„Mit einem Kreuzchen ist es nicht getan“

Brunnthaler Landwirtin engagiert sich für Insektenschutz

Landwirtin Anna Strohmeier aus Brunnthal vor ihrem Feld.
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Landwirtin Anna Strohmeier aus Brunnthal will mit ihrem Projekt der Blühpatenschaft ein Zuhause für Insekten schaffen.

Anna Strohmeier stellte in diesem Jahr ein Projekt auf die Beine, das die Artenvielfalt retten soll. Die Brunnthalerin will aktiv etwas tun und auch anderen die Möglichkeit geben, mit wenig Aufwand viel zu bewirken.

Anna Strohmeier lächelt, wenn sie von ihrer Arbeit spricht. Sie ist nicht nur Garten- und Landschaftsbauerin, sondern auch Landwirtin und lebt mit ihrer Familie auf ihrem Hof in Brunnthal. Von Klein auf hat sie einen bewussten Umgang mit der Natur und Tieren gehabt, sagt sie. Erinnert sie sich an ihre Kindheitstage zurück, waren da viele Schmetterlinge. „Zitronenfalter, Pfauenauge – ich habe dieses Jahr kein Einziges gesehen. Es fällt mir schon auf, dass früher mehr Schmetterlinge unterwegs waren. Und jetzt bin ich gerade erst knapp über 30.“

Als Anna Strohmeier vor zwei Jahren einen Bericht über einen Landwirt aus Norddeutschland im Fernsehen sah, der auf seinem Grund Blühflächen anlegte, dachte sie sich: „Das ist ja eine super Idee.“ Als dann das Volksbegehren mit dem Thema „Rettet die Bienen“ auch medial immer größer wurde, bemerkte sie: „Es ist ja der Wille da, auch von der Bevölkerung, dass etwas geändert wird.“ Strohmeier fand es schade, dass die Schuld des Artensterbens auf die Landwirte abgeschoben wurde. Dagegen wollte sie aktiv etwas tun, nahm den Hörer in die Hand und erkundigte und informierte sich bei Franz Grenzebach, der in Starnberg bereits durch sein Projekt der Blühpatenschaft bekannt war. Im nächsten Schritt war für Anna Strohmeier klar: „Okay, ausprobieren! Wir nehmen es in die Hand und machen es einfach.“

Einen Hektar Land stellt sie als Blühwiese zur Verfügung. Denn dass die Artenvielfalt sinkt und Insekten sterben, stellt ein großes Problem dar. So bestäuben Bienen beispielsweise das Obst und Gemüse. Durch jede Blühpatenschaft werden 100 Quadratmeter des Grundstücks bepflanzt. Parzellen gibt es ab einer Größe von 100 Quadratmetern und dann in 50 Quadratmeter Schritten steigend als Patenschaft zu übernehmen. Pro Quadratmeter zahlt der Blühpate einen Euro, also insgesamt bei einer Fläche von 100 Quadratmetern, 100 Euro und übernimmt dann drei Jahre die Patenschaft. Heruntergerechnet sind das konkret 33,33 Euro im Jahr, die viel bewirken. Der Pate erhält dann eine Patenschaftsurkunde und kann die Blühfläche jeder Zeit besuchen und auch hören, wie die Insekten die neue Blühlandschaft beziehen und beleben.

Zusätzlich will Anna Strohmeier ab einer Patenschaft von 200 Quadratmetern eine weitere Fläche von 100 Quadratmetern auf eigene Kosten säen. Ab nächstem Jahr kann es losgehen. Das Feld wurde jetzt gedüngt und umgeackert. „Sobald es dann die Witterungsverhältnisse zulassen und der Bodenfrost weg ist, werden die Samen gesät und einmal angewalzt. Spielt das Wetter mit, fangen die Pflanzerl nach ein, zwei Wochen oder nach ein paar Tagen – je nach Sorte, an zu wachsen.“ Anna Strohmeier hat schon jetzt viel Zeit in das Projekt gesteckt, doch sagt sie: „Ich möchte den Leuten die Chance geben, etwas machen zu können. Ich möchte es den Leuten einfach ein bisschen bewusst machen und sagen: ‚Hey, jeder kann etwas tun‘. Denn nur mit dem Setzen eines Kreuzchens ist es noch nicht getan.“ Damit meint sie die Unterschriften der Aktion „Rettet die Bienen.“

Anna Strohmeier wünscht sich, dass so viel Fläche wie möglich als Blühwiese genutzt werden kann „Aber es ist halt – wie eigentlich immer – auch ein finanzieller Aspekt. Und da ist man auf die Blühpaten angewiesen, damit wir es auch umsetzen können.“ Läuft das Projekt gut an, so sagt Strohmeier, wäre sie bereit, mehr Fläche als Blühpatenschaftswiese anzulegen. „So viel wie möglich“, sagt sie.

Auch ihre Familie stehe hinter ihrem Vorhaben. „Wir sind Neuem gegenüber immer offen und probieren gern aus. Und mei, wenn es nicht funktioniert, dann war es einen Versuch wert“, sagt Anna Strohmeier. Was nicht außer Acht gelassen werden darf, ist, dass der Landwirtin nicht nur Mehraufwand, sondern auch Kosten entstehen. Kosten für die Werbung, die Organisation, den Traktor, die Arbeitszeit, die Samen – und den Ertragsausfall. Das aber hält sie nicht ab. Auf ihren Tatendrang und die viele Arbeit angesprochen, sagt sie, während sie auf den Acker blickt: „Wenn, dann richtig.“

Wenn Anna Strohmeier von ihrer Arbeit spricht, lächelt sie. Es entsteht der Eindruck, als würden bald nicht nur die Blumen blühen, sondern auch sie selbst. Mit Herz und Leidenschaft gibt sie mit ihrem Vorhaben der Natur ein Stück von dem zurück, was sie bekommen hat. Und ihre Erinnerungen von bunt flatternden Schmetterlingen werden mit Hilfe der Blühpaten bald wieder zur Realität.

Melanie Schröpfer

Wer eine Blühpatenschaft übernehmen oder mehr erfahren möchte, findet weitere Informationen zum Projekt im Internet unter www.losgeblueht.de.

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