Und täglich grüßt der Schulweghelfer

Ehrenamtliche Lotsen in Neubiberg im Einsatz

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„Ist das dein Zepter?“ hat ein Kind die Schulweghelferin Maria Weiß in Neubiberg mal gefragt. Es meinte ihre Kelle. Das hat ihr besonders gut gefallen.

„Des is‘ a Tritschler“, sagt Maria Weiß. Ein kleiner Junge aus der ersten Klasse zockelt auf dem Weg zur Schule gemütlich heran. Seine Augen sind auf den Boden, nicht etwa geradeaus gerichtet. Weiß grüßt ihn, er schaut auf. Sie kennt viele der Kinder, die vorbeikommen, mit Namen. Seit über 20 Jahren schon steht sie mehrmals in der Woche als Schulweghelfer an einem der sechs Übergänge in Neubiberg, um die Grundschüler sicher über die Straße zur Schule zu geleiten. Die Kinder sind jeden Tag die gleichen – und die Passanten zum Großteil auch, meist auf dem Weg zur Arbeit. Sie weiß, wer wann kommt und geht und auch, wer noch fehlt. „Mir ist wichtig, die Kinder mit einem Lächeln zu begrüßen“, sagt sie: „Dann können sie gleich positiver in den Tag starten.“ Der Junge grüßt brav zurück.

Morgens blendet es oft stark an der Stelle gegenüber dem Rathaus, wo sie steht, aber manche Fahrer schauen auch einfach nicht, erzählt Weiß. Wenn die Autofahrer dann eine rote Ampel überfahren, ergeben sich besonders gefährliche Situationen. Und wenn Lastwagen oder Müllautos unterwegs sind, muss sie besonders aufpassen. Die Kinder sind so klein, die verschwinden hinter den großen Autos. Auch kann eine Ampel schon mal kaputt gehen, das ist dann besonders gefährlich. Und bei schlechtem Wetter und Dunkelheit: Dann ist ein Schulweghelfer in seiner gelben Warnweste besonders wichtig. „Manche Kinder, insbesondere die Jungs, sind total falsch gekleidet. Mit dunklen Farben und am Besten noch die Kapuze übergezogen. Die sehen gar nichts, und man sieht sie auch schlecht“, findet Weiß. Eine Autofahrerin hat mal die Warteschlange vor der roten Ampel links überholt, um dann rechts auf den Parkplatz vor dem Rathaus einzubiegen und da ihr Kind zur Schule rauszulassen um fünf vor Acht. So etwas kann Weiß überhaupt nicht nachvollziehen.

Ein schlechtes Beispiel gäben auch Erwachsene, die bei Rot über die Ampel gehen. „Es kommen doch gerade keine Kinder“, hat sie da als Ausrede schon oft gehört. „Die Erwachsenen sind doch Multiplikatoren, das geht gar nicht“, schimpft Weiß. Auch Eltern, die mal eben kurz in der Feuerwehrzufahrt parken, kann sie nicht verstehen. Dass der Verkehr in den letzten zwei Jahren in der Neubiberger Hauptstraße massiv zugenommen hat, bestätigt auch eine Kollegin, die ihren Dienst gerade am nächstgelegenen Übergang beendet hat und noch kurz für einen Ratsch vorbeikommt.

Häufig müssen die Helfer nach Schulschluss auch Kinder trösten, deren Eltern sich beim Abholen verspätet haben. „Da sehe ich dann noch um 16 Uhr ein Kind drüben beim Rathaus am Ende des Parkplatzes weinend stehen. Da gehe ich natürlich rüber und frage, was los ist“ erzählt die Kollegin. „Mein Papa soll mich abholen, aber der ist nicht gekommen“, hat sie dann schon mehrfach gehört. Und ein Vater, als er endlich kam, fragte sie sogar: „Wann muss ich eigentlich kommen zum Abholen?“ Sie sieht ihre Rolle nicht nur darin, Präsenz zu zeigen, sondern auch als Ansprechpartner, Beschützer und Tröster für die Kinder. Für die Erstklässler gibt es jedes Jahr Anfang des Schuljahrs ein Ampeltraining. „Die Kinder kannst Du Dir ja noch erziehen, bei den Eltern funktioniert das nimmer“, sagt Weiß.

Claudia Engmann

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