Brunnthal erteilt Windkraft im Forst die Abfuhr

Gemeinderat in Brunnthal beschließt Ausstieg aus der Arge Windenergie im Hofoldinger Forst

Demonstranten gegen Windkraftanlagen vor der Gemeinderatssitzung in Brunnthal
+
Mit Masken und ausreichend Abstand forderten vor der Gemeinderatssitzung in Brunnthal zirka 30 Bürger den Ausstieg aus der Arge Windenergie im Hofoldinger Forst.
  • vonIris Janda
    schließen

Nachdem es in Sauerlach großen Zuspruch für die Windkraft-Pläne gab, zeigte sich eine Woche später in Brunnthal ein völlig anderes Stimmungsbild. Nach leidenschaftlicher Debatte entschied sich der Gemeinderat für den Ausstieg aus der Arge Windenergie.

Protestrufe, Plakate und Pfeifkonzert vor dem Landgasthof in Brunnthal waren Vorboten der Entscheidung des Brunnthaler Gemeinderates: Mit elf zu acht Stimmen folgte das Gremium dem PWB-Antrag zum Austritt aus der Arge Windenergie im Hofoldinger Forst. Nicht nur vor, auch im Saal spiegelte sich die aufgeheizte Stimmung wider. In der dreistündigen Sondersitzung zeigten sich die Trennlinien auch innerhalb der Fraktionen.

Seit über zehn Jahren habe in der Gemeinde Konsens bestanden, was Maßnahmen gegen den CO2-Ausstoß betreffe. „Wir haben nur einen großen Dissens, und das ist die Windkraft im Hofoldinger Forst“, erklärte Bürgermeister Stefan Kern (CSU) einleitend. Er halte ein Windrad für ein notwendiges Übel. Die Gemeinde könne so einen Beitrag leisten, der noch vertretbar sei.

Als Grundlage dafür nahm Kern die artenschutzrechtlichen Untersuchungen sowie die Ergebnisse der Windmessung und die Wirtschaftlichkeitsberechnung, die Robert Sing vom Ingenieurbüro Sing in der Sitzung vorstellte. Begleitet von Rufen und Pfiffen vor dem Gebäude erklärte er, dass die artenschutzrechtlichen Untersuchungen von zwei unabhängigen Gutachterbüros über die gesamte Vegetationsperiode 2020 durchgeführt wurden. Beide Gutachten kommen zu dem Ergebnis, dass aus natur- und artenschutzfachlicher Sicht nichts entgegenstehe.

Ob das Projekt genehmigt wird, entscheiden final die unteren und die obere Naturschutzbehörde. Sing berichtete, dass es bei den Gutachten zur Windmessung und der Wirtschaftlichkeit grünes Licht gibt. Nach Berechnung ergebe sich eine positive Rendite. Im weiteren Verlauf müsse noch ein zweites Ertragsgutachten erfolgen. Bevor es mit dem Bau der Anlage los geht, müssen ein Ersatzforst und der Rückbau der Anlage mit Bankbürgschaft gesichert sein.

„Wir sind keine Windkraftgegner, wir sind Windkraft-Standort-Gegner“, betonte Robert Huber (PWB). Klar distanzierte er sich von Vorwürfen an den Bürgermeister und das Planungsbüro, die im Vorfeld geäußert wurden. Ebenso nahm er von den Behauptungen Abstand, dass solche Anlagen „kiesgrubenartige Betonfundamente“ haben und der Abbau nicht gesichert sei. Dennoch appellierte er an alle Gemeinderäte, die Pläne für Windkraftanlagen im Hofoldinger Forst zu beenden. Huber hofft darauf, dass sich die 10-H-Regel, die den Abstand zur Siedlungsbebauung vorgibt, ändern werde.

Brunnthals Zweiter Bürgermeister Thomas Mayer (CSU) distanzierte sich ebenfalls scharf von den Anschuldigungen, diese seien „bodenlos, unverschämt und aufs tiefste beleidigend“. Er habe sich eine klare Aussage vom Forstministerium gewünscht, diese liege nun vor. Darin heißt es, dass die Gemeinde, auf deren Gebiet eine Windkraftanlage entstehen soll, dem Abschluss dieses Vertrags zustimmen muss, unabhängig, ob sie in der Arge ist oder nicht. Deshalb war für ihn klar: „Wir müssen aus der Arge austreten!“

Anders sah es sein Parteikollege Helmut Vorleitner. „Ich sehe den Schutz des Waldes als ein Argument pro Windkraft“, so der CSU-Mann. Um den Klimawandel abzuwenden, müsse das Maximum aus der natürlichen Energie herausgeholt werden. Wind sei dabei der größte Energieträger. Christine Zietsch (SPD) hat zwar den PWB-Antrag mit unterschrieben, sie habe sich aber sehr mit dem Thema Windkraft auseinandergesetzt und sei zu relativierenden Erkenntnissen gekommen. „Der Austritt würde für unseren Forst eher ein Risiko bedeuten“, meinte sie.

