„Die Tour de France – das wäre natürlich mein absoluter Traum!“

18-jähriger Radrennprofi aus Brunnthal will ganz vorne mitfahren

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Der 18-jährige Leslie Lührs radelt jede Woche knapp 30 Stunden.

Brunnthal – Mit dem Rad von Brunnthal bis zum Tegernsee – für Leslie Lührs ist das Alltag. Die Strecke gehört für den 18-Jährigen zum täglichen Training. Als professioneller Radrennfahrer verbringt er derzeit 25 bis 30 Stunden in der Woche auf dem Rad. Es kann auch mal ins Inntal oder nach Sudelfeld gehen. „Ich fahre immer los und dann treibt es mich irgendwo hin“, erklärt der Brunnthaler. Lührs fährt seit sechs Jahren Rennrad. 

In dem Zeitraum ist er als Junior über 250 Rennen gefahren und hat mehr als 30 Siege geholt, darunter fünfmal die deutsche Meisterschaft. 2019 hat er am Gymnasium Höhenkirchen-Siegertsbrunn sein Abitur gemacht. Seitdem konzentriert sich Lührs voll auf den Sport. Und das ist auch gar nicht anders möglich. „Das ist ein Fulltime-Job“, betont sein langjähriger Freund Jonas Walter, der den Sportler managt. 

Dennoch: Ausgleich muss sein. Deshalb hat sich der Abiturient an der Uni für Italienisch-Kurse eingeschrieben. „Es ist mir wichtig, dass ich mich nebenbei auch auf der geistigen Ebene betätige“, erklärt Lührs. Wobei auch da der Gedanke an den Sport nicht ganz außen vor bleibt. Schließlich gibt es in seiner Mannschaft – dem Tirol KTM Cycling Team – viele Italiener. Da helfe die Sprache natürlich weiter. Wer den Brunnthaler mit zehn Jahren kennengelernt hat, könnte vermutlich eher erwartet haben, dass er einmal Profifußballer werden möchte. Denn mit dem Kicken hat er schon mit drei Jahren angefangen. 

Seine Leidenschaft für den Radsport hat Lührs eher zufällig entdeckt. Damals war er 13. Seine Mutter machte viel Triathlon und fragte ihn einmal, ob er nicht mitfahren wolle. „Ich kann mich noch genau daran erinnern. Heute würde man das ein Kultrad nennen. Die Schaltung war irgendwo am Rahmen. Nach einer Stunde fahren tat mir alles weh“, erinnert sich Lührs lächelnd an seine erste Tour zurück. Das alte Gefährt ist längst ersetzt, dem Sport ist der 18-Jährige treu geblieben. Ihm gefällt daran, dass Radsportler nicht auf bestimmte Plätze oder Räumlichkeiten festgelegt sind: „Das Schöne ist, du bist an nichts gebunden – außer an das Wetter“, meint der junge Mann lachend. 

Was ihm außerdem gefällt, ist die Eigenverantwortung beim Training. „Am Ende ist es natürlich ein Teamsport. Aber das eigene Training, die eigene Fitness, dafür ist nur man selbst verantwortlich“, verdeutlicht Lührs. Neben der Zeit auf dem Rad sind ausgleichende Sportarten wie Yoga, Schwimmen oder Krafttraining ebenso wichtig. Das alles kommt genauso wie das athletische Training noch zu den 25 bis 30 Wochenstunden Radtraining hinzu. Wenn dann die Rennsaison im März startet, sind Lührs Wochen noch voller. Zwischen 50 und 60 Renntage absolviert er im Jahr – An- und Abreise nicht mit eingerechnet. 

