Zwergerl in finanzieller Not

Zwergerlstube in Höhenkirchen-Siegertsbrunn bittet um Spenden

Die Zwergerlstube in Höhenkirchen-Siegertsbrunn ist um jede Hilfe dankbar.
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Die Zwergerlstube in Höhenkirchen-Siegertsbrunn ist um jede Hilfe dankbar.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Die Corona-Pandemie trifft viele Branchen wirtschaftlich schwer. Bei der Kinderbetreuung unterstützt die Bayerische Staatsregierung die Einrichtungen durch einen Beitragsausgleich. Doch nicht alle Betreuungsstätten fallen unter diese Förderung. So auch die Zwergerlstube in Höhenkirchen-Siegertsbrunn, die nun in finanzielle Schief­lage geraten ist.

Erst im Januar präsentierte die Zwergerlstube Höhenkirchen-Siegertsbrunn stolz ihre neuen Räumlichkeiten am Hart 6. Nachdem in den vergangenen Jahren lange nach einem neuen Standort gesucht wurde, sollte es nun wieder bergauf gehen. Doch die Corona-Pandemie machte einen Strich durch die Rechnung. Mitte März wurde die Zwergerlstube, die einen Spielkreis und Eltern-Kind-Gruppen anbietet, wie alle Betreuungseinrichtung geschlossen. 

Während Kindergärten, Kitas und Tagesmütter nun stufenweise wieder öffnen dürfen, bleibt die Kurzbetreuungseinrichtung in Höhenkirchen geschlossen. Als solche fällt sie nicht unter die von der Landesregierung schrittweise durchgeführten Lockerungen. Aber nicht nur das: Weil diese Form der Kinderbetreuung nicht unter das Bayerische Gesetz zur Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern in Kindergärten, anderen Kindertageseinrichtungen und in Tagespflege (BayKiBiG) fällt, werden die ausgefallenen Beiträge nicht ausgeglichen.

„Es gibt keine Beitragsübernahme, aber arbeiten dürfen wir auch nicht“, resümiert Britta Werhahn bitter. Die Leiterin der Zwergerlstube hat sich direkt an die Staatsregierung, mehrere Landtagsabgeordnete und die Regierung Oberbayern gewandt. „Leider alles nur Absagen“, meint Werhahn enttäuscht. Die Begründung sei jedes Mal, dass nur die durch das BayKiBiG geförderte Einrichtungen unterstützt werden.

Hilfe der Mitbürger ist gefragt 

An Aufgeben ist für die Zwergerl aber nicht zu denken. Mit einem Spendenaufruf wollen sie ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Seit Mitte Mai können hilfsbereite Unterstützer auf der Plattform „GoFundMe“ Spenden abgeben. Egal, ob 5 Euro, 10 Euro oder mehr, jeder Betrag hilft den Zwergerln. Bislang sind auf der Webseite 1490 Euro zusammengekommen. 

„Dafür sind wir schon unheimlich dankbar, wir freuen uns über jeden Cent“, sagt die Einrichtungsleiterin. Eine weitere große Hilfe ist der Zuschuss, den sie von der Spendenaktion „WeKickCorona“ erhalten haben. Durch das von den FC Bayern-Spielern Joshua Kimmich und Leon Goretzka initiierte Projekt, an dem sich viele weitere Promis beteiligen, konnten bisher fünf Millionen Euro gesammelt werden. Diese werden an viele kleine Vereine, Einrichtungen und Organisationen verteilt. Trotz der Unterstützung sind die Zwergerl noch weiter auf Hilfe angewiesen. 

„Wir haben viele laufende Kosten wie etwa das Personal. Dazu kommt, dass uns die Einnahmen aus dem Frühjahrsbasar fehlen, der im März abgesagt werden musste“, erklärt Werhahn. Ob und in welcher Form der Herbstbasar stattfinden könne, sei noch fraglich. Sie hoffe, dass über die Spenden der Mitbürger mindestens 5000 Euro zusammen kommen. „Das würde uns wirklich sehr weiterhelfen“, erzählt sie. 

