Die Weihnachtsgeschichte im Wohnzimmer

Detailgetreue Krippe im Münchner Landkreis im Privatbesitz

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Der Verkündigungsengel erscheint Maria. Besonders fein und ausdrucksstark geschnitzt sind Hände und Gesicht, die Kulisse ist bis ins kleinste Detail liebevoll maßstabsgetreu dekoriert.

Weihnachtszeit ist Krippenzeit. Dabei reicht die Bandbreite von einer lebendigen Krippe zu klein- bis großformatigen Panoramen in Kirchen, Museen, öffentlichen Gebäuden und auch in Privathäusern.

In privaten Krippen stellen die Figuren meist nur das Geschehen am Heiligabend nach, mit Maria, Joseph und dem Jesuskind sowie als weiteren Figuren den heiligen drei Königen, Esel und Ochs. Insofern stellt diese Krippe, die in einem Privathaushalt im Landkreis München steht, schon eine Besonderheit dar. Sie wird vom ersten Advent bis Ostern mit mehrfach wechselnden Szenen bestückt. Im Wohnzimmer ist dafür im Schrank eigens eine Nische reserviert, in die die verschiedenen Schaubilder dekoriert werden.

Die Szenen reichen von Mariae Verkündigung über die Herbergssuche, die Geburt Jesu und die Anbetung durch die heiligen drei Könige, der Flucht nach Ägypten (Maria Lichtmeß) bis zur Darstellung Jesu als „Guter Hirt“ mit Schafen. Einige Wochen vor Ostern wird die Krippe dann abgebaut. Krippen, die wie diese von der Adventszeit bis zum Dreikönigsfest reichen, nennt man „Weihnachtskreiskrippe“ im Gegensatz zu Jahres- krippen, die das ganze Kirchen- jahr abbilden.

Jede der fünf bis sechs Szenen hat dabei ihre eigenen Charaktere und ihr eigenes Zubehör. Die stummen Akteure nehmen in jeder Szene eine andere Stellung ein, selbst das Hintergrundbild wird gewechselt. An die zwanzig verschiedene Figuren kommen zum Einsatz: Maria und Josef, das Christuskind in der Krippe, der Verkündigungsengel, Esel, Ochs, Ziegen und Schafe, die heiligen drei Könige und der Herbergsvater.

Auffällig ist im gesamten Arrangement die besondere Detailgetreue: die Figuren stammen von dem bekannten Holzbildhauer Josef Hien aus Ottobrunn, dessen Werke auch in Kirchen und im bayerischen Nationalmuseum zu bewundern sind. Kopf, Füße und Hände sind aus Lindenholz besonders feingliedrig und ausdrucksstark gearbeitet. Aber auch die Kulissen, Ausstattungsgegenstände und die Kleidung der Figuren sind allesamt handgeschreinert und handgenäht. Hier haben in liebevoller Detailarbeit die Krippenliebhaber, ein Malermeister und eine Schneiderin zusammengearbeitet. „Um ein maßstabsgetreues Gras zu erhalten, habe ich extra die Sorte Schattengras angebaut. Die Halme sind fünf mal dünner als herkömmliches Gras, dann stimmen die Proportionen“ erzählt der Besitzer. Als Hintergrundbilder sind der Wallberg oder Tegernsee abgemalt, nach einem Originalfoto: es ist ja auch „eine bayerische Krippe“ sagt er mit einem Schmunzeln. Auch wird jede Szene jedes Jahr etwas anders gestellt. Im Fotoalbum sind die einzelnen Jahre dokumentiert, eine Lieblingsszene wird jedes Jahr fotografiert und als Weihnachtskarte verschickt. 

Claudia Engmann

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