Denn die Touren finden bis Oktober in ganz Europa statt. Den Anfang macht am 4. März die Umag Trophy auf Istrien. Wenn der Brunnthaler vom Radsport erzählt, ist sein En- thusiasmus spürbar. Und den braucht es auch. „Finanziell motiviert macht man das nicht als Nachwuchssportler“, erklärt Jonas Walter. Lührs ist nach seiner Juniorenzeit beim Team Auto Eder Bayern in ein sogenanntes Development Team gewechselt. Diese sind darauf spezialisiert, junge Sportler unter 23 Jahren auf höhere Klassen hin zu trainieren. Der Radsport ist in drei Klassen aufgeteilt: die Kontinentaltour, die Pro-Tour und die World Tour – die „Champions League“. 

In dieser fahren die Sportler Rennen wie die Tour de France. Und genau dort möchte der Brunnthaler hin: „Die Tour de France ist absolut mein Traum. Dafür gehe ich jeden Tag aufs Rad. Das ist mein innerer Antrieb.“ Derzeit fährt Lührs in der Kontinentaltour. Er erhält monatlich eine Aufwandsentschädigung im mittleren dreistelligen Bereich. „Das ist nichts dafür, dass man Vollzeit trainiert“, erklärt Walter. Hinzu kommen monatliche Ausgaben für Transport, Reisekosten, Material, Physiotherapie. Das belaufe sich auf zirka 1000 Euro im Monat.

Die Sportler müssen sich daher selbst um Sponsoren, Stipendien und andere finanzielle Fördermöglichkeiten bemühen. Auch wenn das Geld in keinem Verhältnis zum Zeitaufwand steht, Lührs hat sich sehr über sein erstes „Gehalt“ gefreut: „Für mich war das ein toller Moment. Daran hab ich richtig gemerkt, dass das ganze jetzt professionell geworden ist.“ Nicht nur beim finanziellen Ausgleich ist noch Luft nach oben. Auch was die Anerkennung und öffentliche Aufmerksamkeit betrifft, steht der Radsport, etwa im Vergleich zum Fußball, deutlich hinten an. 

Ein großes Problem ist das Thema Doping, unter dem das Image des Radsports noch immer leidet. Diese Problematik ist selbstverständlich auch Lührs bekannt. „Die Frage zum Thema Doping kommt immer, aber es ist auch gut, dass sie immer kommt“, sagt er und stellt klar: „Doping ist ein absolutes No-Go!“ Der Sport sei in den letzten Jahren deutlich sauberer geworden. Dennoch sei er nicht der Meinung, dass die Disziplin zu 100 Prozent Doping-frei ist. Aber es gebe einen merkbaren Wandel: „Es kommt heute beim Doping zum großen Teil auf die einzelnen Sportler selbst an. 

Es ist nicht mehr auf ein System zurückzuführen. Wenn dann sind das Einzelfälle.“ Auch weil Sponsoren-Firmen heutzutage viel mehr Wert auf ihr Image legen, würden sich viele nicht mehr trauen, zu dopen: „Wenn man auffliegt, wird man von allen Seiten von den Sponsoren verklagt“, erklärt der junge Mann. „Es ist gut, dass es so ist.“ Bereits bei seinen Turnieren als Junior wurden die ersten drei Plätze und stichprobenartig weitere Sportler kon­trolliert. „Ab der Ziellinie wird man Schritt für Schritt begleitet bis zur Kontrolle“, erklärt Lührs das Prozedere. 

Am gängigsten sei die Urinprobe, weil sie wesentlich günstiger als eine Blutkontrolle sei, es werde aber auch beides durchgeführt. Wenn der 18-Jährige nicht auf Rennen oder in der Saisonvorbereitung ist, reist er gerne. Im vergangenen Jahr war der Radsportler für vier Wochen mit einem Teamkollegen im Himalaya-Gebirge beim Trekking. „Das wollte ich schon immer machen“, schwärmt er. Und das war außerdem gleichzeitig ein ganz legales, natürliches Mittel, um die Leistungsfähigkeit zu steigern: Höhentraining. Das sei im Radsport sehr gängig und werde ungefähr einmal im Jahr absolviert. Das höchste Gebirge der Welt muss es dafür aber nicht immer gleich sein. 

Iris Janda

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