Die Aprilbeiträge seien zwar trotz Schließung im März noch abgebucht worden. Aber falls sie durch weitere Lockerungen im Juli wieder öffnen können, werde der Juli als Ausgleich nicht berechnet. Und im August werden dann ohnehin wegen der Ferien keine Gebühren erhoben. „Sonst haben wir den fehlenden August immer über die anderen Monate aufgefangen, aber die fehlen dieses Jahr.“ Besonders um Kündigungen beim Betreuungspersonal zu vermeiden, ist die Einrichtung auf Hilfe angewiesen. „Wir wollen auf keinen Fall kündigen. Wie in allen Betreuungseinrichtungen ist es total wichtig, das Personal zu halten“, verdeutlicht Werhahn. 

Auch damit im September wieder mit neuen Kindern voll durchgestartet werden kann: „Wir brauchen dann unser gewohntes Personal und wollen nicht erst nach neuen Mitarbeitern suchen und diese einarbeiten.“ Auch für die Kinder ist es besonders wichtig, auf bekannte Gesichter zu treffen, weiß die Zwergerl-Leiterin: „Die Kinder waren drei Monate nicht bei uns. Ich weiß nicht, wie sie reagieren. Dem ein oder anderen wird die Umstellung sicher schwer fallen.“ Zumindest was die Kosten für das Personal betrifft, gibt es für die Zwergerlstube gute Nachrichten. 

„Wir übernehmen als Gemeinde das Gehalt für die Angestellten“, erklärt Höhenkirchens Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) nach einem Gespräch mit AWO Kreisverbands-Vorstand Michael Germayer. „Uns ist als Gemeinde durchaus bewusst, wie wertvoll die Zwergerlstube bei der Kinderbetreuung im Ort ist“, so die Rathauschefin weiter.

Gemeinde springt bei Personalkosten ein 

Auch wenn die Einrichtung tatsächlich weiterhin nicht öffnen könne, gebe es, etwa bei der Gestaltung der Räume oder im Garten des kürzlich bezogenen Hauses, andere Aufgaben für die Mitarbeiter. Auch Konwitschny könne nicht absehen, wann die Zwergerl wieder öffnen dürfen: „Wir können von Gemeindeseite da leider gar nichts sagen. Es ist eine Zwischenform, die unter die Kontaktbeschränkungen für private Haushalte fallen. Wir können nur hoffen, dass es für diese Betreuungsform Ausnahmeregelungen wie etwa für Kulturschaffende geben wird.“ 

Am liebsten wäre Werhahn, wenn sie bereits im Juli anfangen können, „zumindest schon mit den sieben Kindern, die im Herbst in den Kindergarten kommen. Die sind schon so lange bei uns und ich möchte, dass sie einen schönen Abschluss haben.“ Jetzt, wo bereits Indoorspielplätze und Abenteuerparks wieder geöffnet haben, sei es kaum noch nachvollziehbar, dass die Kurzbetreuung geschlossen bleiben muss. „Es ist den Eltern kaum mehr klar zu machen, warum wir nicht öffnen dürfen“, meint Werhahn. 

An den Zwergerl liegt es jedenfalls nicht. „Wir haben ein Hygienekonzept aufgestellt und können von heute auf morgen anfangen“, erzählt sie. Egal wann der Betrieb wieder los geht – es wird nicht sein, wie zuvor. Das gemeinsame Singen und die Bewegungsspiele fallen weg. Gerade das, was den Kindern besonders viel Spaß macht. Werhahn weiß: „Vom Alltag sind wir noch weit entfernt.“ 

Iris Janda


Wer die Zwergerlstube in Höhenkirchen-Siegertsbrunn unterstützen möchte, kann dies im Internet unter der Webseite https://www.gofundme.com/f/zwergerlstube-hksbr oder per Überweisung an AWO Kreisverband München-Land e.V., IBAN: DE82 7025 0150 0028 7022 31, BIC: BYLADEM1KMS.

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