Chance aus der Krise

Thomas Loderer, erster Bürgermeister der Gemeinde Ottobrunn

Ottobrunns 1. Bürgermeister zum Jahreswechsel

VON THOMAS LODERER Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, in diesem Jahr durfte ich wieder viele Menschen aus Ottobrunn und Umgebung im Rahmen unserer Bürgerehrung für ihr ehrenamtliches Engagement auszeichnen. Teilweise schon seit Jahrzehnten engagieren sich Mitbürgerinnen und Mitbürger für ihre und unsere Gemeinschaft. Es ist nicht immer spektakulär, was sie tun. Aber oft sind es gerade die unscheinbaren, von treuen und zuverlässigen Menschen erledigten Dienste, die ein Gemeinwesen im Innersten zusammenhalten. Das Jahr 2011 war ein ereignisreiches Jahr, in dem Ottobrunn in vielen Bereichen ein gutes Stück vorangekommen ist. Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass auf dem Gebiet des Technologie- und Innovationsparks (TIP), allerdings vorerst ausschließlich auf Taufkirchener Gemeindegebiet, ein so genannter Bavarian International Campus Aerospace and Security (BICAS) entstehen soll. Dem Wortungetüm liegt die hervorragende Idee zu Grunde, die Potenziale und das Know-how der Unternehmen EADS und IABG sowie entsprechender Forschungseinrichtungen der TU München, der Universität der Bundeswehr in Neubiberg, der Hochschule München sowie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und des Forschungsinstituts Bauhaus Luftfahrt e.V. im Bereich der Luft- und Raumfahrt zu bündeln. Diese Idee deckt sich voll und ganz mit meiner Vision für den Hochtechnologiestandort Ottobrunn/Taufkirchen, für die ich jahrelang intensiv bei Unternehmen und Politikern geworben habe. BICAS hat das Potenzial, zu einem Leuchtturmprojekt mit großer Strahlkraft zu werden. Dem ersten Schritt der Ankündigung müssen jetzt allerdings viele weitere große Schritte folgen. Insbesondere hoffe ich, dass die Gemeinde Taufkirchen ihre Pläne zur Ansiedlung von Einzelhandelsunternehmen nördlich der B471 nun endgültig aufgibt, weil diese für den Erfolg des BICAS völlig kontraproduktiv sind. Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit zeichnete sich beim im Ottobrunner Teil des TIP-Geländes ansässigen Brennstoffzellen-Unternehmen MTU Onsite Energy seit Ende 2010 eine höchst unerfreuliche Entwicklung ab. Die Muttergesellschaft Tognum AG hat nämlich beschlossen, das Geschäft mit der in Ottobrunn entwickelten stationären Brennstoffzelle – sie produziert Strom im Megawatt-Leistungsbereich – nicht weiter zu verfolgen. Ein Großteil der rund 90 Mitarbeiter wurde bereits entlassen. Die weitere Konsequenz könnte sein, dass neuwertige technische Anlagen und Ausstattungsgegenstände im Wert von über 30 Millionen Euro, deren Anschaffung fast ausschließlich mit öffentlichen Geldern gefördert wurde, abgebaut und sprichwörtlich auf den Schrotthaufen geworfen werden. Seit über einem Jahr stemme ich mich mit aller Kraft gegen diese Entwicklung, die im Zeichen der von der Politik beschlossenen Energiewende geradezu aberwitzig erscheint. Und tatsächlich gibt es ein Hoffnungszeichen. So ist es mir mit externer Unterstützung – unter anderem durch Vermittlung eines Ottobrunner Bürgers – gelungen, das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme (Fraunhofer IKTS) mit Sitz in Dresden und das US-Unternehmen FuelCell Energy zusammen zu bringen. Beide Partner wären grundsätzlich bereit, die Brennstoffzellenaktivitäten von MTU Onsite Energy fortzuführen und sogar auszubauen. Das Fraunhofer IKTS, eines der größten Fraunhofer-Institute, würde in Ottobrunn zusätzlich gerne eine Projektgruppe ansiedeln, die sich der Erforschung und Entwicklung von Hochleistungsbatterien für den stationären Einsatz widmet. Dazu ist aber zwingend eine Unterstützung durch die Landespolitik nötig. Hier könnte aus einer lokalen Krise eine echte Zukunftschance für Ottobrunn und für Bayern und Deutschland werden! Ich bleibe dran! Im August durfte ich als Vorsitzender des Schulzweckverbands das neue Gymnasium in Höhenkirchen-Siegertsbrunn inklusive Dreifachturnhalle vom Erbauer Hochtief abnehmen – nach nur 16-monatiger Bauzeit. Davor galt es, den Umzug des Gymnasiums Neubiberg in das neue Schulgebäude in Höhenkirchen zu organisieren. Hierfür war es notwendig, neben dem neuen Hauptgebäude zusätzlich eine Container-Schule zu errichten. Dass bei einem derartigen organisatorischen und logistischen Gewaltakt vereinzelt Probleme auftreten, ist normal. Doch kein Vergleich zu der Situation, in der sich die Schulfamilie des Gymnasiums Neubiberg befände, müsste der Schulbetrieb auf einer Großbaustelle in einer laufenden Asbestsanierung stattfinden. Das Thema „Schulen“ bleibt ein Dauerbrenner. So arbeiten Architekten und Bauingenieure derzeit intensiv an der Planung für die Generalsanierung der Grundschule an der Albert-Schweitzer-Straße („Schule III“), die im kommenden Jahr anläuft. Im Kern geht es bei den Baumaßnahmen