Für das Sorgenkind

Brunnthaler Gemeinderat will Kastanie erhalten

Bestandsschutz: Die prächtige Kastanie am Brunnthaler Rathaus darf bleiben. Dies beschloss der Gemeinderat einstimmig.
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Bestandsschutz: Die prächtige Kastanie am Brunnthaler Rathaus darf bleiben. Dies beschloss der Gemeinderat einstimmig.

Prächtig und ehrwürdig schmückt die alte Kastanie seit vielen Jahren das Brunnthaler Rathaus. Doch durch massive Astrisse ist der Baum jetzt zu einem Verkehrsrisiko geworden. Der Gemeinderat musste entscheiden, ob sie erhalten werden kann.

Dieser Baum genießt Bestandsschutz! Die formschöne Kastanie schmückt das Brunnthaler Rathaus seit dessen Entstehungstagen, bereitet bei genauerer Draufsicht aber auch immer wieder Sorge. Doch einstimmig sprach sich das Gremium in seiner jüngsten Gemeinderatssitzung gegen mögliche Fällabsichten wegen zuletzt mangelnder Verkehrssicherheit aus. Durch Sicherung der Krone und umfangreiches Zuschneiden soll lediglich jene Verkehrssicherheit wiederhergestellt werden. Der Baum als veritables Brunnthaler Wahrzeichen in der Ortsmitte bleibt damit erhalten.

Besonders das nach Westen gerichtete Astwerk bereitete auf 7,40 Metern Höhe durch einen immer weiter wachsenden Astriss zuletzt Sorgen. Die Gemeinde holte Angebote eingeholt: Zeitnah soll nun eine Fachfirma die stutzende, aber insgesamt Struktur erhaltende Säge ansetzen. Die Bestands- erhaltung als solche stand im Gemeinderat dagegen nicht zur Diskussion.

Nur kurz verstiegen sich die Räte in bloße Fachanalyse. Resistente Gehölze wie die Ungarische Fichte oder italienische Erle gelte es laut Rathauschef Stefan Kern (CSU) in Zeiten grassierenden Klimawandels künftig vermehrt auf Gemeindeflur zu pflanzen, um die Grünstruktur zu sichern. „Es gibt auch genug resistente deutsche Bäume“, entgegnete Siegfried Hauser (PWB). Hilde Miner (Grüne) argumentierte mehrstufig. „In Zeiten fortschreitenden Klimawandels muss halt auch der Rathausbaum mal gegossen werden“, forderte sie. „Der Baum muss erhalten werden, hat Historie und weckt Emotionen und Erinnerungen bei den Menschen“, rührte sie auch die Gefühlstrommel.

Biologisch sei eine Fällung ohnehin unsinnig: „Millionen von Insekten und Getier sind dort im Baum beheimatet – das kann eine Ersatzpflanzung nicht auffangen“, befand die Grüne. Auch finanziell sah sie kein Argument: „Drüben schütten wir 15 Millionen Euro in die Baugrube“, stichelte sie mit Blick auf das entstehende Ortszentrum vis-á-vis. „Und dann wollen wir ein paar tausend Euro für eine Baumerhaltung nicht aufbringen können?“

Wollen die Brunnthaler doch! „Ich muss Hilde Miner schweren Herzens recht geben“, schmunzelte CSU-Rat Thomas Mayer. Der Baum solle erhalten werden. „Wir haben dort schon in der Vergangenheit viel investiert“, so der Zweite Bürgermeister. Rathauschef Stefan Kern untermauerte den notwendigen Erhalt mit Zahlen: „30.000 Mark haben wir seinerzeit auch im Zuge des Rathausbaus investiert, um die Kastanie zu retten.“ Das müsse man jetzt logisch fortsetzen. Emotionen bündelte Christian Schleich mit Faktenwissen: „So ein Baum liegt einem am Herzen. So einen habe ich daheim auch. Massiv zuschneiden, dann bleibt die Krone stark und sicher“, so der Landwirt. So soll es sein. „Schließlich kühlt die Kastanie auch die Köpfe im Ratsaal“, schmunzelte Daniel Brenner (CSU). 

Harald Hettich

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