Senft spricht sich für Zapfhahn im Rathaus und Bobby-Car-Sharing aus

Bürgermeisterkandidat Bernhardt Senft von Die PARTEI im Interview mit HALLO

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Warum nicht auch mal Bäume umarmen? Bernhard Senft, Bürgermeisterkandidat des Ottobrunner Ortsverbandes Die PARTEI/Piratenpartei geht gerne ungewöhnliche Wege.

Ottobrunn – Für Bernhard Senft soll es im März heißen: Von der Backstube ins Bürgermeisteramt. Der 23-Jährige Azubi, Sohn des Grünen-Ortsvorsitzenden Michael Senft, kandidiert auf Listenplatz eins der gemeinsamen Liste der Satirepartei Die PARTEI und der Piratenpartei um das Amt des Rathauschefs in Ottobrunn. Im Gespräch mit HALLO steht der Jungpolitiker mit den langen Haaren (nicht immer ernste) Rede und Antwort.

Herr Senft, kann sich die Verwaltung auf täglich frische Brezen freuen, sollten Sie ins Rathaus einziehen? 

Also von mir nicht (lacht). Aber ein Zapfhahn wäre praktisch. Den könnten wir einfach vom Wolf-Ferrari-Haus rüberlegen.

Was wäre denn dann Ihre erste Tat als frischgebackener Bürgermeister? 

Zuerst wird der Bürgermeister in Oberbürgermeister umbenannt. Herr Loderer (Otto­brunns derzeitiger Bürgermeister Thomas Loderer, Anm.d.Red.) mag es nämlich nicht, wenn man ihn so nennt. Und danach marschieren wir zuerst in Neubiberg und dann in Unterhaching mit der Bobby-Car-Armee ein und annektieren sie.

Das klingt nach ziemlich großen Plänen ... 

Und das ist nur der Anfang. Die U-Bahn wird bis zum Rathaus verlängert mit einer Haltestelle im Bürgermeisterbüro. Den U-Bahn-Tunnel können wir dann fluten und mit der U-Boot-Flotte in München einlaufen. Dann gäbe es Neuottobrunn und Unterottobrunn. Für München denke ich da an Großottobrunn.

Annexion hin oder her – Was wollen Sie für die Bürger tun? 

Zum Beispiel möchten wir das Flaschenpfand erhöhen, um die Altersarmut zu bekämpfen. Da könnte ein erster Testlauf in Ottobrunn stattfinden. Und natürlich braucht es ein Bobby-Car-Sharing-Netz am Ort.

Altersarmut bekämpfen und umweltfreundliche Verkehrsmitteln fördern – das sind im Grunde grüne Themen. Warum sind Sie Ihrem Vater nicht in die Partei gefolgt? 

Einige Sachen von den Grünen gefallen mir nicht. Das ist mir zu viel Fahrrad und zu wenig konkretes durchgreifen. Da muss mehr kommen.

Den Artenschutz für die Grünen, den Die PARTEI fordert, unterstützen Sie aber trotzdem? Schließlich ist Ihr Vater Ortsvorsitzender.

Natürlich, das ist ganz wichtig. Wir wollen die Grünen schützen, unter anderem vor sich selbst. Die sind immer ein bisschen verwoben in ihren eigenen Utopien. Deshalb sollte man sie nicht zwingend anfassen, sondern einfach vor sich hin machen lassen.

Wer sollte noch geschützt werden? 

Millionäre! Wir fordern für die ein Schutzgebiet im Englischen Garten. Dann wird die Isar trockengelegt und eine SUV-Spaßbahn darauf gebaut. Und die anderen Bürger können das Treiben dann von der Eisbach-Brücke aus beobachten.

Bei allem Spaß: Kann mit Satire überhaupt etwas in der Politik erreicht werden? 

Ja, auf jeden Fall. Die Politik, die wir machen wollen, ist tatsächlich ernst. Aber du kannst die Leute nur über die Satire erreichen und zum nachdenken bringen. Du musst sie irgendwo ärgern, dass sie dir überhaupt zuhören.

Denken die Wähler denn zu wenig nach? 

Die meisten wählen einfach, zum Beispiel die CSU, ohne zu schauen, was wirklich gemacht wird. Sie beschäftigen sich zu wenig mit den Parteien. Da muss man dagegensteuern und irgendwo seiner Meinung Luft machen.

