Es sollte nicht zum guten Ton gehören, dass wir um unsere Mitmenschen einen großen Bogen machen

Die derzeitig notwendige Distanzierung fühlt sich nicht gut an

Überall wird darauf aufmerksam gemacht, wie wichtig es ist, den Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten.
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Überall wird darauf aufmerksam gemacht, wie wichtig es ist, den Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten.

Landkreis – Was wäre, wenn wir auch nach der Corona-Zeit weiter ein bisschen „Social Distancing“ betreiben? Also räumlich auf Abstand gehen: Dann würde uns beim Anstehen an der Supermarkt-Kasse der Hintermann nicht ins Genick hauchen oder ganz langsam und immer fester den Einkaufskorb in den Rücken drücken. Oder im öffentlichen Berufs- verkehr: Da könnte sich ein Pendler daran gewöhnen, acht Plätze für sich zu haben. Doch wer in Corona-Zeiten mal eine U-Bahn betreten und gespürt hat, wie er von den anderen beäugt wird, ob er nicht etwa eine Virenschleuder sei, der wünscht sich die Zeit zurück, in der man im Kuschelkurs durch die Stadt zur Arbeit gegondelt wurde. 

Diese derzeitige Distanzierung fühlt sich nicht gut an. Ich, geboren und aufgewachsen in München, vermisse das in dieser Stadt gerne praktizierte Bussi- Bussi keineswegs. Gleiches gilt für so manchen feuchten Händedruck. Aber: Es ist als nächster Schritt von „Smart Distancing“ die Rede. 

Doch derzeit fühlt es sich weder clever noch richtig an, wenn einem jemand, der einem auf der Straße entgegenkommt, einen großen Bogen um einen herum macht und einen überdies mit einem skeptischen Blick straft. Oder wenn Mütter im Park ihre kleinen Kinder bei einer zufälligen Begegnung mit einem anderen Kind mit den Worten „Abstand halten!“ zurückpfeifen. Früher schnappte man so etwas wie „Finger aus der Nase!“ auf. In der Zurechtweisung indes, Abstand zu halten, steckt die Erziehungsmaxime, dass Kinder lernen, anderen aus dem Weg zu gehen. Die soziale Distanzierung ist selbstverständlich eine notwendige Maßnahme zur Eindämmung einer Pandemie. 

Dennoch zuckt man zusammen, wenn sich das räumliche und soziale Abstand-Halten in den Sprachgebrauch schleicht und ein Sich-Freudig-Annähern in die Kategorie „So etwas tut man nicht“ fällt. Im Film „Dirty Dancing“ mag es charmant klingen, aber man sollte dem Nebenmann im Alltag nicht ständig verklickern, dass dies „mein Tanzbereich“ und da drüben „dein Tanzbereich“ ist. Da wäre es mir ja doch fast wieder lieber, wenn ich in dem Drängler hinter mir in der Schlange an der Supermarktkasse ein dickes Bussi auf die Backe schmatzen darf, um ihm meine Freude zu zeigen, dass es ohne Abstand einfach besser ist!

Verena Rudolf

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