MVV hat Angst vor neuen Kunden

Diskussion über öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Putzbrunn

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Gemeinderat Willibald Hackl stellte einen Antrag auf kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr in Putzbrunn.

Der MVV will keinen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr in Putzbrunn. Auch wenn die Gemeinde bereit wäre, dies selbst zu bezahlen. Ein Grund: Der MVV hat Bedenken, dass zu viele Kunden das Angebot nutzen.

In Zeiten von Klimawandel und einer geplanten Verkehrswende müsste man eigentlich glauben, dass es gut wäre, wenn möglichst viele Menschen den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) nutzen. Das sieht der MVV offenbar nicht so. Das geht aus seinem Antwortschreiben an den Verkehrs- ausschuss Putzbrunn hervor. Gemeinderat Willibald Hackl (FDP) hatte dort einen Antrag auf Einführung eines kostenlosen ÖPNVs in Putzbrunn gestellt. Darauf hin fragte die Gemeinde beim MVV nach, ob so etwas möglich wäre.

In einem ausführlichen Schreiben stellt der MVV nun klar, dass er von dieser Idee dringend abrate. Unter anderem befürchtet der MVV, dass Putzbrunn damit einen Präzedenzfall schaffe. Ein Nulltarif in Putzbrunn könnte dazu führen, dass andere Gemeinden in Zugzwang kämen, die sich das aber nicht leisten können oder wollen. Denn selbstverständlich würden die Verluste für den MVV aus Steuermitteln der Gemeinde getragen werden. Aus diesem Grund sei ein gleicher Antrag einer anderen Gemeinde auch von den Gesellschaftern des MVV schon einmal abgelehnt worden.

Auch monierte der MVV, dass die Kontrollen in diesem Fall erschwert würden. Diese komplizierten Kontrollen müsste die Gemeinde als „Verursacherin“ selbst tragen. Weiter äußerte der MVV seine Sorge über einen deutliche Zugewinn an Kunden. Die Investitionen in das zusätzliche Leistungsangebot müsse die Gemeinde als Verursacherin den Problems dann natürlich auch tragen. Walter Hois (GPP) zeigte sich in der Sitzung des Verkehrsausschusses verwundert darüber, dass der MVV sich derart Sorgen um die Finanzen der Gemeinde mache. Das Fazit des Schreibens: Die Gemeinde Putzbrunn solle von ihrer Idee ablassen. Da es sich bei Einführung eines Nulltarifs um eine Tarifänderung handeln würde, müsste das in den Verbundgremien des MVV entschieden werden.

Eine Konsensfindung halte man für sehr unwahrscheinlich. Dennoch könne die Gemeinde sich hierzu ein Angebot vom MVV auf eigene (natürlich hohe) Kosten berechnen lassen. Die MVV dankte der Gemeinde allerdings für ihr Engagement und verwies darauf, dass Putzbrunn seinen Bürgern das Fahrgeld gegen Vorlage der entsprechende MVV-Karte zurückerstatten könne. So könne die Gemeinde ihr Engagement für eine Verkehrswende im eigenen Bereich schnell umsetzen. „Das finde ich einen Quatsch“, sagte Antragsteller Willibald Hackl auf HALLO-Anfrage. „Die Idee war ja, das möglichst unkompliziert für die Bürger zu gestalten. Die Antwort des MVV zeigt mir, dass er eindeutig noch nicht soweit ist.“ Ob er den Antrag auf eine Berechnung der möglichen Kosten trotzdem stellt, will er sich noch überlegen.

Aufgrund der geringen Erfolgsaussichten zeigte sich auch Putzbrunns Bürgermeister Edwin Klostermeier (SPD) nicht interessiert daran, das Thema weiter zu verfolgen. Er verwies darauf, dass Putzbrunn Ende des Jahres in den Münchner Innenraum des MVV eingegliedert werde und Tickets dadurch bereits erheblich günstiger werden. Zudem hätten bedürftige Bürger jetzt schon die Möglichkeit, sich kostenlose Tickets im Rathaus abzuholen.

Lydia Wünsch

Kommentar

Große Wende oder kleine Sprünge? Warum der MVV mit seiner Antwort ziemliche daneben liegt

Wenn in Zeiten von Klimawandel und Fridays for Future von der „großen Verkehrswende“ die Rede ist, klingt das nach einem guten Plan und wirkt beruhigend. Dass diese große Verkehrswende in ihrer Umsetzung allerdings sehr schnell an ihre Grenzen stößt, zeigt sich oft im Kleinen. In diesem Fall an einem Antrag auf einen kostenlosen ÖPNV von Gemeinderat Willibald Hackl an den Putzbrunner Verkehrsausschuss. Die Antwort muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Der MVV will den von Hackl gewünschten Nulltarif in der Gemeinde nicht einführen, aus Angst vor zu vielen neuen Kunden! Weiter kann sich niemand vom Grundgedanken entfernen, mehr Menschen weg vom Auto und hin zu öffentlichen Verkehrsmitteln zu führen. Nur zum Vergleich: Sogar in Aspen im US-Bundesstaat Colorado gibt es bereits einen kostenlosen Bus, der innerorts fährt und von der Gemeinde bezahlt wird. Auch für die erschwerten Kontrollen hat sich dort eine Lösung gefunden: Es gibt keine.

Lydia Wünsch

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