Konwitschny: „Jetzt bin ich angekommen“

Höhenkirchen-Siegertsbrunns Bürgermeisterin im HALLO-Interview

Mindy Konwitschny arbeitet gerne auf dem neu hergerichteten Balkon ihres Büros.
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Mindy Konwitschny arbeitet gerne auf dem neu hergerichteten Balkon ihres Büros.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Seit gut fünf Monaten hat Mindy Konwitschny das Bürgermeisterinnenamt in Höhenkirchen-Siegertsbrunn inne. Die vierfache Mutter, die zuvor den Seniorentreff Kaiserstiftung in Riemerling leitete, kann aus sechs Jahren Erfahrung als Zweite Bürgermeisterin schöpfen. ImHALLO-Interview spricht sie über die Herausforderungen ihres Amtes.

HALLO: Frau Konwitschny, Sie sind Ihr Amt mitten in der Corona-Krise angetreten, noch dazu mit neun vakanten Stellen in der Gemeinde, darunter Geschäftsführung und Bauamtsleitung. Hätten Sie sich einen anderen Start gewünscht? 

Mindy Konwitschny: Klar, es hat sich jeder Bürgermeister gewünscht, dass kein Covid-19 ist. Einfach, weil uns das total beeinträchtigt in allen Entscheidungen. Das braucht viel Zeit und bindet wahnsinnig viel Personal. Andererseits hatte es den positiven Effekt, dass ich für Überraschungsthemen wie etwa die erneute Standortfrage beim Realschulbau mehr Zeit an den Wochenenden hatte.

Die vergangenen Jahre hat Sie vor allem Ihre Tätigkeit als Gemeinderatsmitglied ins Rathaus geführt. Wie unterscheidet sich die Arbeit als Bürgermeisterin auf der „anderen Seite“ nun zur Funktion vorher? 

Meine Aufgabe sehe ich nun vor allem darin, eine gute Vorarbeit zu leisten, damit der Gemeinderat gut arbeiten kann. Ich bin jetzt zwar kein Teil des Gemeinderats mehr, sondern der Verwaltung, aber ich sehe uns nicht als Gegenstück. Es ist ein Miteinander. Natürlich habe ich bei vielen Dingen meine Vorstellung, die ich einbringe. Aber am Ende setzt die Verwaltung um, was der Gemeinderat beschließt.

Nach über 100 Tagen: Was ist Ihre liebste Aufgabe als Bürgermeisterin? 

Die Zusammenarbeit in der Verwaltung und die strategische Führung mache ich total gerne. Und ich bin schon als Zweite Bürgermeisterin immer sehr gerne zu Veranstaltungen gegangen und war im Kontakt mit den Bürgern. Das vermisse ich momentan sehr.

Was war für Sie die größte Hürde in den ersten 100 Tagen? 

Der personelle Aufbau des Rathauses. Das hat uns alle wirklich viel Kraft gekostet. Wir haben und hatten zum Glück viel positive Energie – das hat geholfen. Es gab drei Wochen, da hatte ich am Tag sechs bis sieben Bewerbungsgespräche. Da bleibt wenig Zeit für anderes. Das war schon sehr viel. Aber ich wusste, was auf mich wartet. Die Situation ist ja nicht vom Himmel gefallen.

Das klingt nach vielen Überstunden. Wie viele Stunden hat ihre Arbeitswoche? 

Mehr als es sein sollte! (lacht) Aber bei der Jobbeschreibung weiß man, dass man sieben Tage die Woche 24 Stunden Bürgermeister ist. Mit dieser Einstellung sollte man reingehen. Wenn man seine acht Stunden Schlaf kriegt, ist das gut.

Gibt es etwas, was Sie weniger gerne machen? 

Es ist anstrengend die vielen Mails von Gesundheitsämtern und dem Freistaat wegen Corona zu sichten, zu prüfen und umzusetzen. Ich wollte nicht unbedingt Bürgermeisterin werden, um die ganzen Rechtslagen von Covid-19 zu verinnerlichen. Da bin ich auch froh, dass wir hier eine engagierte Jurastudentin gefunden haben, die das inzwischen übernommen hat. Ich arbeite mich gerne in Sach­themen ein, aber dann solche, die für uns als Ort wichtig sind, wie zum Beispiel die Rechtslage zum Thema Kiesabbau. 

Sie sind als Bürgermeisterin immer im Einsatz – zum Beispiel auch beim Einkaufen. Wie ist es in solchen Situationen von Bürgern angesprochen zu werden? 

