Münchner Landkreis: Einstimmige Entscheidung für Zweigleisigkeit

Fortschritt für Machbarkeitsstudie zum S7-Ost-Ausbau

+
Der Mobilitätsausschuss des Kreistages hat erste Schritt getan, um den Ausbau der S7 Richtung Osten voranzutreiben.

Landkreis – Nun geht es einen kleinen Schritt voran: Der Landkreis München beauftragt den ersten Schritt für eine Machbarkeitsstudie zum S7-Ost-Ausbau. „Irgendwann muss man ja mal anfangen und mit diesem Schritt ist der Anfang gemacht“, erklärt Nortrud Semmler von der Initiative S7 OstPlus, die sich für den zweigleisigen Ausbau der S7 Richtung Kreuzstraße einsetzt.

Anlass für die Freude ist der Ende November gefasste Entschluss des Mobilitätsausschusses des Kreistags, das Leistungsverzeichnis für eine Machbarkeitsstudie für den Ausbau zu beauftragen. „Wir hätten uns gewünscht, das Thema gar nicht auf die Tagesordnung setzen zu müssen“, kommentierte Landrat Christoph Göbel die Diskussion darüber in der Sitzung. Denn eigentlich sei es ureigenste Aufgabe des Freistaats Bayern, sich um Infrastrukturprojekte des Schienenverkehrs zu kümmern. 

Das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr hatte zwar im Juli vergangenen Jahres sowohl den zweigleisigen Ausbau der Bahnlinie Giesing-Kreuzstraße als auch die Einbindung der Regional-S-Bahnen aus Rosenheim über das Mangfalltal in das Programm Bahnausbau Region München aufgenommen. Wann eine solche Untersuchung jedoch vorgenommen werden soll, ist völlig unklar. Mit dieser Ungewissheit wollte man sich im Landkreis München jedoch nicht zufrieden geben. Auf Initiative der überparteilichen Bürgerinitiative S7 OstPlus setzten sich die im Kreistag vertretenen Fraktionen gemeinschaftlich dafür ein, das Thema erneut auf die Tagesordnung des Mobilitätsausschusses zu bringen. 

Dieser fasste den Beschluss, ein Leistungsverzeichnis durch ein geeignetes Planungsbüro erstellen zu lassen. Das Leistungsverzeichnis listet auf, was in einer Machbarkeitsstudie alles untersucht werden soll. „Ich war von dem Entschluss positiv überrascht, denn ich habe nicht damit gerechnet, dass das ,Ja‘ von allen Seiten mit solcher Vehemenz kommt. Es ist schön, dass alle an einem Strang ziehen“, meint Semmler. Wie das Landratsamt erklärt, soll das Leistungsverzeichnis in enger Abstimmung mit der Initiative S7 OstPlus, den Anrainergemeinden der S7 Ost sowie mit allen betroffenen Behörden und Akteuren abgestimmt werden.

 „Was das konkret bedeutet, weiß ich auch noch nicht“, erklärt Semmler. Sie gehe davon aus, dass Landrat Göbel sie rechtzeitig über das weitere Vorgehen informieren werden. Neben der reinen baulichen Machbarkeit geht es auch um möglicherweise nötigen Grunderwerb, eine Verkehrsnachfrageuntersuchung und eine Abschätzung der Bauzeiten. Ebenfalls wichtig: Das Planungsbüro, das das Leistungsverzeichnis erstellt, soll auch eine detaillierte Schätzung abgeben, mit welchen Kosten für eine spätere Machbarkeitsstudie zu rechnen sei, wie lange sie dauern könnte und welche personellen und fachlichen Kompetenzen bei der untersuchenden Behörde notwendig wären. 

Sobald das Leistungsverzeichnis vorliegt, wird der Ausschuss für Mobilität und Infrastruktur über das weitere Vorgehen beraten. Auch wenn der Landkreis nun die Kosten für das Leistungsverzeichnis vorlegt, ist die Bayerische Staatsregierung für den Ausbau zuständig. Könnte das Projekt also nach der Studie wieder ins Zögern geraten? Semmler zeigt sich optimistisch: „Ich gehe davon aus, dass es mit dem Ausbau dann auch weiter läuft, wenn die Machbarkeitsstudie getan ist. Schließlich stehen auch alle Parteien hinter dem Vorhaben.“ Und schließlich habe Ministerpräsident Markus Söder sich auch klar für einen 20-Minuten-Takt bis zur Endstation ausgesprochen. 

„Wir als Initiative glauben, dass die Bürokratie momentan gegen die Beschlüsse des Ministerpräsidenten arbeitet“, erklärt die Ayingerin. Bei der Verbandsversammlung des Regionalen Planungsverbands München (RPV) am 10. Dezember, bei der bei Ministerialdirektor Helmut Schütz, Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr zu Gast war, kam auch das Thema S7-Ausbau zur Sprache. Neubibergs Bürgermeister Günter Heyland monierte den langsamen Ausbau „nicht vor 2032“ und mangelnde Mittel. Schütz und Experten aus dem Staatsministerium verwiesen bei der Versammlung auf die stiefmütterliche Behandlung der Schiene in der Nachkriegszeit. 

Zudem fehlten überall die Fachkräfte, nicht nur die Zugführer, sondern auch die Ingenieure. Konkret sei der Freistaat an dem Thema Schieneninfrastruktur dran, die Umsetzung erfolge schrittweise und werde noch Zeit in Anspruch nehmen. Der Ausbau der Außenäste der S7 nach Osten und Westen stecke in den 40 Maßnahmen zur Schieneninfrastruktur, die der Freistaat aktuell untersuche. Ob ein Ausbau vor 2032 klappen kann, ist trotz des Beschlusses des Kreisrates weiterhin fraglich. Zumindest die Initiative S7 OstPlus bleibt optimistisch: „Wir hoffen das Beste“.

ija

Weitere Nachrichten aus der Region finden Sie in unserer Übersicht.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Zwergerl in Höhenkirchen feiern am Freitag Tag der offenen Tür
Zwergerl in Höhenkirchen feiern am Freitag Tag der offenen Tür
Putzbrunn: Flächennutzungsplan bekommt letzte Ergänzungen
Putzbrunn: Flächennutzungsplan bekommt letzte Ergänzungen
Neubiberger CSU stößt mit Vorschlag zu zweitem Bürgerbüro in Unterbiberg auf Kritik
Neubiberger CSU stößt mit Vorschlag zu zweitem Bürgerbüro in Unterbiberg auf Kritik

Kommentare