Ein wichtiges Signal für die Volkshochschulen

Rettungsschirm für Erwachsenenbildung in Bayern

Viele Erwachsene belegen bei einer Volkshochschule Sprachkurse. Seit diesem Wochenende dürfen die Volkshochschulen in Bayern wieder öffnen.
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Viele Erwachsene belegen bei einer Volkshochschule Sprachkurse. Seit diesem Wochenende dürfen die Volkshochschulen in Bayern wieder öffnen.

Landkreis – „Bildung ist kein Luxus in Krisenzeiten, sondern ein öffentliches Gut und bitter notwendig.“ Das schreiben die elf Volkshochschulen aus dem Landkreis München in einer gemeinsam verfassten Pressemitteilung unter dem Titel „Volkshochschulen in Not“. Am Dienstag sicherte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder den Volkshochschulen und Erwachsenenbildungseinrichtungen ein Förderprogramm in Höhe von 30 Millionen zu. Ein langersehnter Rettungsschirm für Einrichtungen, die um ihre Existenz bangen.

Helfen Grenz- und Schulschließungen, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen? Was kann der Einzelne tun, um sich gut zu schützen? Diesen Fragen hat der Wissenschaftsjournalist Felix Hütten interessierten Vhs-Gästen in einem Vortrag bereits Mitte März zu beantworten versucht. Seinen Vortrag hielt er online, über den Youtube-Kanal des Bayerischen Volkshochschulverbandes. Denn die Einrichtungen zur Erwachsenen- und Weiterbildung sind seit Mitte März geschlossen. Corona hat dafür gesorgt, dass Sprachkurse, Malkurse oder Vorträge in Präsenzform nicht stattfinden konnten. 

Die Pandemie hat den Vhs-Betrieb — bis auf das Online-Angebote — brachgelegt. Elf Volkshochschulen gibt es allein im Landkreis München. Zirka 3000 Dozenten unterrichten freiberuflich, über 155 Mitarbeitern sind an den Volkshochschulen beschäftigt, etwa 180.000 Teilnehmer bilden sich für gewöhnlich an diesen elf Einrichtungen fort. Gemeinsam machten diese elf Vhs-Einrichtungen Anfang der Woche in einer Pressemitteilung darauf aufmerksam, dass sie sich derzeit in ihrer Existenz gefährdet sehen. Bis zu Zwei- drittel der Gesamteinnahmen machen die Teilnehmer-Entgelte aus, erklärt Christof Schulz, Geschäfsführer der Vhs Südost. 

Während bereits angedeutet wurde, dass Thea- terhäuser ab Mitte Juni unter strengen Hygiene- und Abstandsauflagen wieder öffnen dürfen, vermissten die Volkshochschulen lange Zeit eine Öffnungsperspektive. „Alleine im Landkreis München sind dadurch Einnahmen von freiberuflichen und festangestellten Mitarbeiterinnen von über neun Millionen Euro jährlich dauerhaft gefährdet“, so Schulz. Warum sie bei den Lockerungen und schrittweisen Öffnungen bisher nicht berücksichtigt wurden, können die elf Landkreis-Volkshochschulen nicht nachvollziehen: Sie hätten Hygiene- und Raumkonzepte erarbeitet. Dennoch sind sie sich dessen bewusst, dass „es kein schnelles Zurück in die Zeiten vor Corona geben wird“, heißt es in der gemeinsamen Pressemitteilung.

Förderprogramm in Höhe von 30 Millionen Euro Am Dienstagmittag nun teilte der bayerische Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) mit, dass die Volkshochschulen und andere Einrichtungen der Erwachsenenbildung ab Samstag, 30. Mai, wieder öffnen dürfen. Und in der Pressekonferenz nach der Kabinettssitzung sprach Bayerns Ministerpräsident Markus Söder der Erwachsenenbildung ein spezielles Förderprogramm in Höhe von 30 Millionen Euro in der Corona-Krise zu. 

Davon sollen auch dort tätige Solo- Selbständige profitieren. Denn: Auch wenn der Kurs- betrieb nun wieder aufgenommen werden kann, wird es zunächst aufgrund der Hygienemaßnahmen kleinere Gruppen geben. Die Landkreis-Volkshochschulen gehen zudem davon aus, dass es auch noch im Herbst weniger Buchungen geben könnte. Haupt- finanzquelle sind aber die Einnahmen mit 40 Prozent, hinzu kommen mit 29 Prozent die kommunalen Zuschüsse, sechs Prozent machen die Landeszuschüsse aus und 25 Prozent setzen sich aus sonstigen Einnahmen zusammen. 

Mit der veränderten Situation durch Corona rechnen die Volkshochschulen daher mit Entlassungen und Insolvenzen. „Eine über 100-jährige flächendeckende Struktur der Erwachsenenbildung droht zu verschwinden“, heißt es in ihrer Mitteilung. Und weiter: „Die Investition in Volkshochschulen ist eine Investition in die Zukunft. Daher bedarf es einer gemeinsamen finanziellen Anstrengung von kommunaler Seite und auf Landesebene, um das bestehende, gut funktionierende System der Volkshochschulen in Bayern zu retten!“ 

Unabhängig aber davon, dass die Volkshochschulen nun wieder nach und nach Präsenzveranstaltungen anbieten dürfen, ist ihnen bewusst, wie wichtig es ist, Erwachsene in ihrer digitalen Qualifizierung zu unterstützen. Das bayernweite Online-Programm „vhs.daheim“, das kostenfrei und jederzeit abrufbar ist, hat sich in der Corona-Krise bewährt.

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