Zu Carmen Rohrbachs Lesung in Putzbrunn

Die Einsamkeit in Kanada genießen

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Die selbstgewählte Einsamkeit ist für Carmen Rohrbach ein großes Abenteuer.

Carmen Rohrbach will zeit ihres Lebens die Welt entdecken. Das hat sie auch. Rohrbach hat Länder wie den Jemen oder Namibia bereist, sie war monatelang in der Mongolei unterwegs oder erkundete zu Fuß Patagonien. Meist ist sie allein unterwegs. Nun hat Rohrbach sich einen großen Traum erfüllt. „Ich möchte wie immer am Rande der Existenz in einer kanadischen Blockhütte in der Provinz British Columbia überwintern“, erzählte die Reiseschriftstellerin HALLO vor zwei Jahren. Ihre unbändige Abenteuerlust und ihre Sehnsucht nach besonderen Erlebnissen haben ein weiteres Mal dafür gesorgt, eine besondere Reise zu unternehmen. „Mein Blockhaus in Kanada — Wie ich mir dem Traum von Wildnis und Einsamkeit erfüllte“ heißt ihr Anfang September erschienener Reisebericht über ihr Kanada-Abenteuer. Aus diesem neuen Buch liest die Autorin am Donnerstag, 24. Oktober, in Putzbrunn. Das Reisen in ferne Länder war für Rohrbach als junger Mensch nicht selbstverständlich. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie in der ehemaligen DDR, einem Staat, der den Freiheitsdrang seiner Bürger nicht gerade unterstützte. „Lange habe ich das gar nicht so richtig wahrhaben wollen und habe das eher verdrängt“, erzählt Rohrbach. Sie studierte Biologie und träumte als Studentin davon, ferne Länder zu erforschen und fremde Tiere zu beobachten. Das DDR-Regime untersagte ihr nach ihrem Studium-Abschluss jedoch das Reisen. So fasste Rohrbach einen sehr mutigen Entschluss: Über die Ostsee bei Nienhangen in der Nähe von Rostock aus wollten sie in einem kajakförmigen Schlauchboot aus der DDR nach Dänemark flüchten. Der Fluchtversuch nahm kein gutes Ende. Ein Küstenschutzboot entdeckte die Flüchtende und brachte sie zurück in die DDR. Für Rohrbach bedeutete dies zwei Jahre Gefängnis. Gerettet haben sie in dieser Zeit, ihre Gedankenspiele und Träume. In ihrer Zelle ging Rohrbach so auch irgendwie auf Reisen. Überdies ist es für Rohrbach so, dass eine Reise nicht erst in dem Moment beginnt, in dem man sich auf den Weg macht. Wenn die Fantasie ihre Traumbilder produziert, nimmt die Reise ihren Anfang. So gehört für Rohrbach, eine Wissenschaftlerin, auch stets eine gute Vorbereitung dazu. Diese ist auch überlebenswichtig. Gerade bei einem Abenteuer wie dem in Kanada, bei dem Rohrbach ganz allein in einer Hütte mehrere Wochen im Winter leben möchte. Fernab jeglicher Zivilisation. Doch gerade dort, wo die Winde und Stürme um ihr Blockhaus toben, wo es teilweise tagelang heftig schneit, wo Pflanzen und Tiere leben, fühlt sich die Biologin „mitten in der Welt“. Das Alleinsein macht Rohrbach nichts aus. So schreibt sie, dass sie die Einsamkeit in der Wildnis Kanadas nicht zermürbe, da die Natur ihre schönste Unterhaltung sei. Natürlich sei auch sie gerne unter Menschen und möchte den Kontakt zu diesen niemals missen, doch sei eine „Auszeit, eine Dosis Abstand“ wichtig, „um sich selbst nicht zu verlieren, um die eigenen Gefühle zu ordnen“. Das Alleinsein tue fast allen Menschen gut, wenn es nur ein kurzer Zustand sei, sagt die Autorin. Rohrbach verbrachte mehrere Wochen in dem Blockhaus — ohne Radio, Fernsehen und Zeitung. Kein Telefon, kein Internet, nur ein Satelittentelefon für den Notfall oder um zu regeln, wann sie wieder abgeholt werden kann. Warum sollte sie auch mit anderen Dingen ablenken, wenn vor ihrem Blockhaus zum Beispiel zwei Elche stehen. Oder wenn sie einen Weißkopfseeadler oder Schneeziegen beobachten kann und nachts Wölfe heulen hört? „Es ist nicht so, dass ich dem bequemen Leben und dem Luxus unserer Welt überdrüssig wäre und mich deswegen in die Wildnis begeben habe“, betont Rohrbach. Mehrere Wochen fernab der Zivilisation zu leben, heißt für die Abenteuerin nicht, dass sie die westliche Welt ablehnt. „Mein Antrieb kommt allein aus dem Wunsch, eine Zeit lang der Natur nahe zu sein. Die Beschränkung auf das einfache Leben ergibt sich daraus automatisch. Sie ist nicht das Ziel, sondern ich nehme es in Kauf, eine Weile auf das Gewohnte zu verzichten.“ Und belohnt wurde sie auch in Kanada. Jede Begegnung mit einem Tier oder auch nur das Entdecken ihrer Fährten sind für Rohrbach ein riesiges Geschenk.

Verena Rudolf

Carmen Rohrbach liest am Donnerstag, 24. Oktober, um 19.30 Uhr in der Gemeindebücherei Putzbrunn an der Hohenbrunner Straße 3 aus ihrem Buch. Karten gibt es zu 9 Euro in der Gemeindebücherei oder in der Buchhandlung Lentner an der Hauptstraße 8 in Neubiberg.

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