Jürgen Gott, der von der PWB zur UWB gewechselt ist, ärgerte sich darüber, dass erst jetzt die Aussage des Forstministeriums bekannt wurde. „Ich bin der Meinung, dass die Arge nicht zustanden gekommen wäre, wenn damals schon bekannt gewesen wäre, dass die Gemeinde das Windrad gar nicht bauen muss“, erklärte er. Genauso sah es Matthias Amtmann (UBW).

Bürgermeister Kern erklärte, dass die Aussage von Staatsministerin Michaela Kaniber ihn auf sein Drängen hin erst am Montagabend vor der Sitzung erreicht habe. Er sei von den widersprüchlichen Aussagen der Staatsregierung enttäuscht. Schließlich verkündete Ministerpräsident Markus Söder 2019, dass in zwei bis drei Jahren 100 Windkrafträder in den Staatsforsten aufgestellt werden sollten.

„Die Windkraft ist unser kleiner Beitrag, damit wir den Wald schützen“, versuchte Grünen-Rätin Hilde Miner, den ein oder anderen Rat noch umzustimmen. Es brauche alle erneuerbaren Energien, um den Strombedarf klimaneutral zu decken. Doch ihre Bitte zeigte keine Wirkung, nach dem Ergebnis von elf zu acht Stimmen für den Austritt stellte Rathaus­chef Kern klar: „Für mich ist das Thema Windkraft im Hofoldinger Forst bis auf Weiteres beendet.“

Iris Janda

Kommentar

Die Zeichen der Zeit verkannt

Brunnthals Entscheidung schadet dem Wald anstatt ihn zu retten.

Jeder muss seinen Beitrag leisten – Brunnthal hat sich entschieden, es nicht zu tun. Eine Mehrheit im Gemeinderat lehnt zum Schutze des Hofoldinger Forstes den Bau einer Windkraftanlage ab und bewirkt damit das Gegenteil. Denn wenn der 70-jährige Fichtenbestand dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen ist, wird sich die Frage um dessen Erhalt nicht mehr stellen.

Der Klimawandel und seine Folgen liegen nicht in weiter Zukunft, sie sind jetzt. Das Waldsterben ist hierzulande unmittelbare Folge der anhaltenden Trockenheit, die die Baumbestände für Borkenkäfer und Stürme anfällig macht. Die 10-H-Regel, die in Bayern den Abstand einer Windenergieanlage zur Siedlung regelt, lässt kaum Flächen für einen Bau im Freistaat zu. Es ist aber fatal, auf eine Abschaffung der Regel zu pochen. Es braucht jetzt die Energiewende und nicht in einer unbekannten Zukunft. Und es wird Windkraftanlagen auf allen ökologisch und ökonomisch vertretbaren Flächen in Bayern und in ganz Deutschland benötigen, auch in den Wäldern.

Der Klimawandel ist der nächste große Krise, die der Menschheit bevorsteht. Sie abzuwenden wird ohnehin eine Mammutaufgabe. Wer weiter die Verantwortung auf andere abschiebt, hat die Zeichen der Zeit verkannt.

Iris Janda

Weitere Nachrichten aus der Region lesen Sie in unserer Übersicht.

Besuchen Sie HALLO auch auf Facebook.

Auch interessant:

Meistgelesen

Die Band „Sound Injection“, ein Jahr nach dem Sieg beim muc-king 2017
Die Band „Sound Injection“, ein Jahr nach dem Sieg beim muc-king 2017
Seegers Hörerlebnis in Neubiberg feiert dreijähriges Jubiläum
Seegers Hörerlebnis in Neubiberg feiert dreijähriges Jubiläum
Ayinger Ortsteil Helfendorf feiert im kommenden Jahr 1250-jähriges Jubiläum
Ayinger Ortsteil Helfendorf feiert im kommenden Jahr 1250-jähriges Jubiläum
Es weht Kritik im Höhenkirchner Forst um die möglichen Windräder
Es weht Kritik im Höhenkirchner Forst um die möglichen Windräder

Kommentare