darum, bauaufsichts- und brandschutzrechtliche Auflagen zu erfüllen und den Gebäudekomplex für die Anforderungen einer Ganztagesschule fit zu machen. Dazu gehört insbesondere der Bau einer Mensa. Außerdem soll die durch den gleichnamigen Verein organisierte Mittagsbetreuung in Zukunft deutlich mehr Platz bekommen. In Großbaustellen werden sich in den kommenden Jahren auch die Carl-Steinmeier-Mittelschule (CSM) und das Gymnasium Ottobrunn (GO) verwandeln. Neuer Sachaufwandsträger für die CSM ist seit diesem Jahr nicht mehr die Sitzgemeinde Hohenbrunn, sondern ein neu gegründeter Schulverband, dem die Gemeinden Hohenbrunn, Ottobrunn, Neubiberg und Putzbrunn als Mitglieder angehören. Obwohl die anstehenden Baumaßnahmen vier Gemeinden angehen, ist Ottobrunn finanziell mit Abstand am stärksten davon betroffen, weil aus unserer Gemeinde mit rund 43 Prozent die meisten Schüler kommen. Ähnlich verhält es sich am GO, das zu rund einem Drittel von Ottobrunner Kindern und Jugendlichen besucht wird. Während bei der CSM noch nicht klar ist, ob eine Generalsanierung oder ein Neubau erfolgt, ist diese Frage im Falle des GO längst entschieden: Der alte zentrale Bauteil, sozusagen das Herzstück des Gymnasiums, wird abgerissen und neu gebaut. An beiden Schulen soll mit den Maßnahmen im Herbst 2013 begonnen werden. Angesichts der noch anstehenden Schulbaumaßnahmen ist es ein kleiner Trost, dass für die umfangreichen Sanierungs-, Erweiterungs- und Umbaumaßnahmen an der Grundschule an der Lenbachallee („Schule II“) 2012 ein Ende absehbar ist. Dies gilt auch für die Realschule Neubiberg, wo noch das Dach der alten Turnhalle erneuert werden muss. Damit der Baumaßnahmen nicht genug. Noch im Sommer/Herbst des Jahres 2012 werden wir mit dem Bau der neuen Kinderkrippe bzw. des neuen Kinderhauses am Haidgraben 13 (Westseite des Hans-Kress-Waldes) beginnen. Ein Architektenwettbewerb hat bereits stattgefunden und sehr gute Ergebnisse geliefert. Eine deutliche Verbesserung in Sachen Kinderbetreuung wird im kommenden Jahr auch der Neubau eines neuen Gemeindezentrums der Freien evangelischen Gemeinde (FeG) an der Rosenheimer Landstraße, Ecke Bahnhofstraße bringen. Durch eine Vereinbarung mit der FeG konnte erreicht werden, dass im neuen Gemeindezentrum künftig auch die Großtagespflege des Tollhaus e.V. Unterschlupf findet. Diese Einrichtung ist derzeit in einem der Gemeinde gehörenden Haus in der Gartenstraße untergebracht. Dieses ist jedoch in einem so schlechten Zustand, dass es wirtschaftlich nicht mehr sanierungsfähig ist. Neues wird schließlich im Jahr 2012 auch auf dem Grundstück Haidgraben 12 entstehen, auf dem früher das Haus für Wohnungsnotfälle stand. So wird die Baugesellschaft München-Land (BML), an der die Gemeinde Ottobrunn beteiligt ist, dort ein Haus mit voraussichtlich zwölf preisgünstigen Wohnungen errichten. Zunächst soll das Haus als Ausweichquartier für Bewohner der ebenfalls der BML gehörenden Josef-Seliger-Siedlung dienen, die dort im Zuge der voraussichtlich 2013 beginnenden mehrjährigen Neubautätigkeiten aus ihren Wohnungen ausziehen müssen. Am Ende wird es in der „neuen“ Josef-Seliger-Siedlung rund 170 Wohnungen geben – mehr als bisher. Erfreulicherweise konnte in diesem Jahr auch für unsere Jugendlichen etwas erreicht werden: So wurden im Fun-Park, einem Gemeinschaftsprojekt der Gemeinden Unterhaching, Neubiberg und Ottobrunn, die neue Skater-Anlage sowie zwei Streetball-Plätze in Betrieb genommen. Auch das Beachvolleyballfeld wurde mit tatkräftiger Unterstützung durch die Belegschaft der Unterhachinger Firma Wrigley wieder Instand gesetzt. Im Ottobrunner Sportpark hat die Gemeinde Ottobrunn zwischen Eisstadion und Kunstrasenplatz einen neuen Basketballplatz angelegt, der ab nächstem Frühjahr bespielt werden kann. Schließlich wurden und werden das Alte Wasserwerk am Ranhazweg (Burschenvereinsheim) sowie das Jugendzentrum Einstein (Kreisjugendring München-Land) zum Teil neu errichtet beziehungsweise umgebaut. Sowohl die Burschen als auch einige jugendliche Besucher des Einstein haben bei den Arbeiten selbst mit Hand angelegt, wofür ich diesen meine Anerkennung aussprechen möchte. Abschließend bedanke ich mich bei allen meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren großen Einsatz, ihre Kollegialität und Loyalität. Auch die Zusammenarbeit im Gemeinderat und seinen Ausschüssen war über die Parteigrenzen hinweg meist von Sachlichkeit und Fairness geprägt. Dafür bin ich sehr dankbar. Danken möchte ich auch allen ehrenamtlich tätigen Mitbürgerinnen und Mitbürgern und allen, die mir viele gute Anregungen für meine Arbeit gegeben haben. Ihnen und Ihren Familien wünsche ich persönlich und im Namen des Gemeinderats und der Gemeindeverwaltung für 2012 alles erdenklich Gute, vor allem Gesundheit! Es grüßt Sie herzlich Ihr Thomas Loderer Erster Bürgermeister

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