Ulla Gocke tritt aus dem Gemeinderat aus

Brunnthaler Gemeinderätin im Interview über ihren Austritt

Porträtfoto von der ehemaligen Brunnthaler Gemeinderätin Ulla Gocke.
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Ulla Gocke ist aus dem Brunnthaler Gemeinderat ausgetreten. Grund sei unter anderem der raue Ton im Gremium.
  • VonMelanie Schröpfer
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Nach sieben Jahren tritt Ulla Gocke von ihrem Ehrenamt als Brunnthaler Gemeinderätin zurück. Mit HALLO spricht sie über ihre Beweggründe.

HALLO: Wie geht es Ihnen damit, die Entscheidung getroffen zu haben, Ihr Ehrenamt als Gemeinderatsmitglied niederzulegen?
Ulla Gocke: Für die Entscheidung habe ich mir natürlich sehr viel Zeit gelassen. Mittlerweile geht es mir auch ganz gut damit. Ich sehe, dass ich Abstand bekomme und das ist wichtig. 
Haben Sie mit dieser Entscheidung gehadert?
Leichtgefallen ist es mir nicht. Das wäre auch verwunderlich, denn ich habe sehr viel Zeit, Energie und Herzblut hineingesteckt in diese Arbeit, weil mir diese Arbeit einfach wichtig war. 
Was war letztlich der ausschlaggebende Punkt, der Sie dazu bewog, den Schritt des Ausscheidens zu gehen? 
Zum einen war und ist es nicht mein Lebensziel, Don Quichotte zu spielen, gegen Windmühlen der Engstirnigkeit und Ignoranz zu kämpfen. Mir hat einfach der konstruktive, gemeinsame Weitblick gefehlt.
Was bedeutet das konkret? 
Dass ich sage, es gibt außer der „eigenen“ Meinung auch noch andere Ansichten und Meinungen. Man verhandelt und ringt so lange um die beste Lösung für die Gemeinde, bis man einen Kompromiss gefunden hat, der für alle tragbar ist. Das findet in Brunnthal leider nicht statt.
Welchen Umgang hätten Sie sich gewünscht?
Für mich fehlten einfach Respekt und Achtsamkeit. mir fehlte auch, dass jeder Einzelne im Gremium als Person mit Kompetenzen und Erfahrung gesehen wird. Es geht nicht darum, seine eigene Meinung durchzusetzen, sondern für die Gemeinde Brunnthal und für die Bürger das Bestmögliche herauszuholen.
Haben Sie eine Idee, warum es teilweise zu sehr harten Worten kommt?
Die CSU hat eine Mehrheitsposition – sie braucht niemand anderen. Warum also von der Meinung, die richtig zu sein scheint, abweichen? 
Nach sieben Jahren verabschieden Sie sich aus dem Gemeinderat. Welche Reaktionen haben Sie daraufhin bekommen? 
Aus dem Gremium habe ich schon Stimmen und Reaktionen des Bedauerns bekommen. Ich habe auch aus der Bürgerschaft viel Verständnis für meine Entscheidung bekommen.Und dafür bin ich auch sehr dankbar.
Wäre es möglich, dass Sie eines Tages Ihren Weg zurück in das Gremium finden?
Ich war immer ein politischer Mensch und werde es auch mit Sicherheit bleiben. Die Frage ist, was die Zukunft bringen wird. Darüber möchte ich mir noch keine Gedanken machen, weil mich das jetzt im Moment in meiner persönlichen Entwicklung hemmen würde.
Auf welche Fortschritte, die Sie ankurbeln konnten, sind Sie besonders stolz?
Worauf ich wirklich stolz bin, ist, dass ich das Bauleitverfahren in der Glonner Straße begleiten konnte und durfte. Stolz bin ich auch auf den Antrag, den ich mit der Frauen-Union stellte, in dem es um betreute Senioren geht. Es ist schön, dass sich die Gemeinde diesem wichtigen Thema annimmt, auch wenn die Zuständigkeit nicht bei der Gemeinde liegt. Denn vor allem in Brunnthal gibt es Not: Wer als Brunnthaler im Alter Hilfe benötigt und einen Platz benötigt, kommt in Aying oder Sauerlach kaum unter. 
Welche Themen hätten Sie gerne noch vorangetrieben?
Gerne hätte ich die Gemeinde in ihrer strukturellen Entwicklung begleitet, weil ich denke, wir könnten noch den ein oder anderen Einzelhandel gut in den Ortsteilen gebrauchen.
Wie geht es für Sie nun weiter?
Ich konzentriere mich jetzt erst mal auf mich und meine berufliche Weiterentwicklung. Ich habe die ein oder andere Veränderung, die ich anstrebe und da brauche ich meine Energie. 
Was wünschen Sie sich zum Abschluss für die Gemeinde? 
Dass Brunnthal dem anderen Wertschätzung gegenüber bringt – und zwar auf allen Ebenen.

Melanie Schröpfer

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