Keine Gärten des Grauens

Gegen Schotter: Grüne Vorgärten sollen in Ottobrunn erhalten bleiben

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Die Ottobrunner Grünen-Mitglieder Doris Popp (l.) und Bürgermeisterkandidatin Tania Campbell setzen sich dafür ein, dass Schottergärten vermieden werden.

Ottobrunn – Vermutlich als erste Gemeinde in Bayern hat Ottobrunn ein Verbot sogenannter „Schottergärten“ in einen Bebauungsplan aufgenommen. Beantragt hat diesen Passus die Fraktion Grüne/ÖDP. Damit will die Gemeinde Vorgärten bei Nachverdichtungen weiterhin als „grünes Straßenbegleitgrün (…) erhalten beziehungsweise aufwerten und von jeglicher baulicher Nutzung, auch der als Stellplatzfläche, frei (..) halten“, wie es in der Beschlussvorlage heißt. Die Grünordnung soll für ein 40 Hektar großes Gebiet östlich der Rosenheimer Landstraße, südlich der Putzbrunner Straße, westlich der S-Bahn und nördlich der Ottostraße gelten. Es umfasst insgesamt rund 600 Baugrundstücke.

Der Trend, die Vorgärten wegen der angeblich leichteren Pflege in Schotterwüsten zu verwandeln, hat bereits eine Satire-Internetseite unter dem Titel „Gärten des Grauens“ hervorgebracht. Dort finden sich Beispiele, wie Grundstückseigentümer ihre Vorgärten mit Schotter, Kies und fragwürdigen „Kunstobjekten“ ausstatten. Dabei sind gerade Vorgärten und kleine Grün­flächen enorm wichtig, um die Artenvielfalt in einer Stadt zu erhalten. Sie bilden sogenannte „ökologische Trittsteine“ für Pflanzen, Insekten und Vögel, die auf der Suche nach Nahrung und Nistplätzen von Trittstein zu Trittstein wandern. Auch für das Klima sind diese kleinen Grünflächen unabdingbar, denn sie liefern saubere, frische Luft. Hinzu kommt, dass Steinflächen den Schall stärker reflektieren als Grünanlagen und so die Lärmbelastung verstärken.

Laut Doris Popp, Mitglied der Grünen im Gemeinderat Ottobrunn, ist die Begründung für den Antrag, Schottergärten nicht zuzulassen, die logische Konsequenz aus dem erfolgreichen Volksbegehren „Rettet die Bienen“, sowie der Tatsache, dass die Steingärten in den zunehmend heißen und trockenen Sommermonaten das Klima in der Stadt weiter aufheizen. „Da Ottobrunn die zweitdichtest besiedelte Gemeinde in ganz Deutschland nach München ist, ist ein Eindämmen von Schottergärten meiner Ansicht nach gerade für das Mikroklima vor Ort unerlässlich “, betont auch die Bürgermeisterkandidatin der Grünen in Ottobrunn, Tania Campbell. Ziel sollte es laut Grünen-Fraktion sein, in ganz Ottobrunn Schottergärten zu vermeiden.

Im Moment gehe das aber nur im Rahmen eines Bebauungsplans. In diesem wird außerdem festgesetzt, dass die nicht baulich genutzten Freiflächen der Baugrundstücke auch als unversiegelte Vegetationsflächen gärtnerisch anzulegen sind. Kies-, Schotter und ähnliche Materialschüttungen gegebenenfalls in Kombination mit darunterliegenden wasserdichten und nicht durchwurzelbaren Folien seien hierfür unzulässig, so Popp.

Dass diese Schotterwüsten überhaupt weniger Arbeit bedeuten, bezweifelt der Naturschutzbund NABU. Denn auch ein Garten mit Schotter bedeute Arbeit. Blätter müssen abgesammelt werden, in Fugen wachsen über kurz oder lang Gräser und andere Pflanzen und vermooste Steine müssen gereinigt werden. Der NABU empfiehlt den Gartenbesitzern vielmehr, ihre Vorgärten mit pflegeleichten heimischen Pflanzen auszustatten. Damit werden Schmetterlinge, Hummeln und Vögel in den Garten gelockt und es wird so zur Artenvielfalt beigetragen.

In anderen Bundesländern wie beispielsweise in Nordrhein-Westfalen haben schon einige Kommunen, so Dortmund und Paderborn, „Schottergärten“ in ihren Bebauungsplänen für Neubaugebiete verboten. Bremen hat im Mai diesen Jahres bereits ein „Ortsgesetz über die Begrünung von Freiflächen und Flachdachflächen“ erlassen, das die Begrünung oder Bepflanzung von Freiflächen vorschreibt.

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