Gemeinde soll endlich Nägel mit Köpfen machen

Lösungsmöglichkeiten für wilden Bahnübergang in Riemerling

Die Schrift auf dem Warnschild an den Gleisen in Riemerling ist kaum noch lesbar.
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Die Schrift auf dem Warnschild an den Gleisen in Riemerling ist kaum noch lesbar.

Ein Unglück im September brachte ein Thema wieder in die Öffentlichkeit, das schon seit den 1980er-Jahren diskutiert wird: Ein sicherer Übergang an den Gleisen zwischen den Ortsteilen Riemerling West und Ost. Nun diskutierte auch der Gemeinderat erneut darüber

Seit dem Tod eines 15-Jährigen, der im September die Bahngleise bei Riemerling betrat und von einem Zug erfasst wurde, ist die Diskussion um die „wilden“ Bahnübergänge entlang der Strecke zwischen Hohenbrunn und Ottobrunn erneut entfacht. Bereits seit den 1980er-Jahren gibt es Überlegungen, etwa durch eine Unterführung einen sicheren Übergang zwischen Riemerling West und Ost zu schaffen – bislang ohne Erfolg. CSU, Grüne und SPD distanzieren sich klar davon, eine Verknüpfung zwischen dem tödlichen Unglück und der fehlenden Querverbindung an dieser Stelle herzustellen. „Völlig unangemessen“ sei dies, schließlich hätte der Jugendlich in deutlichen Abstand zur diskutierten Stelle die Gleise überquert. Dennoch widmete sich der Gemeinderat nun erneut der Thematik, denn sowohl ein Antrag aus der Bürgerversammlung als auch einer von der Fraktion ÜWG-FW/Bürgerforum fordern eine Lösung für den wilden Übergang. „Es ist bisher nicht am Wollen gescheitert“, erklärte Hohenbrunns Bürgermeister Stefan Straßmair (CSU) in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Vielmehr sei die Frage das Problem, wie es eine vernünftige Lösung geben könne. In der Anfrage des Bürgers wurde konkret die Errichtung eines Zauns gefordert. ÜWG-FW/Bürgerforum beantragen die Überprüfung einer Untertunnelung auf technische Realisierbarkeit. Außerdem sollen als Sofortmaßnahme eindringliche Warnschilder auf beiden Seiten der Gleise angebracht werden. Das jetzige Schild sei kaum noch lesbar.

Ihre Fraktion sehe die Gemeinde in der Verantwortung, ein drastisches Schild aufzustellen, erklärte Pauline Miller (FW). „Ich halte es für rechtswidrig, ein Schild auf dem Gebiet der Bahn aufzustellen“, entgegnete der Rathauschef. Allerdings habe die Verwaltung die Bahn wegen der schlechten Beschilderung bereits kontaktiert. Noch im November werde es dazu einen Ortstermin mit Gemeindemitarbeitern, Polizei und Vertretern der Bahn geben.

Welche Lösung es für den Übergang geben könnte, ist da schon eine kompliziertere Frage. Der Vorschlag einer Umzäunung fiel bei den Gemeinderäten aus mehreren Gründen durch. „Wir sind gegen einen Zaun. Da gibt es Leute, die dann rüber klettern“, meinte etwa Millers Fraktionskollege Karlheinz Vogelsang. „Wenn es einen Zaun geben soll, dann sehe ich da ganz klar die Bahn in der Pflicht“, stellte Anton Fritzmaier (CSU) klar. Wenn die Gemeinde dafür aufkommen muss, müsste sie sowohl den Zaun auf der gesamten Strecke beidseitig errichten als auch warten. „Und es gibt nichts Schlimmeres als einen beschädigten Zaun“, so Fritzmaier weiter. Dass die Bahn einen Zaun bezahlen würde, sei nicht zu erwarten, erklärte der Bürgermeister. „Das Thema ging mal bis zur Spitze der Deutschen Bahn. Da hieß es, die Bahn ist nicht in der Lage, ihre ganze Strecke zu umzäunen“, verdeutlichte Straßmair.

ÜWG-FW/Bürgerforum sprach sich klar für eine Unterführung aus. Aus ihrer Sicht sei eine Untertunnelung durch Absenkung von Fuß- und Radweg auf beiden Seiten technisch realisierbar. „Es geht darum, jetzt wirklich Nägel mit Köpfen zu machen“, betonte Vogelsang.

Unterführung soll erneut debattiert werden

Auch Regina Wenzel (SPD) sah in einer Unterführung die sinnvollste Lösung. „Die Leute gehen an der Stelle drüber, weil da einfach Weg zwischen Riemerling West und Ost fehlt. Dort kann nur eine Unterführung langfristig Abschaffung leisten“, so Wenzel. Spätestens mit dem möglichen Bau einer Realschule sei das Thema Unterführung unumgänglich, meinte Fritzmaier. Seiner Meinung brauche es aber zuerst eine Machbarkeitsstudie zum Bau einer Unterführung, die der Bahn vorgelegt werden kann. „Erst wenn wir wissen, wie es funktionieren kann, müssen wir mit der Bahn sprechen“, verdeutlichte der CSUler. Der zweigleisige Ausbau der S7 stehe dem zumindest nicht im Wege, wie der Rathauschef erklärte: „Ein zweites Gleis sehe ich in den nächsten zehn Jahren sicherlich nicht.“ Dass die Bahn dem Bau einer Unterführung zustimmt, sei nur unter zwei Bedingungen wahrscheinlich, wie Leiter der Bautechnik Stefan Forster erklärte: „Die Bahn wird den Bau erlauben, wenn wir es bezahlen und die Grundstücke zur Verfügung stellen.“

Benno Maier (CSU) hatte einen weiteren Vorschlag, wie die Gefahrenstelle behoben werden kann. Er stieß damit aber auf keine Zustimmung. Der Christsoziale schlug vor, den Bewuchs an der Strecke bis zur Bebauung in Riemerling frei zu halten. So könnten Passanten wie Zugführer die Strecke besser einsehen. „Ich finde es fast schon zynisch, noch eine Anregung zu schaffen, dass die Leute leichter die Gleise überqueren können“, empörte sich Mechthild Heinmüller (SPD) .

Bürgermeister Straßmair präsentierte dem Gremium einen Vorschlag, auf den sich letztendlich einstimmig geeinigt wurde. In einer Bauausschusssitzung soll sich dem Thema ausführlich gewidmet werden. Es soll aufgezeigt werden, welche Möglichkeiten seit den 1980ern untersucht wurden und woran sie gescheitert sich. „ich habe Experten im Haus, Bautechniker und Bauningenieure. Wir wollen schauen, wo die Knackpunkte liegen“, so der Rathauschef. Iris Janda

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