Und warum sollten sich Wähler für Die PARTEI entscheiden? 

Weil sie gut ist (lacht). Es ist besser, wenn jemand uns wählt, als wenn er gar nicht wählt. Bei uns sind immer noch Leute, die für den Menschen einstehen und nicht für Kooperationen mit der Wirtschaft wie die Union.

Und wie „ärgern“ Sie die Bürger, um sie zu erreichen? 

Gut funktionieren Plakate auf der Straße. Zum Beispiel gab es bei den letzten Wahlen Plakate mit einer Muslima, die das bayerische Weiß-Blau als Kopftuch trug. Viele Leute haben sich darüber aufgeregt und indirekt geoutet, was sie eigentlich für Leute sind.

Aber gerade solche Menschen befinden sind doch in ihrer eigenen Filterblase gefangen und gar nicht empfänglich für politische Satire, oder? 

Wir versuchen, eben immer wieder in diese Filterblasen reinzustochern.

Und so gewinnen Sie Wähler? 

Naja, indem wir zum Beispiel aufzeigen, wie korrupt mancher Union-Politiker ist, verliert diese zumindest Wähler. Ob sie die an Die PARTEI verliert, weiß ich nicht. Die Hauptsache ist, dass kleine Parteien Stimmen gewinnen. Ich habe auch nichts dagegen, dass die Grünen aktuell so viel Erfolg haben. Es geht uns nur darum, die etablierten Großparteien, die so lange Jahre so miserable Politik gemacht haben, zu schwächen.

Nun haben Sie sich mit den Piraten – einer Kleinpartei, die einmal ernste Politik machen wollte – zusammengeschlossen. Funktioniert das?

Ja, auf jeden Fall. Wir profitieren gegenseitig voneinander. Die Piraten machen zukunftsorientierte Politik. Sie hatten nur bei ihren Anfängen keine Ahnung von politischen Strukturen. Da bringen wir Knowhow mit. Und es gibt natürlich ein besonderes Antrittsgeschenk.

Achja?

Piraten ohne Schiff geht nicht – deshalb bekommen sie von mir einen Flugzeugträger im Landschaftspark.

Der Altersdurchschnitt Ihrer gemeinsamen Kandidatenliste liegt bei 25 Jahren. Braucht es die Jungen, um etwas zu bewegen? 

Unbedingt. Die Generation 60 plus sollte keine Politik mehr machen. Das ist für mich die Generation „Nach mir die Sintflut“. Bei vielen lautet das Motto: „Es bleibt alles so, wie es ist, weil es ist ok und wir sterben dann ja eh“. Es werden die Probleme hunderttausend Mal durchgespielt und nichts geht voran. Nun ist aber die Zeit etwas zu machen.

Und was muss in Ottobrunn gemacht werden? 

Es braucht mehr Angebote für die Jungen. Und auch günstiger Wohnraum, zum Beispiel für Kinderbetreuer, muss her.

Keine leichte Aufgabe ... 

Doch, es müsste einfach nur die Ortsmitte weggesprengt werden, da schafft man Platz für billigen Mietraum. Und wenn wir Unterhaching annektieren, gibt es ja sowieso viel grüne Flächen, die wir nachverdichten können.

Das sind viele Pläne – aber Sie brauchen 180 Unterstützerunterschriften, um überhaupt auf den Wahlzettel zu kommen. Wie wollen Sie das schaffen? 

Das Problem ist, dass jede Unterstützerunterschrift im Einwohnermeldeamt abgegeben werden muss. Deshalb werde ich mit einem Kleinbus die Altersheime abfahren und den Senioren Kuchen versprechen, damit sie mit zum Unterschreiben fahren.

Sie als Bäcker servieren da sicher Selbstgebackenes oder? 

Genau, aber nur nachdem unterschrieben wurde (lacht). Nein, natürlich gibt‘s den Kuchen auch ohne Unterschrift bei Die PARTEI, ich will niemanden kaufen. Aber ich appelliere: geht ab Ende Dezember ins Rathaus und unterschreibt. Es ist egal, für welche Partei man das macht. Ich finde aber, man sollte Kleinpartei das Recht geben, Politik machen zu können. Das heißt ja noch nicht, dass man die Partei dann auch bei den Kommunalwahlen wählen muss. 

Interview: Iris Janda

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