, räumt er ein. „Die ersten Impulse zu setzen, das ist unsere Aufgabe“, verdeutlicht er den Zweck der gemeinnützigen GmbH. Die 2014 zunächst nur für den Landkreis Ebersberg ins Leben gerufene Agentur wuchs schnell, auch im Landkreis München gab es immer mehr Bedarf. Da­raus entstand die Idee der Kooperation beider Landkreise, sodass es im November 2017 zum Zusammenschluss kam. Die Agentur berät unabhängig sowohl Privatpersonen als auch Kommunen und Unternehmen bei Energieprojekten. Hauptthemenfeld ist der Umstieg auf erneuerbare Energie. „Der größte Teil unserer Arbeit ist das netzwerken und begleiten. Wir erklären, wie klimafreundliche Energie umgesetzt werden kann und bringen Partner zusammen“, beschreibt Hahn das Tätigkeitsfeld. Vor allem Privatpersonen aber auch immer mehr Kommunen greifen auf ihr Angebot zurück. Beispielsweise wurde jüngst im Gemeinderat in Höhenkirchen-Siegertsbrunn beschlossen, sich von der Energieagentur bei der Beheizung des Pfarrzentrums und der Erich-Kästner-Schule beraten zu lassen (HALLO berichtete). „Unternehmen nehmen dagegen noch weniger unser Angebot an – auch wenn dort ebenfalls die Nachfrage steigt“, betont Hahn. Gerade bei wirtschaftlich boomenden Firmen spiele der Energieverbrauch bei den Kosten nur eine geringe Rolle. Ihrer sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung seien sich zwar einige bewusst, würden aber noch nicht so aktiv daran mitgestalten.

Für Privatpersonen bietet die Agentur unter anderem kostenlose thermografische Spaziergänge an. Dabei wird vor Ort bei Rundgängen geschaut, wo es an den Häusern Verbesserungsmöglichkeiten, etwa über eine Fensterdämmung, gibt. Auch ihre Photovoltaik-Bündelungen werden gut angenommen. In Glonn konnten so innerhalb eines halben bis dreiviertel Jahres 27 neue Solaranlagen geschaffen werden. In Hohenbrunn interessieren sich derzeit 60 Teilnehmer dafür, eine Photovoltaik-Anlage aufzustellen. „Je nach Art des Hauses und der Anlage können manche Gebäude übers Jahr einen Autarkie-Grad von 60 bis 70 Prozent erreichen“, erklärt Hahn.

Ein weiteres Tool der Energieagentur macht es leicht herauszufinden, ob das eigene Zuhause für Solaranlagen geeignet ist. Für den Solarpotenzialkataster (https://www.solare-stadt.de/kreis-muenchen/Solarpotenzialkataster) wurden 2013 alle Haushalte der beiden Landkreise überflogen und erfasst. Dort können Interessierte über ein Ampelsystem erkennen, ob es sinnvoll ist, auf das eigene Haus eine Solaranlage zu setzen. Daran angeschlossen ist ein Wirtschaftlichkeitsrechner, der den finanziellen Nutzen berechnet. Für einen ersten Überblick ist das sehr hilfreich, wie Hahn verdeutlicht: „Natürlich geht es da noch nicht um eine Detailplanung, aber es gibt zumindest einen Richtwert.“ Im bundesweiten Durchschnitt habe man die Investition in die Anlage nach 13 Jahren wieder drin.

Nicht nur in der Beratung, auch bei der Klimaschutzbildung ist die Energieagentur aktiv. Dazu arbeitetet sie mit bestimmten Schulen zusammen, sogenannten Klimaschulen. Davon gibt es derzeit 13 im Landkreis Ebersberg. Die Energieexperten führen verschiedene Workshops durch. Unter anderem drehen sich diese um plastikfreies Leben und den Umgang mit dem Kunststoff. „Es geht um die kritische Auseinandersetzung mit Plastik, nicht um eine Verteufelung. Wir bringen den Kindern bei, sich reflektiert dem Thema zu nähern“, verdeutlicht Hahn. Auch, wie man Plastik sinnvoll recyclen kann, komme zur Sprache. Beim Kampagnentag für mehr Klimaschutz an Schulen im Landkreis München bot die Agentur zwölf verschiedene Workshops an, bei denen 170 Schüler mitmachten. Unter anderem wurden kleine Solarautos gebaut oder das Thema nachhaltiges Kochen besprochen. Auch konnten die Kinder bei einem Kurs mit Lego-Teilen Lösungen für spezielle Probleme, etwa die Abholzung des Regenwaldes, finden. „Es geht uns darum, ein Bewusstsein für die Problematik zu schaffen“, betont Hahn. 

Dass bei der Energieagentur Ebersberg-München nicht nur von Klimaschutz gesprochen, sondern dieser auch gelebt wird, zeigt die Auszeichnung mit dem EMAS-Zertifikat. Dieses Siegel erhalten Unternehmen von der europäischen Union, die ihre Umweltleistung durch spezielle Maßnahmen verbessern wollen. Jedes Jahr wird die Agentur daraufhin geprüft.

„Wir versuchen, auf den Toiletten den Verbrauch von Papierhandtüchern zu reduzieren. Die werden nur genutzt, wenn jemand erkältet ist. Sonst wechseln wir uns ab mit einem Waschdienst. Es nimmt immer jemand anderes die Stoffhandtücher mit nach Hause und wäscht sie mit“, beschreibt Hahn die Maßnahmen. Außerdem nutzten die Mitarbeiter so oft wie möglich Fahrrad oder Bahn, für notwendige Fahrten mit dem Pkw werde das E-Dienstauto genommen. Auch bestellen sie, wenn möglich, nachhaltig. Bescheiden meint Hahn: „Wir versuchen ein bisschen von dem vorzuleben, was wir selber von den Menschen fordern.“

Iris Janda

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