Klar ist es so, dass ich, wenn ich mal schnell einkaufen muss, weil ich zum Beispiel ein Ei für den Kuchen vergessen habe, meine Kinder schicke. (lacht) Aber generell stört es mich überhaupt nicht, wenn mich jemand in solchen Situationen nach etwas fragt. Die Bürger haben aber auch Verständnis, wenn man sagt, dass sie lieber einen Termin im Rathaus ausmachen, weil ich es gerade eilig habe. Das ist ein ganz normaler, netter Austausch.   

Außer beim Einkaufen – inwieweit hat das neue Amt Einfluss auf Ihr Familienleben? 

Den hatte es vorher bereits, weil ich die vergangenen sechs Jahre schon als Zweite Bürgermeisterin neben meiner normalen Arbeit in der Kaiserstiftung viel Vertretung gemacht habe. Das Schöne jetzt ist, dass ich über Mittag leicht nach Hause gehen kann. Und da derzeit wegen Covid-19 meine Kinder von zu Hause studieren und mein Mann im Homeoffice ist, sehen wir uns alle sicher einmal am Tag zum Mittagessen.

Sie waren zuvor Leiterin der Kaiserstiftung in Riemerling. Was vermissen Sie an Ihrer alten Arbeit? 

Ich vermisse die guten Gespräche mit unseren Senioren und die Geselligkeit bei den gemeinsamen Veranstaltungen. So langsam kann man dort zum Glück mal wieder vorbeischauen. Das war eine harte Zeit, als die Kaiserstiftung auch wegen Corona geschlossen war. Der Kontakt fehlt mir. Es war wie eine ganz große Familie, die man dort hatte.

Was bereitet Ihnen die meisten Sorgen für die Zukunft der Gemeinde? 

Richtig große Sorgen bereitet mir die ganze Entwicklung mit den wahnsinnig steigenden Boden- und Mietpreisen. Junge Menschen, die hier aufgewachsen sind, müssen wegziehen und ältere Menschen haben vielleicht ein Haus, aber können nirgendwo eine bezahlbare Wohnung finden. Das ist ein Thema, das uns noch lange beschäftigen wird und ungutes Potenzial für unsere Gesellschaft birgt. Denn es spaltet und trennt die Menschen und ist für manche inzwischen schon existenzbedrohend. Da ist ganz viel Sprengstoff für den sozialen Zusammenhalt drinnen. Und neben wichtigen Themen wie Klima und Mobilität beschäftigt mich auch die Ungewissheit, wie es mit unseren Gewerbesteuereinnahmen in diesem Jahr auf Grund von Covid-19 aussieht. 

Nun noch einmal zu einem anderen wichtigen Thema für Höhenkirchen-Siegertsbrunn: Wie ging es Ihnen damit, dass das Thema Realschule so unerwartet wieder aufkam?

Es ist schon ungewöhnlich, dass sich Gemeinden von außerhalb so in Entscheidungen reindrängen und Druck ausüben. Aber wir haben uns nicht unter Druck setzen lassen. Wir haben alle Zahlen aktualisiert und für den Gemeinderat aufbereitet. Dabei hat sich erneut gezeigt, dass sich die beiden Standorte von den Kosten für die Gemeinde nicht stark unterscheiden. Auch der Standort Hohenbrunn würde für uns nicht viel günstiger kommen. Daher hat der Gemeinderat in der letzten Sitzung entschieden beim Standort an der Brunnthaler Straße zu bleiben.

Wie wird es denn nun weiter gehen? 

Wir werden nun von unserer Seite alles in die Wege leiten um den Realschulbau zügig voran zu bringen. Wie der Zweckverband mit der Entscheidung umgeht, ob er den Standort Hohenbrunn parallel weiter verfolgt oder nicht, wird sich in einer der nächsten Zweckverbandsversammlungen zeigen. Wir möchten jedenfalls, dass wir schnell eine weitere Realschule bekommen.

Abseits aller Diskussionen und Beschlüsse: Was war für Sie bisher der schönste Moment als Rathaus­chefin? 

(überlegt länger) Es gab so viele schöne Sachen. Der bewegendste Moment war auf jeden Fall, am ersten Mai ganz alleine hier im Büro zu sein. Der bewusste Moment, dass es wirklich so ist. Dass man hier nicht mehr nur der Gast ist, sondern jetzt da ist. In dem Moment habe ich gedacht: „Jetzt bin ich angekommen!“. 

Interview: Iris Janda

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